Menschen

Abenteuer Angeln - Naturliebe und Nervenkitzel

Angler

Wer noch nie geangelt hat, dem muss diese Freizeitbeschäftigung schon sonderbar vorkommen. Da sitzen Menschen stundenlang auf einem Klappstuhl, starren konzentriert ins Leere und geraten in Ekstase, wenn doch einmal die Angel ausschlägt. Der schuppige, schleimige Lohn der Mühen, wird dann mit einem Knüppel ins Jenseits begleitet oder gleich wieder zurück ins Wasser befördert. Danach beginnt das Warten von Neuem. So formuliert klingt Angeln alles andere als spannend, aber auch kein Angler der Welt würde diese oberflächliche, leidenschaftslose Darstellung seines Hobbies so unterschreiben.

In der Ruhe liegt die Kraft

Zur Unterscheidung von Berufsfischern spricht man offiziell von Sportanglern, aber ein Sport im herkömmlichen Sinne ist Angeln nicht. Eher ein Hobby, das viel Hingabe verlangt und vor allem auch ein tiefes Verständnis der Natur und seines „Protagonisten“, des Fisches. Angeln führt die Menschen wieder ein Stückchen zurück zu den Ursprüngen. Weg von der hektischen Zivilisation und seinen Banalitäten. Zurück in eine Zeit, in dem die Natur unser ständiger Begleiter war und die Jagd unser Überleben sicherte. Diese gedankliche Zeitreise führt uns auch zu einer weiteren Notwendigkeit und Betrachtung des Lebens. Was mich ernährt, behandle ich mit Respekt. Dies gilt für jedes Lebewesen, dass ich zum Zwecke des Überlebens töte. Speiseabfälle finden wir in jeder Mülltonne. Ohne Verstand gekauft, lieblos entsorgt. Niemand macht sich Gedanken über das Leben seines Schinkenspenders und seinen hiermit sinnlosen Tod. Diese Denkweise würde kein Angler an den Tag legen.

Als Angler ist es in erster Linie die Liebe zur Natur und seinen Lebewesen, die seine Leidenschaft ausmacht. Ein Angler läuft nicht trampelnd und lärmend durch Wald und Wiesen. Ein Angler passt sich der Natur an und freut sich über die Schauspiele, dies sich ihm auf seiner Jagd bieten. Dunstiger Morgennebel, der Tau auf den Blättern, Vogelgezwitscher, Plätschernde Bäche, das Summen der Insekten und oft auch die Ruhe. Kein Telefon, keine Motorengeräusche, keine Gespräche. Nur vollkommene Entspannung und Konzentration auf eine Sache. Im Grunde genommen das, was die Japaner als „Zen“ bezeichnen. Völliges Aufgehen und Verschmelzen in einer (oftmals einfachen) Tätigkeit. Natürlich kommen auch der Jagdtrieb und ein gewisser Nervenkitzel nicht zu kurz. Es hat schon seinen Reiz, seine Nahrung selbst fangen, zu erlegen und vielleicht noch am selben Abend mit Genuss zu verspeisen.

Der moderne Angler - Räuber oder Hüter?

Angler beim Müll sammeln

Der Angler ist bei Weitem nicht der Räuber und negativer Einflussfaktor, als der er oft dargestellt wird. Mit dem Angeln ist nicht nur die Entnahme von Fisch verbunden, sondern auch die gesetzliche Hegeverpflichtung des Fischereiausübungsberechtigten. Dies ist regionalen Fischereigesetz geregelt. Die Hegeverpflichtung umfasst sowohl den Besatz mit Fischen, als auch den Fischfang, der mit der Handangel beim Angeln auch ausgeübt wird. Deshalb verstehen sich Angler auch nicht als Sportler, sondern viel mehr als Naturschützer, die den Fokus auf die Erhaltung eines für die Umgebung angemessenen Fischbestandes legen und nicht nur auf die oft unterstellte Befriedigung des Jagdtriebes auf Kosten der Fische. Natürlich ist beim Angeln der Fischfang für den Verzehr von Fischen einer der Hauptgründe für das Angeln, allerdings sollte es nicht darauf allein beschränkt werden, da auch die Erhaltung des natürlichen Gleichgewichtes beim Angeln eine große Rolle spielt.

Die Verbände und Anglervereine erbringen an unseren heimischen Gewässern jedes Jahr Tausende von ehrenamtlichen Arbeitsstunden. Dazu gehören vornehmlich Gewässerpflegemaßnahmen, der Kauf und das Ausbringen von Fischbesatz, Maßnahmen zur Erhaltung von Flora und Fauna am und im Gewässer und auch Jugendarbeit sowie Nachwuchsförderung. Gerade das Angeln mit all seinen Facetten und Hintergründen vereint den Naturschutz- und Tierschutzgedanken und schließt diese nicht aus. Die organisierten Angler in Sachsen sorgen für den Erhalt und die Pflege der heimischen Gewässer und ihrer Umgebung und setzen sich dafür ein, dass Anzahl und Individuenart dem Gewässer entsprechen. Sie schaffen und erhalten Lebensraum und schaffen für die Fische und auch für andere Tiere am Gewässer die notwendigen Lebensbedingungen, natürlich um im Endeffekt auch den ein oder anderen Fisch zu fangen, der in einer adäquaten Umgebung aufgewachsen ist. Wer also das Angeln skeptisch betrachtet muss sich die Frage gefallen lassen, welches komplexe System hinter dem Ganzen steckt. Mit dem Angeln verbunden ist auch das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Natur, die Hege und der Erhalt der Fischbestände und das gerade in der aktuellen Zeit der Massentierhaltung und subventionierten Tiertransporte durch ganz Europa.

Angler brauchen Geduld und Köpfchen

Angler mit seinem kleinen Kind am Arm

Angeln ist keine „Fast-Food-Beschäftigung“. Einfach eine Angel kaufen und sich an den nächstbesten Fluß setzen ist zu Recht verboten. In den jeweiligen Bundesländern gilt ab 16 Jahren eine Fischereischeinpflicht, wenn man in den heimischen Gewässern angeln möchte. Anbieter für die Schulungen (30 Pflichtstunden) vermitteln örtliche Vereine oder der Landesverband. Der Sachkundenachweis beinhaltet Allgemeine Fischkunde, Spezielle Fischkunde, Gesetzeskunde, Gerätekunde und Gewässerkunde. Der Angler muss also als erste Hürde schon einmal nachweisen, dass er sich in den Themengebieten auskennt und sie am Wasser anwenden. Der Umgang mit dem Individuum Fisch wird definitiv nicht dem Zufall überlassen. Das wird schon innerhalb der Jugendarbeit von ganz klein auf in den Vereinen vermittelt und umgesetzt. Das sogenannte Junganglerzertifikat für Kinder von 10 bis 15 Jahren ist als kleine Sachkunde zu sehen. Obwohl gesetzlich noch kein Zwang zum Fischereischein, ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit der Thematik und dem richtigen Umgang mit Fischen geschult werden. Wer seinen Fischereischein erworben hat, kann bei seinem Verein oder im Angelfachgeschäft des Vertrauens einen Erlaubnisschein für die entsprechenden Gewässer erwerben. Dabei verpflichtet sich der Angler zur Führung eines Fangbuches und zur Einhaltung der Regeln, die die Gewässerverordnung vorschreibt. Hier werden unter anderem Schonzeiten, Fangbegrenzungen und gewässerspezifische Besonderheiten geregelt. Neben viel Geduld ist beim Angeln also auch Köpfchen gefragt.

Die Rolle der Vereine und Verbände im Angeln

Jeder Angler hat die Wahl, ob er sein Hobby alleine betreibt oder sich in einem Verein engagiert. Gerade das stark ausgeprägte Vereinsleben ermöglicht viele Aktionen, ohne die Angeln in der aktuellen Qualität nicht möglich wäre. Zur Gewässerpflege veranstalten die Verbände mit ihren Mitgliedern jedes Jahr mehrere zentrale Umwelttage. Gewässer und Gewässerabschnitte werden zudem im Rahmen von Betreuungsverträgen der örtlichen Anglervereine eigenständig in Form von mehreren Arbeitseinsätzen im Jahr behegt und gepflegt. Aufklärungsarbeit betreiben die Verbände in Form von regionalen Veranstaltungen, wie z.B. Messen, Vereins- und Informationstagen. Weiterhin gibt es mehrere Jugendlager sowie Kinder- und Jugendangelveranstaltungen, wo sich interessierte Kinder und Jugendliche informieren können und spielerisch an das Thema Angeln und Naturschutz herangebracht werden. Auch Projekte zum Erhalt und zur Förderung der heimischen Flora und Fauna, sowie zur Erforschung von Wissen um die heimischen Fisch- und Tierarten werden durch die Verbände gemeinsam mit Universitäten und Fachbehörden mit Leben erfüllt und umgesetzt. Es gibt jedoch auch schwarze Schafe, die das Verständnis zum Angeln zum Leidwesen aller Angler leider gefährden. Um dies zu unterbinden, sind sowohl durch die Sächsische Fischereibehörde, als auch durch den Verband Fischereiaufseher eingesetzt. Diese sind beauftragt am Gewässer für Ordnung zu sorgen und Verstöße anzuzeigen. Werden Verstöße oder gar Fischwilderei am Gewässer festgestellt, so hat dies eine Anzeige sowie den Entzug des Erlaubnisscheines und sogar die Isolierung aus der Gemeinschaft des Vereins zufolge.

Die herkömmlichsten Angelmethoden

Barsch, Hecht und Spiegelkarpfen

Fliegenfischen

Beim Fliegenfischen verwendet der Angler künstliche, sehr feine Köder, die Insekten oder kleinen Fischen täuschend ähnlich sehen. Ein Gewicht wird nicht benutzt, da sich der Köder, wie auch das Insekt, nahe der Wasseroberfläche befinden soll. Das bis zu 20 Meter weite Auswerfen der Angelschnur bedarf etwas Übung, aber mit den entsprechenden Ködern lassen sich so neben kleineren Friedfischen auch Lachse und Hechte fangen.

Stippangeln

Ähnlich einer Boje zeigt eine „Pose“ beim Stippangeln den Biss des Fisches an. Ein Bleigewicht ermöglicht es dem Stippangler auch weit unter der Wasseroberfläche bis hin zum Grund zu angeln. Als Köder werden Maden, Würmer oder Teigkügelchen benutzt. Mit dieser Angelmethode und einer entsprechenden Rute (Angel) können die meisten Fischarten gefangen werden. Für Einsteiger ist diese Form des Angelns am besten geeignet. 

Grundangeln

Grundangeln ist die traditionellste und älteste Form des Angelns ist. Viele Fische nehmen ihre Nahrung vom Grund des Gewässers auf und mittels eines Bleigewichtes kann genau dort der Haken und der Köder platziert werden. Beim Grundangeln ist es ratsam, die Bodenstrukturen des Gewässers vorher zu erkunden. Grundangeln eignet sich für die Jagd nach kleinen Friedfischen aber auch großen Raubfischen wie Hecht und Wels.

Spinnfischen

Beim Spinnangeln zielt der Angler vor allem auf Raubfische ab und dementsprechend imitiert auch der Köder einen kleineren Friedfisch. Jedoch muss bei dieser Angelmethode der Köder auch bewegt werden. Ein langsames Einholen der Schnur ist hierbei genauso hilfreich, wie Köder, der Bauart eine Schwimmbewegung unter Wasser vollführen.

Meeresangeln

Meeresangel kann man vom Boot oder Ufer aus. Für diese Form des Angelns werden schwerere, stabilere Angeln und auch schwerere Senkgewichte benutzt. Ein weites Auswerfen ist hierbei nicht nötig, da der Meeresfischer vor allem auf Tiefe abzielt. Dabei können Fische in bis zu 100 Metern Tiefe gefangen werden.

Fotos: Landesverband Sächsischer Angler e.V.

28. September 2021

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