Menschen

Ein Kopfstand geht um die Welt

Der King of „Head Freeze“

Headfreeze

Breakdance hatte in der damaligen DDR keinen leichten Stand (siehe Artikel). Schließlich führte diese Subkultur den Jugendlichen erneut einen deutlichen Mangelzustand vor Augen. Keine Platten, keine Klamotten, all dies zeigte deutlich die Defizite des sozialistischen Regimes. Zudem wurde in der, von linientreuen Funktionären als „feindliche imperialistische Ghettokultur“ bezeichneten Bewegung, auch die Gefahr von versteckten politischen Botschaften gesehen.

Zum Glück sahen die Jugendlichen ihre Kultur mehr als Weg der Entfaltung und des „Andersseins“ und nicht als Mittel zur Rebellion. Einer, der diese Entwicklung von Anfang an aktiv miterlebte, war Heiko "Hahny" Hahnewald aus dem sächsischen Meißen. 1983 erwischte ihn als 18-Jähriger das Breakdance-Fieber und bestimmte von da an sein Leben bis zum heutigen Tage. Für ihn war (und ist) Breakdance jedoch nicht nur „Sport“ oder Freizeitspaß, sondern entwickelte sich auch zum einem zusätzlichen Broterwerb. Wahrscheinlich weiß nur „Hahny“ selbst, wie er es 1989 schaffen konnte, neben seiner Arbeit bei der Post noch auf insgesamt 270 Auftritten zu tanzen!

Wenn sich selbst die Schädeldecke anpasst...

Headfreeze

Hahnewald ist der Szene nach wie vor treu geblieben. Er gibt Workshops, organisiert Events und Schulprojekte, unterstützt national und international als Wertungsrichter und tritt auch heute noch gerne auf, was ihn mit sicherlich zu einem der ältesten „Breaker“ der Nation macht. Und mit 2.200 offiziellen Bühnenshows auch zu einem der fleißigsten…

Eine von Heiko Hahnewalds Spezialitäten ist der „Head Freeze“, ein kerzengerader Kopfstand, den „Hahny“ überall und auf jedem Untergrund beherrscht. Daraus sind bereits mehr als hundert Fotos entstanden, die ihn an ungewöhnlichen, aber auch bekannten Orten zeigen. Dies kann zu Fuße der Golden Gate Bridge und des Sydney Opera House sein, aber auch auf einem Kamel oder einer Bowlingkugel sein!

Unabhängig von der notwendigen Balance, Körperspannung und Nackenkraft, fragt man sich, wie ein menschlicher Schädel den Kontakt mit dem harten Untergrund überhaupt verkraften kann, ohne dass einem die Rübe platzt. Tja, dass bleibt ein Geheimnis. Zumindest hat sich Heiko Hahnewalds Kopf über die Jahre angepasst und weit im Bereich der Schädeldecke eine kleine Verflachung auf. Alles hat eben seinen Preis.

P.S. Mehr über Breakdance in der damaligen DDR zeigt die authentische, sehenswerte Doku "Here we come*" des Regisseurs Nico Raschick.

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Fotos: Privat

27. November 2019

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