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MMA is not a crime!

MMA

Köthen, Anfang Dezember. Trotz winterlicher Bedingungen ist die Heinz-Fricke-Sporthalle prall gefüllt. Das Publikum ist aufgeheizt, denn in wenigen Minuten wird es „richtig auf die Fresse“ geben, wie es aus der Menge zu hören ist. Zur „Cage Fight Night“ waren für die teilnehmenden Kampfsportler „Old-School“-Regeln angesagt. Dies bedeutete, dass so ziemlich alles erlaubt ist, was den Gegner ins Land der Träume schickt bzw. ihn zur Aufgabe zwingt. Würgegriffe, Armhebel, Ellenbogenschläge, Kniestöße und auch Fußtritte auf den am Boden liegenden Gegner. Dieses breite Spektrum zeigten auch die nachfolgenden Kämpfe, die nichts für zartbesaitete Naturen waren, jedoch verletzungsfrei, respektvoll und fair abliefen. Außenstehende fragen sich trotzdem, was vernunftbegabte Menschen dazu bewegt, sich gegenseitig im Ring „die Köpfe einzuschlagen“. Wir haben mit fünf Vertretern der Szene gesprochen und was wir erfahren haben, zeigt, dass sich hinter dem Begriff „MMA“ mehr verbirgt, als nur ein hirnloses Prügeln.

MMA

Das ist MMA!

MMA ist die Abkürzung für Mixed Martial Arts, was übersetzt „Mix aus verschiedenen Kampfkünsten“ bedeutet. Im MMA ist sowohl das Schlagen und Treten als auch der Einsatz von Aufgabengriffen erlaubt. Gekämpft wurde in den Anfängen ohne Faustschützer, mittlerweile tragen die Kämpfer dünne Handschuhe, jedoch keinen Kopfschutz wie beim Boxen oder Taekwond-Do. Entstanden ist MMA aus der Frage, welche Kampfkunst in einem realistischen Kampf die wirkungsvollste ist. Anfang der 1990er Jahre etablierte sich daraus in den Vereinigten Staaten die Ultimate Fighting Championship (UFC), die Wegbereiter dieser neuen Szene war. Damals sprach man auch noch von „Ultimate Fighting“, „Extreme Fighting“ und „Freefighting“. Auch die Begriffe „No Holds Barred“ und „Vale Tudo“ beschrieben den fast regelfreien Kampf Mann gegen Mann, setzten sich aber in dem kommerziell gewordenen Sport nicht durch. Traten damals noch reine Kickboxer gegen reine Judoka an, ist der Sport mittlerweile eigenständig und die dortigen Kämpfer sind in den verschiedensten Kampfsportarten umfassend ausgebildet. Unter dem Sammelbegriff MMA ordnet man oft auch „Brazilian Jiu Jitsu“ (BJJ) mit ein, was jedoch nicht ganz richtig ist, da BJJ eine eigenständige Kampfkunst und einem strengeren Regelwerk als MMA-Kämpfe unterworfen ist. MMA ist vor allem in den USA ein gewaltiges Milliongeschäft und Fighter wie , Junior dos Santos, Jon Jones, Alistair Overeem, oder sind mittlerweile zu Stars mit weltweitem Ansehen avanciert.

Experimente, Neugier und jugendlicher Leichtsinn

Für den Leipziger Daniel Wilde war es 2004 einfach ein Experiment. Im Ringen und Judo hatte er fast alles erreicht. Nationalmannschaft, Bundesliga, Mehrfache Deutsche Meistertitel, EM- und WM-Teilnahme - all dies lag zu dieser Zeit bereits hinter dem jetzigen Sportlehrer. Aber wie so viele Kampfsportler suchte auch er eine weitere, neue Herausforderung und entschied, sich auch einmal in einem Freefight zu messen. Mann gegen Mann, kaum Regeln, volles Risiko. Als Ringer konnte er den Kampf dominieren und seinen Gegner, den Ukrainer Oleg Gorbatyuk, nach Punkten bezwingen. Bis auf den blauen Oberschenkel, den er durch einen Lowkick davontragen musste, war es für den Leipziger eine Erfahrung, die er zwar nicht wiederholt, aber auch nicht bereut hat. Die meisten Kampfsportarten sind heutzutage einem starken, einschränkenden Regelwerk unterworfen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Vertreter einzelner Stilrichtungen irgendwann auch einmal auf den Gedanken kommen, zu testen, inwieweit die eigene Kampfkunst einem realistischen Vergleich standhält. Dies ist nicht nur Neugier, sondern liegt auch in der Natur eines Kämpfers. Dies sind auch die Motive, die den Dresdner Sebastian Steinmann in die Szene zogen. Anfangs war es für ihn „jugendlicher Leichtsinn“, mittlerweile ist es Leidenschaft. Der gelernte Energieelektroniker, möchte vor allem gute Kämpfe bieten, viele Erfahrungen sammeln, neue Kontakte knüpfen und vielleicht irgendwann auch selber einmal Kämpfer trainieren. Dafür trainiert er drei- bis sechsmal in der Woche im heimischen Temple Gym in Dresden, aber auch beim Leipziger Bushido Freefight Team. Der Vorwurf des „hirnlosen Prügelns“ möchte er sich nicht gefallen lassen. „Klar geht es hart zu, aber wir wissen schließlich, worauf wir uns einlassen. Trotz aller Härte kommen Verletzungen relativ selten vor, da immer mehr Kämpfe durch Aufgabegriffe entschieden werden“, so der 26-Jährige. „Vieles, was als KO durchgeht, ist harmloser, als es klingt. In meinem letzten Kampf bin ich z.B. leider in einen Würgegriff gekommen und war kurz bewusstlos. So etwas ärgert mich, klar, aber ich ruiniere mir dadurch sicher nicht meine Gesundheit.“

MMA

Pure Aggression als Einbahnstraße

Leider stürzen sich sehr viele Medien immer noch auf das Vorurteil, dass MMA-Gyms Brutstätten des Bösen sind, in den gewalttätige Schlägergarnisonen, Hooligans und Nazihorden gezüchtet werden. Diese Verallgemeinerung widerspricht dem ursprünglichen Ideal des Sports, nämlich dem fairen Vergleich, Mann gegen Mann. Bereits seit Jahren ist der Sport technisch so anspruchsvoll geworden, dass Kämpfer deren Fähigkeiten nur aus Aggression und wildem Schlagabtausch bestehen, nicht mehr weit kommen. Dies sieht auch Steinmanns Trainer, Uwe Korn, so. Fast täglich trainiert er Sportler im Kickboxen und MMA. Selbst als Coach ist der Sport für ihn ein ständiges Lernen und Weiterbilden, ein ständiges Hinterfragen und Neuorientieren. Dieser technisch-taktische Aspekt kommt bei manchen Schützlingen oftmals nicht an. Kann es nicht schneller gehen, gibt es da nicht irgendwelche „Tricks“, die ein hartes Training ersetzen können? Diese Einstellung ist für „Korni“, wie seine Jungs ihn nennen, ein gefundenes Fressen: „Wenn ich merke, dass jemand nur zum Diskutieren da ist, dann wird er erstmal geschliffen, bis er merkt, dass wir hier kein Kaspertheater sind.“ Dieses rigorose Konditionstraining ist eines der Markenzeichen der Fighter des MMA-Teams Dresden. Für Uwe Korn eine pure Notwendigkeit. „Wer keine Kondition hat, lässt schnell die Deckung fallen, wer keine Deckung hat, wird getroffen. Und wer getroffen wird, kann verletzt werden. Dies predige ich auch immer gegenüber meinen Anfängern. Wer zu faul ist, sich richtig einzusetzen, hat in diesem Sport nichts verloren“, dies die klare Ansage des selbstständigen Bauunternehmers.

Es muss nicht gleich Vollkontakt sein

Wer in den Sport erst einmal hineinschnuppern möchte, bzw. wer mehr den Bodenkampf bevorzugt, für den ist eher Grappling- oder BJJ (Brazilian Jiu Jutsu) geeignet. Hier sind Schläge verboten und die Kämpfe werden nur nach Punkten oder nach Aufgabe (bspw. durch Armhebel oder Würgegriffe) entschieden. Auch diese Sparte gehört zum Spektrum des MMA. Ein Vertreter dieser Zunft ist der Freiberger Oliver Fischer. Für ihn stellt BJJ und Grappling nicht nur einen eigenständigen Sport, sondern auch ein tragendes Grundgerüst für spätere Freefights dar. „80% der Kämpfe werden mittlerweile im Boden entschieden, somit sollte dieser Aspekt auch mehr trainiert werden, als reine Schlag- und Tritttechniken. Schlagen kann jeder, aber mit Köpfchen und Techniken kämpfen, ist schon etwas anderes.“, so Oliver Fischer, selbst Vorsitzender des Brazilian Jiu Jitsu Sachsen e.V. und Betreiber ein Kampfsportschule in Freiberg.

Starke Events, aber fehlende Lobby

Für Oliver Fischer, aber auch für den Dresdner Sebastian Steinmann ist MMA die Zukunft des Kampfsports. International ist dies bereits der Fall, in Deutschland entwickelt sich der Sport jedoch weiterhin schleppend. Es fehlt einfach die nötige Lobby und eine professionelle Verbandsstruktur, auch wenn sich das Niveau und die Organisation der einzelnen Veranstaltungen deutlich verbessert haben. Positiv hervorzuheben sind in den neuen Bundesländern nicht nur die We love MMA-Veranstaltungen des Berliners Marcus Wortmeier, sondern auch die FFCEvents (Freefight Championship) des Leipzigers Marko Zschörner, der MMA in Sachsen maßgeblich mit begründete. Als Aktiver war er lange Jahre einer der stärksten Schwergewichtler in Deutschland. Als Trainer gibt er seine Erfahrungen heute noch als Chef des „Bushido Freefight Teams“ weiter. Auch im fortgeschrittenen Alter von 41 Jahren juckt es Zschörner noch in den Fingern und eine Rückkehr in den Ring möchte er sich immer noch offenhalten. Fans der Szene würde es freuen, denn Zschörner war und ist ein Mann, der sowohl technisch kämpfen, als auch knallhart fighten kann.

MMA-Profis in Deutschland?

In den USA, Russland und Asien ist MMA mittlerweile ein lohnendes Geschäft. Nicht nur für die Veranstalter und Pay-per-view Sender, sondern auch für die Kämpfer selbst. Mit Amateursportarten wie Judo, Karate, Kickboxen, Sambo und Ringen lässt sich nur wenig bis überhaupt kein Geld verdienen. Kämpfe bei amerikanischen Organisationen wie der UFC oder Strikeforce sind da schon wesentlich lukrativer. So zieht es mehr und mehr Topathleten anderer Kampfkünste ins MMA-Geschäft. Ein in Deutschland bekanntes Beispiel ist der Exil-Kubaner Yoel Romero (2. Olympia 2000, 4. Olympia 2004, Weltmeister 1999), der 2006 in Deutschland Asyl beantragte. Nach Bundesligaeinsätzen für den ASV Hof und Johannis Nürnberg (beides Bayern) entschied er sich relativ schnell, das Ringen an den Nagel zu hängen und sich im Freefight zu versuchen. Das Ausnahmetalent ergatterte sich nach überzeugenden Siegen bei kleineren Events einen Vertrag mit Veranstalter Strikeforce. 2011 gab er sein Debüt gegen den starken Brasilianer Rafael Cavalcante, das er allerdings durch KO verlor. Seine weitere Karriere war jedoch dominant und Experten trauen Romero durchaus den Titel in seiner Gewichtsklasse zu. Deutsche Kämpfer können von solchen Chancen nur träumen. UFC und Strikeforce bleiben unerreichbare Ziele. Athleten, die es international nach oben geschafft haben, wie z.B. Dennis Siver, Peter Sobotta oder Pascal Krauss, bleiben Ausnahmen. Für sächsische Kämpfer sieht es im deutschen Vergleich noch schlechter aus. Während im Ruhrpott professionelle Schulen wie Pilze aus dem Boden sprießen, haben es engagierte Fighter in Sachsen sehr viel schwerer, starke Sparringspartner und moderne Trainingsmöglichkeiten zu bekommen. Trotzdem hat sich über die Jahre eine starke Szene gebildet, die auch mehr und mehr talentierten Nachwuchs produziert. Um diesen Nachwuchs zu halten, brauchen der Sport und seine Akteure Verständnis, Respekt und eine vorurteilsfreie Beurteilung ihrer Leistung. Härte schließt Fairness nicht aus und jeder Leser sollte selbst beurteilen, ob es sportlicher ist, dem gegnerischen Spieler ungeachtet möglicher Verletzungen von hinten in die Fersen zu grätschen oder einen Gegner durch Würgegriffe oder Faustschläge zur Aufgabe zu bringen. In ersterem Fall ist es gesellschaftlich toleriert und der Wadenbeinbruch gehört eben zum Sport. Die von beiden Seiten akzeptierte Auseinandersetzung Mann gegen Mann wird jedoch schnell mit Begriffen wie „Verrohung“, „Blutrünstig“ und „Asozial“ abgetan. Eine Sichtweise, die es zu hinterfragen lohnt.

Daniel Wilde

„Bei der Regelbesprechung ist mir die Kinnlade runter geklappt“

Daniel Wilde (37) aus Leipzig, Sportlehrer Erfolge (Auszug): Ringen: 4x Deutscher Meister, Siebenter der WM, Zweiter im Weltcup, Dritter der Militär WM Judo: 2x 3. Platz Deutsche Hochschulmeisterschaften, Gewinner bei Sumission Wrestling und Grappling Turnieren

„Im Alter von neun Jahren habe ich mit Ringen angefangen, mit 14 kam ich auf die Sportschule Luckenwalde. Seit dem 16. Lebensjahr war ich ständiges Mitglied der Jugend- und später Männernationalmannschaft. Nach einem Autounfall mit schwerer Schulterverletzung beendete ich 2004 meine Leistungssportkarriere und suchte noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Ich wollte einmal richtig „die Sau rauslassen“ und sehen, ob ich auch in einem echten Kampf ohne Regeln bestehen könnte. Im Bushido Freefight Team bereitete ich mich ein Jahr auf den ersten Kampf vor. Bei der Regelbesprechung ist mir erstmal die Kinnlade runtergeklappt, da mir dort bewusst wurde, dass dies hier kein Kindergeburtstag ist. Der Kampf selbst war dann schon ein Highlight, viele Zuschauer, geile Atmosphäre. Da ich einen sehr starken und routinierten Gegner hatte, waren der Kampf und der nachfolgende Punktsieg kein Spaziergang. Auf den Bluterguss im Oberschenkel, den ein Tritt meines Gegners verursacht hat, hätte ich verzichten können, auf die Erfahrung selbst aber nicht. Auch wenn ich nie wieder einen Freefight bestritten habe, interessiert mich die Szene immer noch und es ist schon faszinierend, wie anspruchsvoll der Sport mittlerweile geworden ist.“

„MMA ist die Zukunft“

Sebastian Steinmann (26) aus Dresden, Elektroniker für Energietechnik Gewichtsklasse bis 75kg, Bilanz 3-3-0 (Siege, Niederlagen, Unentschieden) Trainiert in Dresden beim MMA Team- Dresden und in Leipzig beim Bushido Free Fight Team

„Im Alter von sieben Jahren begann ich mit Judo, als mir das dann zu langweilig wurde, wechselte ich zum Kickboxen. Als ich vom MMA hörte, hatte ich endlich etwas gefunden, bei dem ich alles, Stand- und Bodenkampf, professionell kombinieren konnte. In meinen Augen ist MMA ist die Zukunft des Kampfsports. Die UFC ist wohl der beste Beweis dafür. Genau das wollen die Fans sehen: Action pur auf hohem Niveau. Jeder der MMA auf Wettkampfbasis betreibt, ist sich vollkommen im Klaren über die Vorurteile, die dem Sport anhaften. Daher ist das Bestreben nach Fairness und Sportlichkeit bei allen Beteiligten wesentlich höher, als in den Durchschnittssportarten. Natürlich gibt es Diskrepanzen und Meinungsverschiedenheiten oder auch Entscheidungen, die nicht jeder teilt. Aber allgemein wird sehr großer Wert auf Sauberkeit im Sport gelegt. In jeder Hinsicht. Ich hatte dazu auch einige Gespräche mit ein paar „MMA-Veteranen“, die mir sagten, dort wo der Sport jetzt ist, war er vor einigen Jahren schon mal und ist trotzdem klein geblieben. Ich für meinen Teil denke aber, es geht aufwärts. Durch das Internet, das immer wachsende Interesse und die mittlerweile objektiver gewordenen Berichterstattungen.“

Oliver Fischer

„Der umfangreichste und intelligenteste Kampfsport“

Oliver Fischer (36) aus Freiberg, Inhaber einer Gerüstbaufirma, Betreiber der „Academy of Martial Arts“, Vorsitzender des Brazilian Jiu Jitsu Sachsen e.V. Kampfsportlicher Hintergrund: Judo (Braungurt), Wing Tsun (2. Technikergrad), Brazilian Jiu Jitsu (Purple-Belt, Privatschüler unter Ulf Ehlert) Erfolge (Auszug): Teilnahme BJJ EM 2012, 2. Platz German Open 2011, 1. Platz Süddeutsche Meisterschaft 2012

„Für mich ist MMA, speziell das „Brazilian Jiu Jitsu“ der umfangreichste und intelligenteste Kampfsport. Man kann sowohl mit, als auch ohne Gi (Anzug) trainieren, was noch einmal ganz andere Möglichkeiten bietet. Auch die motorischen Fähigkeiten und die Beweglichkeit, die man sich aneignet, sind nicht zu verachten. Beim Grappling bildet man sehr schnell eine hervorragende Kraft und Ausdauer für den ganzen Körper. Zahlreiche Wettkämpfe bieten zudem die Möglichkeit, den eigenen Leistungsstand zu prüfen und an sich zu arbeiten. In der Szene kennt und respektiert man sich. Man trifft sich bei Seminaren oder Wettkämpfen und trainiert zusammen oder tauscht sich aus. Viele Kämpfer aus Deutschland fahren auch zu internationalen Turnieren wie zur EM, die immer Ende Januar in Portugal stattfindet. Ich denke, dass der Sport extrem im Kommen ist und sich in den nächsten Jahren zu einer festen Größe entwickelt. Man strebt zwar eine olympische Zugehörigkeit an, aber ich denke, da würde das Regelwerk so abgeschwächt werden, das es so langweilig wie Judo oder andere olympische Kampfsportarten werden könnte. Dies ist sehr schade, aber für mich ist der Sport mehr, als nur die Teilnahme an Wettkämpfen. Diese Einstellung hat mir auch mein Trainer und Europameister Ulf Ehlert aus Berlin vermittelt, dem ich sehr viel verdanke und der für mich nach wie ein Vorzeigeathlet dieses Sport ist.“

Uwe Korn

„MMA steht für faire, aber minimal gehaltene Regeln“

Uwe „Korni“ Korn (42) aus Dresden, selbstständiger Bauunternehmer und MMA- und Kickboxtrainier im Temple Gym Dresden und für das dortige MMA-Team.

!Ich habe im Alter von 13 Jahren bei Dynamo Elbe unter Trainer Marco Leik (noch heute anerkannter Ausbilder für Selbstverteidigung bei der Polizei) mit Judo angefangen. Nach fünf Jahren Judo nahm ich von 1988 bis 1991 Karateunterricht bei Marco Leik und Achim Miene. 1990 schlug ich eine aktive siebenjährige Laufbahn im Kickboxen ein. Unter dem Training von Stefan Baumann, Achim Exner und der Sportschule Altner in Leipzig habe ich erfolgreich an zahlreichen Wettkämpfen teilgenommen, u.a. war ich Sachsenmeister und Deutscher Meister in der WAKO (World Association of Kickboxing Organizations, Anm. der Red.). Durch den Weg in die Selbständigkeit beendete ich 1997 meine aktive Laufbahn, aber ganz konnte und wollte ich mich dem Sport nicht entziehen und begann deshalb als Trainer Seminare zu besuchen und Unterricht zu geben. Mit der Eröffnung des Fitnesscenters Temple Gym bot sich mir 2005 die Möglichkeit einen eigenen Trainingsbereich aufzubauen. Wir haben mit einem Boxsack begonnen und mittlerweile ist daraus ein über 100 Quadratmeter großer, eigenständiger Kampfsportbereich entstanden. Mein Interesse an MMA wurde Ende der 90er durch Events wie Pride FC und UFC geweckt. 2005 besuchte ich erste Seminare in Berlin bei den anerkannten MMA-Ikonen Frank Burczynski und Ulf Ehlert und genoss eine Ausbildung in Luta Livre bei „Andyconda“ in Köln. 2006, zur Eröffnung unserer erweiterten Wettkampfstätte, führte das Leipziger Bushido-Free-Fight-Team (Hendrik Nitzsche, Sebastian Kliesch) einen MMA-Kampf vor, der mich dazu animierte, selbst MMA zu trainieren. MMA steht für faire, aber minimal gehaltene Regeln. Auch leichtere Kämpfer können durch eine auf sich zugeschnittene Technik körperlich überlegene bzw. schwerere Kämpfer besiegen. MMA ist auf keinen Fall nur der Kampf im Käfig. Die Arbeit am Boden ist wesentlicher Bestandteil des Kampfes und nicht zu unterschätzen. Diese Vielseitigkeit und deren Umsetzung begründen auch meinen guten Ruf als Trainer. Dieser ist jedoch nicht allein mein Verdienst, sondern der des ganzen Trainer-Teams im Temple Gym, der Unterstützer im Stand- und Bodenkampf Günther Kirsten, Ulrich Gawlitza, Hendrik Nitzsche und natürlich der der erfolgreichen Mitglieder des MMA Teams Dresden. Zu uns kommen Interessenten aus jeder sozialen Schicht und aus unterschiedlichsten Beweggründen. Wer sich für MMA interessiert, sollte Interesse an Kampfsportarten und den diversen Techniken mitbringen und vor allem auch die Zeit, die Geduld und den Willen diese erlernen zu wollen. Wir trainieren nicht, um nachher auf der Straße Streit anzuzetteln. Regeln und Disziplin sind bei uns unverzichtbar. Durch die Vermischung verschiedener Kampfsportarten sollte man MMA auch nicht unterschätzen. Die potentielle Gefahr einer ernsten Verletzung ist nicht zu verleugnen, aber jede Sportart hat ihre Risiken, so auch diese. Genau deshalb sind Aufklärung, Vorbereitung, das regelmäßige Training ebenso Gespräche und Auswertungen enorm wichtig. Ich finde es sehr traurig, dass der Sport in der Öffentlichkeit immer noch einen zweifelhaften Ruf genießt. Wer echtes Interesse hat und sich mit dem Hintergrund, den einzelnen Sportarten und wenn man so will der Szene beschäftigt, wird erkennen, dass MMA bei weitem kein Sport für Asoziale ist, wie man oft in der Klatschpresse hört. Ein Beispiel ist der Amerikaner Jeff Monson, der definitiv nicht wie ein guter Junge aussieht. Ich konnte ihn persönlich auf einem Seminar in Berlin kennenlernen. Er arbeitete, bevor er sich in Vollzeit dem Kampfsport widmete, als Familientherapeut und hat Masterabschlüsse in Psychologie und Politikwissenschaften. Natürlich gibt es auch die anderen Beispiele, aber das hat meiner Meinung nach nichts mit dem Sport an sich zu tun. Diese Leute etablieren sich nur darüber und bringen dadurch die gesamte Sportart in Verruf."

Fotos: MMA Team Dresden, Brazilian Jiu Jitsu Sachsen e.V., Eham Othman / Shutterstock, Privat

27. März 2015

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