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Ratgeber Sportfotografie Teil 2

Alles eine Frage der Perspektive...

Sportfotografie

Selbst wenn ein Foto in Bezug auf Belichtung und Schärfe optimal aufgenommen wurde, ist dies noch lange kein Garant dafür, dass es ein wirklicher „Hingucker“ wird. Das kann zum einen an einer schlechten Motivauswahl und zum anderen an einer ungünstigen Perspektive liegen. Bei der Wahl des richtigen Motivs sollte darauf geachtet werden, sich auf das Wesentliche festzulegen. Möchte ich die Stimmung im Stadion einfangen oder nur einen einzelnen Akteur in Aktion festhalten? Einer der häufigsten Fehler entsteht durch überladene Bilder, auf denen der Betrachter Mühe hat, seine Augen auf ein Hauptmotiv zu richten. Ganz getreu dem Motto „weniger ist oft mehr“, sollten störende Elemente aus dem Bild entfernt werden. Da man meist nur schlecht den Handlungsort umbauen kann, bedient sich der Fotograf dazu den Mitteln der Perspektive. Grundlegend wird dabei zwischen zwei Möglichkeiten unterschieden.

Blickwinkeländerung durch Objektivwahl

Jeder, der in die Fotografie mit einer Spiegelreflexkamera einsteigt, hat zumindest ein Zoom-Objektiv. In der Regel geht dieses von einem Weitwinkel bis hin zu einem leichten Tele. Nutzt hier den kompletten Brennweitenbereich, um unterschiedliche Perspektiven zur Geltung zu bringen! Weitwinkelaufnahmen eignen sich hervorragend um die Atmosphäre wiederzugeben, in der sich der Sportler bewegt. Das Bild wirkt räumlich, jedoch ist es teilweise nicht einfach einen spannenden Bildaufbau zu gewährleisten, weil sich der Akteur zu wenig vom Hintergrund abhebt. Bilder im Telebereich isolieren einzelne Personen bei der Wahl einer großen Blendenöffnung hervorragend vom restlichen Hintergrund. Zwar geht der Charakter der Räumlichkeit komplett verloren, da bei zunehmender Brennweite Hintergrund-und Vordergrundebene immer weiter zusammengestaucht werden, gleichzeitig bieten sich aber viel bessere fotografische Freiheiten, um Emotionen, Anspannung und Details des Sportlers hervorzuheben.

Blickwinkeländerung durch Standortverlagerung

Viele Fotografen fotografieren ein ganzes Spiel von ein und derselben Stelle in aufrechter Haltung. Klar bekommt man auch so tolle Fotos hin, jedoch werden diese nach einer Weile immer gleich aussehen und eine gewisse Langeweile setzt ein. Löst Euch von der Bequemlichkeit und variiert Eure Kameraposition! Oftmals sieht man mich am Spielfeldrand hocken oder auf dem Parkett liegen, um aus der Tiefe zu fotografieren. Dadurch erreiche ich viel mehr Dynamik und Spannung – die Sportler wirken größer und Sprünge sehen höher und weiter aus. Oder Ihr sucht in Eurem Umfeld Erhöhungen in Form von Leitern, Stühlen oder Tribünen. Durch eine erhöhte Position bekommt Ihr eine bessere Übersicht über den gesamten Spielverlauf und gleichzeitig müsst ihr Euch kaum Gedanken um den Hintergrund machen. Durch die Vogelperspektive ist nur der Sportler und der Spieluntergrund auf dem Foto zu sehen. Mein letzter, aber entscheidender Tipp: Geht nah ran! Je mehr Ihr Euch dem eigentlichen Geschehen nähert, desto eindrucksvoller werden Eure Bilder. Das erfordert natürlich etwas Übung und setzt voraus, dass man rücksichtsvoll ist und den Spielablauf nicht behindert. Doch wenn man das Team etwas kennt, kann man so Szenen ablichten, welche den Betrachtern auf der Tribüne verwehrt bleiben und das Foto somit viel interessanter machen.

Text und Foto: Ben Gierig

15. September 2019

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