Menschen

Mit Gier und Ehrgeiz in den Untergang

Illustration eines dicken Mannes, der gierig Geldmünzen zählt

Gier frisst Hirn. Diese These findet man auch im organisierten Sport bestätigt. Ein kleines, sehr realistisches Szenario gefällig?

Blindlings auf zu neuen Ufern

Da spielt ein Verein über Jahre deutlich zweitklassig (damit meine ich nicht 2. Liga) und Fans, Spieler und Vereinsführung sind glücklich. Eine heile Welt. Doch plötzlich läuft es spielerisch richtig gut und man steht vor den Aufstiegsrängen. Geplant war dies nicht, denn es war der Vereinsführung bewusst, dass ein Aufstieg ein sehr, sehr zweischneidiges Schwert sein kann. Aber nun? Vielleicht und irgendwie könnte es ja doch klappen. Eine höhere Spielklasse bedeutet mehr finanzielle Belastungen, aber auch mehr Möglichkeiten der Vermarktung. Also werden die Ärmel hochgekrempelt und Sponsoren akquiriert. Auch an der Einstellung wird gearbeitet. Man müsse sich professionalisieren, den neuen Bedingungen anpassen, so das neue Credo. Es geht jetzt schließlich nicht mehr nur um den Sport, sondern auch um Geld.

Die illusorische Welle des neuen Erfolges

In dieser Phase zieht der Verein Opportunisten an, wie der Kuhfladen die Fliegen. Alle wollen plötzlich „helfen“ - frei übersetzt: im Rampenlicht stehen, ihr Image aufpolieren und ihr eigenes Business über den Verein vermarkten. So nimmt das Unheil seinen Lauf. Blind reitet man weiter auf der gemeinsamen, illusorischen Welle des neuen Erfolges. Bald schon wird es ja viel, viel besser aussehen. Vielleicht kann man sich bald über einen erneuten Aufstieg freuen, vielleicht sogar einmal in die höchste Liga. Also heißt es aufrüsten. Neue, teure Spieler werden verpflichtet, Pressekonferenzen abgehalten und den Sponsoren Honig ums Maul geschmiert.

Spielerisch läuft es mittlerweile sogar recht gut, jedoch die Zuschauer ziehen nicht in dem Maße mit, wie erwartet. Irgendwie sind Mannschaft und Verein nicht mehr dieselben. Eintrittspreise & Bier sind teurer geworden und als Zuschauer muss man sich allenthalben die Vorstellung neuer Sponsoren und die Selbstbeweihräucherung der Vorstandschaft anhören. So findet lediglich ein Fan-Austausch statt - die alten gehen und werden durch neue ersetzt. Aber Bertram Brieftasche und Erwin Ego träumen weiter. Bis irgendwann die Bombe platzt und der Kassenwart die rote Karte zeigt.

Aufgeben ist doch keine Option

Aber so schnell geben die neuen Möchtegern-Manager nicht auf. Man spiele doch so gut und bei anderen Vereinen ist doch auch Geld da. Mit dieser Litanei wird die Presse bombardiert und Stadt & lokale Wirtschaft werden um finanzielle Hilfe gebeten. In 50% der Fälle gewinnt der Verein so ein wenig Zeit, aber Geldprobleme lassen sich nun mal nicht mit Geld lösen. Früher oder später ist Schicht im Schacht. Ausgeträumt. Für die Opportunisten ein kleiner Dämpfer, aber mit der gewonnenen Erfahrung und der bestehenden Gier nach Geld und Ansehen geht es bald zum nächsten Club. Der alte Verein steht vor dem Scherbenhaufen und hat sich von seinen Trainern, Unterstützern und Fans entfremdet. Ein Szenario, welches keineswegs meiner Fantasie entspricht.

Die Moral von der Geschichte

Und was lernen wir daraus? Ist Geld schlecht? Gott bewahre, nein. Aber wenn es, wie in genannter Story, vergessen lässt, warum wir eigentlich Sport treiben, was unsere wahren Werte sind, dann ist es in der Tat gefährlich. Dies gilt für Mannschaften wie auch Einzelsportler. Noch nie hat der Motivator Geld einen Champion produziert, aber mehr als einmal hat der falsche Umgang mit Geld, Abstürze produziert, die bei einer bescheideneren Geisteshaltung vermeidbar gewesen wären.

Illustration: Kirillslov / Pixabay

22. Juni 2022

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