Vereinsvorstellungen

Deutscher Alpenverein Sektion Chemnitz

Deutscher Alpenverein Sektion Chemnitz

An einem Märzwochenende auf der Anton-Günther-Höhe bei Wolkenstein: Dem Schmuddelwetter zum Trotz ist ein Häuflein verwegener Frauen und Männer auf einer abschüssigen Wiese zugange. Mit Klettergurten ausgestattet veranstalten sie eine Art Tauziehen. Die Kräfte sind ungleich verteilt: einer von ihnen wird mittels einer seltsamen Schlingenkonstruktion vom Rest der Mannschaft den Hang hinauf gezogen. Spaziergänger bleiben verwundert stehen. Des Rätsels Lösung: Eine Gruppe Bergsteiger lernt unter den Augen eines erfahrenen Übungsleiters Techniken, um im Ernstfall Bergfreunde schadlos aus tückischen Gletscherspalten zu bergen. Für das Trockentraining ersetzt der Wiesenhang die Eisflanken. Immer wieder werden die Flaschenzüge nach bestimmten Prinzipien aus Karabinern und Seilstücken zusammengebaut und reihum an den Mitstreitern erprobt – bis am Ende jeder Griff im Handumdrehen sitzt.

Die Alpinisten sind Mitglieder der Chemnitzer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV), dem größten Bergsportverein im Chemnitzer Raum. Mehr als 2.500 Bergfreunde aus Chemnitz und Umgebung gehen im Zeichen des Edelweißes unterschiedlichen Spielarten des Bergsports nach: Wandern, Klettern, Gletschertouren und Skibergsteigen sind nur einige davon. Dafür sind sie nicht nur in den Alpen unterwegs, sondern überall, wo man Bergsport ausüben kann: am häufigsten in den heimischen Mittelgebirgen, aber auch auf Trekkingtouren an den höchsten Bergen der Welt. Vor allem junge Mitglieder sind begeistert vom Trendsport „Bouldern“. Das seilfreie Klettern in Absprunghöhe an kleinen, aber steilen Felsformationen erfordert ein hohes Maß an Körperbeherrschung, Athletik und Kreativität. Nie war der DAV Chemnitz jünger als heute. Früher haben die Erwachsenen ihre Kinder mit zum Verein gebracht. Heute sind es die Kinder, die infiziert vom Klettervirus ihre Eltern in den Alpenverein locken.

Der DAV blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Mitte des 19. Jahrhunderts war die Erschließung der Alpen in vollem Gange, der Alpinismus wurde geboren. Nach Briten und Schweizern sahen auch deutsche Bergsteiger die Zeit gekommen sich zusammenzuschließen: Der 9. Mai 1869 war die Geburtsstunde des Deutschen Alpenvereins. Schnell breitete sich das Interesse an der Erkundung der Alpen übers ganze Land aus. Im Jahre 1882 wurde die Chemnitzer Sektion gegründet. Die deutsche Teilung bedeutete später das Ende der Sektion, aber 1990 kam es zur Wiedergründung und seither wächst der Verein dynamisch. Auch wenn die Sektion heute keine eigene Schutzhütte in den Alpen mehr ihr Eigen nennt, so sind ihre Mitglieder auf mehr als 300 Alpenvereinshütten willkommene Gäste und genießen dabei manche Privilegien. Ein wichtiger Pluspunkt ist auch der umfassende Versicherungsschutz, den die Mitgliedschaft bei allen bergsportlichen Aktivitäten nahezu weltweit beinhaltet.

Gemeinsames Erleben der Natur mit allen Sinnen, über alle Altersgrenzen und Gesellschaftsschichten hinweg, sind gewichtige Pfunde, mit denen der Alpenverein wuchern kann. Im DAV Chemnitz spiegelt sich die große Bandbreite des Bergsports wider: Mehr als ein Dutzend Trainer organisiert regelmäßig Tourenwochen im gesamten Alpenraum. Die Mitglieder finden in der Geschäftsstelle eine umfangreiche Bibliothek mit Kletter- und Wanderführern vor und können so eigenständige Bergtouren planen. Ehrenamtliche Wanderführer organisieren Ausflüge in die deutschen Mittelgebirge. Großer Beliebtheit erfreuen sich Tageswanderungen in der erzgebirgischen Heimat mit Themenschwerpunkten wie Ornithologie, Botanik, Geologie oder Bergbau. Die Senioren der Sektion, die sich selbst liebevoll “Rentiere” nennen, wandern regelmäßig durchs Chemnitzer Umland. In den vergangenen Jahren hat das Hallenklettern rasant an Beliebtheit gewonnen. Neben zwei  kommerziellen Kletterhallen gibt es in Chemnitz einige Kletterwände in Schulen und kommunalen Einrichtungen. Hier ist der DAV als Ratgeber bei der Planung und Betreuung von Klettergruppen gefragt. In diesem Rahmen finden sich zum Beispiel regelmäßig montags sehende und blinde Kletterer zum gemeinsamen Training an der Kletterwand des Sehförderzentrums zusammen.

Die Jugendarbeit ist der wichtigste Eckpfeiler der Vereinsarbeit. Die Zahl der Familien- und Kindergruppen steigt stetig an – und damit der Bedarf an qualifizierten Betreuern. Derzeit meistern zehn motivierte Jugendleiter die größte und zugleich schönste Herausforderung: den heranwachsenden Bergsteigern die Faszination des Klettersports zu vermitteln und die Jugendlichen für die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur zu sensibilisieren. Die jungen Kletterer lernen auf ihren Ausflügen ins Elbsandsteingebirge die Besonderheiten der sächsischen Klettertradition kennen und reisen in den Ferien gemeinsam in die schönsten Kletter- und Bouldergebiete Europas. Sportklettern und Bouldern haben sich längst als Wettkampfsport etabliert. Die Jugendlichen trainieren daher systematisch und mit großem Erfolg. Die besten Nachwuchskletterer werden zielgerichtet im Stadtkader gefördert. Die Liste der Erfolge ist lang, sie reicht von ersten Plätzen in der Sächsischen Meisterschaft über Siege beim Deutschen Jugendcup (Jannik Kindermann) und vordere Plätze beim Europäischen Jugendcup (Lucia Dörffel, 3. Platz) bis hin zu starken Platzierungen bei den Jugendweltmeisterschaften (Anton Schramm, 11. Platz). Vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung des Klettersports wird sicherlich Tokio 2020 sein, wenn erstmals um olympisches Gold geklettert wird. Und vielleicht heißen die Olympia-Sieger im fernen Japan dann tatsächlich Lucia, Anton oder Jannik?

Deutscher Alpenverein Sektion Chemnitz e.V.
Zieschestraße 37, 09111 Chemnitz
Tel.: 0371 - 6762623
www.dav-chemnitz.de

Foto: Ingo Röger

05. Januar 2017

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