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Faszien und deren professionelle Behandlung

Faszien

Faszien sind ein Begriff, der schon seit Jahren in aller Munde ist und auch eine nette kleine Industrie an entsprechendem Equipment begründet hat. Sicherlich hat der ein oder andere schon mal diese kleinen Hartschaumbälle bzw. die größere Rolle gesehen, auf denen man seine Faszien ausrollen kann.

Die Theorie

Grob vereinfacht dargestellt, sind Faszien ein dünnes Bindegewebegeflecht, das jeden Muskel, jeden Knochen, unsere Organe und selbst die Nerven umhüllt. Sie sind zahlreich mit sympathischen Nervenendigungen durchsetzt. Über diese Nervenendigungen wirken die Faszien auf unser vegetatives Nervensystem. In dieser Schicht wird auch Lymphflüssigkeit abgeleitet und Aufbustoff transportiert. Faszien können jedoch »verkleben«, wenn es aufgrund von Verspannungen zu einem Stau der Lymphe kommt. Eine zu hohe Faszienspannung kann dazu führen, dass die Beweglichkeit des Menschen stark eingeschränkt wird und weitere Beschwerden damit einhergehen. So kann z.B. eine verkürzte Wadenfaszie über die Beine einen Zug auf unseren unteren Rücken oder sogar die Schulter ausüben und dort für Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Unbehagen sorgen. Eine bedeutende Rolle spielen Faszien auch bei der Krafterzeugung. Sie erzeugen durch Dehnspannung Kräfte und leiten diese im Körper weiter. Muskeln verstärken die Kräfte um ein Vielfaches.

Maßnahmen

Um die Faszien zu bearbeiten und auszustreichen, gibt es im Handel die oben genannten Hilfsmittel. Diese haben allerdings den Nachteil, dass sie nur sehr oberflchlich wirken und es oftmals unmöglich ist, entsprechende Übungen auszuführen, ohne dass der Körper durch die notwendige Haltekraft unter Spannung ist und »dicht« macht. Eine Bearbeitung der Faszien setzt aber nun mal Entspannung voraus. Dies ist ähnlich wie bei einer Selbstmassage, die nicht annähernd an die Arbeit eines Masseurs herankommt. Genau wie bei diesem Beispiel gibt es aber auch im Bereich der Faszien Experten, die dementsprechend ausgebildet sind. Zu einem solchen Therapeuten – Udo Buschinek - habe ich mich für diesen Artikel begeben, um zu sehen, wie eine professionelle Behandlung abläuft und wie sie wirkt.

Die Behandlung

Vor der Behandlung werden zuerst Fotos gemacht, die dem Therapeuten eine optische Einschätzung von möglichen Fehlhaltungen ermöglichen, aber auch als Vergleich zu den Fotos nach der Behandlung dienen. In meinem Fall wurden keine größeren Haltungsfehler entdeckt, nur eine leicht Vorneigung beim Stehen, die den Körper etwas aus dem Lot bringen. Die Behandlung selbst begann im Bereich der Oberschenkel, die bei mir alles andere als weich und geschmeidig waren. Unangenehme Schmerzen (wie beim eigenen Faszien-Ausrollen) blieben komplett aus, dies hatte ich anders erwartet. Allerdings merkte ich deutlich, welche Druckpunkte sich öffeten und wie sich teilweise die Lockerung wellenartig in andere Bereiche ausweitete. Weiter ging es über den Bauchbereich zu den Schultern und dem Bereich der Brustmuskulatur. Behandelt wurde immer nur eine Seite, damit ich beim zwischenzeitlichen Aufstehen einen etwaigen Unterschied spüren konnte. Auch der seitliche und hintere Rückenbereich sowie Hals- und Nacken wurden vom Fachmann durch Druck mit Daumen oder Ellenbogenspitze gelockert und mit dem Handballen oder dem Unterarm der Länge nach ausgestrichen. Die ganze Sitzung dauerte eineinhalb Stunden. Je nach Beschwerdebild und Zustand des Fasziennetzes können mehrere Sitzungen notwendig sein. Leider werden die Behandlungskosten noch nicht von der Krankenkasse gefördert.

Auswirkungen

Wie wirkt sich nun eine Faszienbehandlung in der Praxis aus? Ein echtes Beschwerdebild gab es bei mir zwar nicht, jedoch hatte ich trotz guter Kraftwerte und Gelenkigkeit das Gefühl, mich nicht so geschmeidig zu bewegen, wie dies noch vor zehn Jahren der Fall war. Besonders im Oberkörperbereich spürte ich nach der Behandlung, dass meine Bewegungsabläufe etwas reibungsloser von statten gehen und auch meine Überkopfbeweglichkeit der Schultern hatte sich leicht verbessert. In der tiefen Kniebeuge spürte ich eine minimal aufrechtere Haltung und ich bin mir insgesamt sicher, dass sich nach paar zusätzlichen Sitzungen weitere Verbesserungen einstellen würden, denn auch wenn die Methode funktioniert, darf man doch keine Wunder über Nacht erwarten. Überraschend waren für mich die spätere Auswertung der Vorher-Nachher-Fotos und die Anmerkungen dazu. Hier konnte man deutlich erkennen, wie sich meine Haltung verbessert hatte. Ich stand aufrechter, der Brustkorb weiter geöffet, die Wirbelsäule war in der Vertikalen besser ausgerichtet, mein Hals länger (kein Witz) und auch mein Gesichtsausdruck war entspannter. Von Placebo-Effekt kann man da wohl kaum rechnen. Ein wirklich überzeugendes Ergebnis nach nur einer Sitzung! Leistungssportler und Vieltrainierer sollten sich mit der Thematik wirklich einmal auseinandersetzen. Wer an einem Leistungsplateau angelangt ist, welches sich mit normalem Training nur marginal überwinden lässt, findet hier vielleicht einen Parameter, der durchaus noch signifiante Leistungssteigerungen bewirken kann und auch präventiv wirkt.

Udo Butschinek

Behandlungsmethode und Therapeut

Udo Butschinek ist seit 2006 ausgebildeter Senmotic® Faszientherapeut. In der Therapie arbeitet der Therapeut am muskulären Bindegewebe, auch »Faszien« genannt. Mittels exakt dosiertem Druck und Zug werden Verspannungen und Verhärtungen gelöst, wobei der Klient sitzt, steht oder liegt. Um Faszienschichten zu mobilisieren setzt der Senmotic-Therapeut seine Ellenbogen, Hände und Fäuste ein. Diese manuelle Behandlungsmethode ist für alle geeignet, die ihre Körperhaltung, leistungsfähigkeit oder ihre Bewegungsmöglichkeiten verbessern oder optimieren wollen. Sie kann für Sportler jeglicher Couleur eine Leistungssteigerung bewirken. Neben Frank W. Demann, dem Begründer der Methode und Ronny Liebmann (beide aus leipzig) ist Udo Butschinek der einzige ausgebildete Senmotic-Therapeut in den neuen Bundesländern. Für Interessierte bietet er einmal im Monat einen kostenfreien Infoabend zur Faszientherapie an.

08. November 2016

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