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Indi Cowie - Mit Ballkontrolle zu Weltrekorden

Indi Cowie

Fußball ist Männersport, eine Männerdomäne. An dieser Aussage rüttelt auch kein WM-Gewinn einer Nationalmannschaft. Nicht in Deutschland und auch nicht in Moldawien oder den Färöer-Inseln. Auch unter den Einzelsportlern gibt es keine „Dagmar Maradonna“ oder eine „Christiane Ronaldo“. Mangelnde Popuarität heißt aber nicht, dass es keine weiblichen Ballkünstlerinnen auf diesem Planeten gibt. Eine unter ihnen ist in ihren Kreisen sogar sehr bekannt, wenn auch nicht in Stammtischkreisen. Ihr Name: Indi Cowie.

Vom Unglück zur Berufung

Indi Cowie und ihr Ball sind ein Phänomen. Diesen beherrscht sie wie Eric Clapton seine Gitarre. Als Tochter schottischer Eltern begann sie als kleines Mädchen mit dem Fußballspielen. Schon damals spielte sie zusammen mit der männlichen Jugend, die nicht selten mit abwertenden Kommentaren aufwarteten. Mädchen gehören nicht auf den Rasen. Sie sind zu langsam, zu schwach und zu unkoordiniert. Sicherlich keine aufbauenden Reaktionen, aber für Indi Cowie war es offenbar die nötige Motivation, es „den Jungs“ irgendwann einmal zu zeigen. Ihr Trainingseifer und Antrieb waren bereits in dieser Zeit außergewöhnlich. Bereits im Alter von 11 Jahren versuchte sie ihr Ballgefühl durch Jonglieren des Balls mit dem Fuß zu verbessern. Relativ schnell wurde ihr Ehrgeiz geweckt. Während andere Jungs in ihrem Alter wahrscheinlich Stolz gewesen wären, den Ball mehr als 50 Mal über dem Boden zu halten, schaffte die fußballverrückte Göre unglaubliche 2000 Wiederholungen. Als sie bei einem Familienbesuch im schottischen Leeds die Freestyle-Fußball Legende John Farnworth kennen lernt, machte es „klick“ und Indi Cowie wußte von da an genau, was sie einmal in Perfektion beherrschen wollte. Auf ihre Eltern konnte sie dabei zählen, auch wenn dies oftmals im Morgen vom Geräusch des Balldribblings in der Garage geweckt wurden. Bei soviel Talent viel auch die ein oder andere zu Bruch gegangene Lampe nicht ins Gewicht. Genauso wenig wie der Verschleiß an Schuhen, immerhin ein Paar pro Monat!

Auch wenn Indi Cowie mehr und mehr ihre Tricks mit dem Bal übte, blieb sie dem klassischen Fußball treu, spielte zu Studienzeiten im Frauenteam von Celtic Glasgow und später an der Universität von North Carolina in der renommierten Hochschulauswahl. Eine Karriere als Profi war in Reichweite. Es sollte nicht sein. In einem Vorbereitungsspiel erlitt sie einen Kreuzbandriss. Für Indi Cowie brach damals eine Welt zusammen. Das Urteil der Ärzte war vernichtend, prognosoizierten sie ihr doch eine vierzigprozentige Wahrscheinlichkeit, ihr Knie beim Fußball erneut zu verletzen. Noch während der Reha-Maßnahmen traf sie eine Entscheidung - keine leichte, aber eine konsequente. Sie würde ihre Karriere als Fußballerin beenden und sich dafür voll und ganz auf Freestyle-Fußball konzentrieren. Auf zwei Hochzeiten zu tanzen wäre vielleicht auf Dauer sowieso nicht die Lösung gewesen. Sicherlich gab es da Zweifel. Als Frauenfußballerin ist es sicherlich schon schwer, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber mit Ballkunststücken? Zum Glück ist man in jungen Jahren etwas idealistischer. Also übte weiter an ihrer Ballkontrolle und zeichnete die besten Tricks auf, um auch für sich ihre Fortschritte festzuhalten. Eine folgenschwere Entscheidung. Im positiven Sinne.

Durchbruch via Internet

Da Indi Cowie ihre Begeisterung teilen und sicherlich auch testen wollte, ob ihr Können auf Interesse stößt, fing sie an, kleine Videoclips über Instagram, YouTube and Facebook mit der Welt zu teilen. Die Resonanzen waren überwältigend, genauso wie die Klickzahlen. Gerade das Internet ist hunrig nach speziellen Nischen, in denen Musiker, Sportler und Künstler ihr Talent beweisen können. Dort sind die Grenzen der herkömmlichen Reichweite aufgeheben. Niemand muss in der „echten Welt“ einen Namen haben und mit seinen Darbietungen Konzerthallen oder Stadien füllen. Freestyle-Fußball ist eine künstlerisch-sportliche Darbietungsform, die Fußballfans, Bolzplatzkicker und „Normalos“ gleichermaßen anspricht. Auch ohne jemals Fußball gespielt zu haben, kann der Laie die gezeigte Kunstfertigkeit einschätzen. Es gibt wahrscheinlich niemanden, dem nicht die Kinnlade herunterklappt, wenn die junge Amerikanerin mit dem Fuß einen Ball an eine Treppenstufe kickt, der von dort im Korb eines 25m entfernten Basketballkorbes landet. Auch mit dem Ball jonglieren, während man Sit-ups macht, ist nichts, was man aller Tage sieht. Internationale Berühmtheit erlangte sie 2012 durch die Krönung zum FIFA Street World Freestyle Champion durch Lionel Messi. Mittlerweile hält Indi Cowie drei Weltrekord-Einträge im Guiness Buch der Rekorde. So war sie unter anderem die erste Frau weltweit, der 2015 ein sogenannter “Three Revolution” gelang. Bei diesem Trick lupf sie dem Ball und umkreist diesen dreimal mit dem Fuß, bevor der Ball wieder auf ihrem Spann landet.

Über ihre Webkanäle zeigt Indi Cowie jedoch nicht nur ihre Tricks, sondern gibt auch Einblicke in ihren Alltag, was bei ihren Fans genauso gut ankommt. Das kann der Gang mit dem Hund sein, der Besuch eines Konzerts oder Treffen mit Prominenten wie Michelle Obama. Mit aktuell 542.000 Abonnenten auf Instagram und rund 880.000 Fans auf Facebook ist sie sicherlich auch jetzt kein virales Schwergewicht, aber ein authentischer und unverbrauchter Werbeträger, der über die Jahre namhafte Sponsoren, wie z.B. Nike, GoPro und AT&T für sich gewinnen konnte. Mittlerweile sind Auftritte in prall gefüllten Arenen keine Seltenheit mehr. Ein Meilenstein war hier sich eine Vorführung in der Halbzeit von 76.000 Fans während des Spiels Chelsea gegen Manchester United match in Manchester. Mit ihrem Ball reist Indi Cowie durch die Welt und durfte bereits zahlreiche sportliche Berühmtheiten wie Kobe Bryant und Pep Guardiola kennenlernen. Auch Unternehmen wie Microsoft und Lenovo luden die Ballkünstlerin bereits zu Firmenevents ein und begeisterten sich an ihren spektaluären Tricks und ihrer offensichtlichen Leidenschaft für das, was sie tut.

Die Reise ist noch nicht vorbei

Auch wenn man auf Dauer keine Weltrekorde aus dem Ärmel schütteln kann, arbeitet Indi Cowie weiterhin an neuen Tricks, nutzt neue Locations oder zeigt sich zusammen mit anderen Künstlern wie z.B. der Jonglier-Weltmeister Josh Horton, bei dem sie den Fußball auch gerne mal durch Gymnastikkeulen oder einen Basketball ersetzt. Solange das Publikum ihren Spaß hat, wird die heute 24-Jährige ihre mediale Vorbildfunktion nutzen, um gerade Kinder und Jugendliche zu motivieren, ihr Talent – wo auch immer – auszuschöpfen und sich keine gesellschaftlichen Schranken zu unterwerfen. Alles was es braucht, sind oft nur „a lot of practice and a lot of dedication”, also viel Übung und Einsatz.

Fotos: GoPro - Video: www.youtube.com/soccerbola

12. Februar 2019

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