Menschen

Straßenspiele aus Kinderzeiten neu entdeckt

Straßenspiel

Rose-Tulpe-Nelke... Mit diesen drei Worten und einem längeren Springseil lassen sich ganz einfach Sprungkraft, Ausdauer und Koordination trainieren und das auch noch mit Spaß und Freude. Wer hätte gedacht, dass ein altes Straßenspiel aus Omas Zeiten dazu das Zeug hat?

Keine Ideen...

„Och uns ist langweilig“ hörte ich meine Kindern genervt quengeln. Ich sah mich daher genötigt, den Mädels einen Vorschlag zu unterbreiten. Da aber auch mir nicht gleich etwas einfiel, sagte ich nur: „Geht doch draußen spielen“. Aber da hatte ich es mir zu einfach gemacht, denn prompt wurde mein Vorschlag mit der Frage: „Und was sollen wir da machen?“ abgeschmettert. „Wie wäre es mit umgraben, Beete anlegen, Zwiebeln stecken?“ erwiderte ich, wusste aber sofort die Antwort: „Keine Lust!“ Oh Mann bzw. oh Frau...

Ich kam mir vor wie bei einem Tennisspiel - immer wieder kam der Ball zu mir zurück. Mir fehlte einfach der entscheidende Schlag, um zu gewinnen. Mittlerweile, etwas entnervt, spielte ich den Ball mit einem kurzen „euch wird schon was einfallen“ erneut zu, schob sie zur Tür hinaus und überlies sie (mit ihrer Langeweile) sich selbst. Damit hatte ich zumindest erst einmal Zeit gewonnen. Die Lösung? Eher nicht...

Inspiration aus der Kindheit

Abends im Bett kam mir die Situation des Tages wieder in den Sinn und ich überlegte, was ich in meiner Kindheit draußen alles gespielt hatte. Je länger ich darüber nachdachte, um so klarer schwebten mir meine Kindertage vor Augen, bis ich schließlich einschlief. In meinem Traum spielte ich die Straßenspiele aus Omas Zeiten: Gummi-Twist, Huppe-Kästchen, Räuber und Gendarm, Halli-Hallo, Ballprobe.... Auf einmal fielen mir noch mehr Straßenspiele ein, so dass ich nun schon wieder die Qual der Wahl hatte, welches ich den Kindern am Wochenende zuerst beibringen wollte. Ich entschied mich für Gummi-Hopse und landete damit einen Volltreffer bei den Kids. Spiel, Satz und Sieg für alle!

Nachfolgend ein paar der besten Spiele für Alle, die mit ihren Kindern mal wieder ein Straßenspiel aus ihren Kindertagen ausprobieren, nachspielen und entdecken wollen. Die Spiele können ohne großen Aufwand, mit wenigen Mitteln und viel Freude immer wieder gespielt werden und regen ganz neben bei die Phantasie und Entwicklung der Kinder an. Langeweile oder Bewegungsmangel kommen dabei jedenfalls nicht auf.

Sieben konkrete Spielvorschläge

Faules Ei

Straßenspiele

Alle Kinder stehen im Kreis. Ein Kind hat einen zuvor festgelegten Gegenstand (ein Stock, ein Taschentuch mit einem Knoten oder einen Stein) in der Hand und läuft um den Kinderkreis herum. Irgendwann versucht es, unauffällig den Gegenstand hinter einem Kind fallen zu lassen. Sobald das Kind im Kreis dies bemerkt, versucht es, das andere Kind einzuholen. Wer zuerst auf dem frei gewordenen Platz steht, darf dort bleiben. Der andere Spieler versucht nun, den gewählten Gegenstand unauffällig abzulegen. Bemerkt ein Kind im Kreis den Gegenstand nicht, wird es vom Läufer mit den Worten „Eins, zwei, drei ins faule Ei“ angetippt und muss in die Mitte des Kreises. Dort kommt es nur wieder frei, wenn ein anderes Kind ins faule Ei geschickt wird.

Hallihallo

Ein Kind mit einem Ball ist der Spielleiter. Die anderen Kinder stehen dem Spielleiter in einer Linie gegenüber. Der Spielleiter sagt zum Beispiel: „Ich suche ein Tier mit K“. Dabei wirft er dem ersten Kind den Ball zu. Dieses muss den Ball fangen und mit einem Lösungsvorschlag zurückwerfen. Stimmt das Lösungswort nicht, wird dem nächsten der Ball zugespielt. Das geht so lange, bis das gesuchte Wort erraten wird. In diesem Moment ruft der Spielleiter „Hallihallo“ und wirft den Ball so hoch er kann. Das Kind, welches das Lösungswort nannte, versucht, den Ball so schnell wie möglich zu fangen und ruft dann "Stopp". Der Spielleiter muss augenblicklich stehen bleiben. Nun macht das Kind mit dem Ball, so viele Schritte in Richtung Spielleiter, wie das Lösungswort Silben hat. (Beispiel: Kakadu mit drei Silben war die richtige Lösung, also drei Schritte in Richtung Spielleiter). Der Spielleiter bildet mit seinen Armen einen Fangkorb und das Kind mit dem Ball versucht, in den „Korb“ zu treffen. Schafft es der Werfer, wird er zum neuen Spielleiter. Ansonsten spielt der alte Spielleiter weiter, bis ein Kind trifft.

Länder mausen

Vorbereitung: Auf dem Hof wird mit einem Stock ein Kreis von etwa fünf Metern Durchmesser auf die Erde gemalt (bei Steinboden Kreide nehmen).Je nach Anzahl der Spieler wird der Kreis in gleiche Stücke aufgeteilt.

Jedes Kind schreibt den Namen eines Landes in sein Stück und stellt sich hinein. Ein Mitspieler wirft nun ein kleines Stöckchen in ein anderes Land und ruft dabei: „Ich habe Wut auf ... (Ländername)“. Danach laufen alle, außer das Kind dessen Land gerufen wurde, so lange aus dem Kreis heraus, bis das Kind aus dem genannten Land mit einem Fuß auf den Stock tritt und "Stopp" ruft. Nun bleiben alle anderen sofort stehen. Nun versucht das Kind, mit dem Stock aus seinem Land heraus einen Mitspieler zu treffen. Dabei darf sich der andere nicht bewegen. Ist das Ziel getroffen, trennt sich der Werfer, im eigenen Land stehend, mit dem Stock ein Stück Land von dem Abgeworfenen ab und erklärt es zu seinem Land. Die alte Grenze wird gelöscht. Alle stellen sich wieder in ihr Land (auch dann, wenn der Werfer nicht erfolgreich war) und der getroffene/oder nichtgetroffene Spieler ist als Nächstes an der Reihe. Das Spiel ist beendet, wenn einer nicht mehr genug Land hat, um darauf zu stehen, oder einer den ganzen Kreis erobert hat.

Seilspringen Rose -Tulpe - Nelke

Für drei bis vier Spieler. Jedes Kind hat einen zweisilbigen Blumennamen, zum Beispiel Rose, Tulpe, Nelke. Zwei Kinder schwingen ein zirka drei Meter langes, schweres Seil. Das dritte Kind springt darüber. Zu jedem Sprung werden im Rhythmus die Blumennamen genannt. Bei einem Fehler ist das Kind als nächstes an der Reihe, wessen Blumenname aufgesagt wurde. Spielt man zu viert, springen zwei Kinder über das Seil und ein weiterer Blumenname kommt dazu.

Huppe-Kästchen

Straßenspiele

Vorbereitung: Mit Kreide auf einen Steinboden oder mit einem Stock in den Erdboden wird rechts abgebildete Figur gemalt.

Das Startfeld ist die "Erde". Von dort wirft man einen Stock in Feld eins. Bleibt dieser im Feld liegen, so beginnt man mit dem Springen. Es wird zuerst mit geschlossenen Beinen gesprungen. Das Feld, in dem der Stock liegt, wird übersprungen. Dann hüpft man in die nächsten Felder. Ins Feld vier und fünf wird in einer Grätsche gesprungen, dann weiter auf Feld sechs gehüpft und in Feld sieben und acht wieder gegrätscht, danach auf Feld neun hüpfen. Die "Hölle" wird übersprungen und man landet im "Himmel". Hier wird gewendet und der Rückweg zur Erde angetreten. Vor dem Feld mit dem Stock hält man an, nimmt diesen wieder auf, überspringt das Feld wieder und landet in der Erde. Es dürfen keine Linien übertreten oder Felder ausgelassen werden. Ist man alle Felder ohne Fehler gesprungen, wird der Stock ins nächste Feld geworfen und man beginnt von vorn. Bei einem Fehler ist der nächste Spieler an der Reihe. Jeder kann immer dort weitermachen, wo der Fehler passiert ist. Hat man es geschafft, den Stock bis in Feld neun zu werfen und ist fehlerfrei gesprungen, fängt man wieder mit Feld ein an und hüpft nun mit nur einem Bein. Die Felder vier/fünf und sieben/acht werden mit beiden Beinen gegrätscht.

Gummi-Twist

Für drei bis vier Kinder. Benötigt wird ein etwa drei Meter langes Gummiband, dass an den Enden fest verknotet wird. Zwei Spieler spannen sich das Gummiband um die Knöchel. Beide stehen sich gegenüber und treten so weit auseinander, dass das Band gedehnt wird. Der erste hüpft nun der Reihe nach in, auf oder zwischen den Gummibändern in einer festgelegten Kombination. Bei einem Fehler (z.B. kann der Spieler das Band nicht überspringen) ist der Nächste an der Reihe. Gelingt das Springen fehlerfrei, wird der Schwierigkeitsgrad erhöht. Zum Beispiel wird das Band in Wadenhöhe, Kniekehle oder Oberschenkel gestellt. Außerdem kann man den Abstand zwischen den Bändern verbreitern oder verschmälern.

Räuber und Gendarm

Für mehrere Kinder. Ein Kind wird zum Gendarm benannt. Alle anderen sind die Räuber. Auf ein Holzbrett, welches zur Wippe aufgebaut wird, werden zirka zwanzig kleine Stöcke oder ähnliches gelegt. Einer der Räuber tritt auf die Wippe, nun haben alle Räuber so lange Zeit sich zu verstecken, bis der Gendarm alles wieder auf das Holzbrett gesammelt hat. Dann sucht der Gendarm die Räuber. Jeder Räuber der aufgespürt wird, muss als Gendarm suchen helfen. Die Räuber haben die Möglichkeit, dazwischen wieder auf das Brett zu treten, so dass der Gendarm alles wieder einsammeln muss und die Räuber sich ein neues Versteck suchen können. Wenn alle Räuber entdeckt worden sind, ist das Spiel beendet. Der zuletzt entdeckte Räuber wird zum neuen Gendarm.

Fotos: Pixabay | Zeichnung & Text: Manuela Stöhr

14. April 2021

Weitere Beiträge zu diesen Themen

Zurück

Weitere Artikel aus dem Bereich Menschen

Interview: Robert Förstemann

mehr lesen >>

Erfolg durch Dummheit und Fleiß

mehr lesen >>

Wie man mit Spazierengehen ganz entspannt Geld verdient

mehr lesen >>

Straßenspiele aus Kinderzeiten neu entdeckt

mehr lesen >>

Mit dem geschweißten Tandem von Rochlitz bis Zinnowitz

mehr lesen >>