Training

Survival - Kann man Überleben trainieren?

Zugegeben. Überlebenstraining ist kein Sport. Aber auf jeden Fall eine Fähigkeit, die trainiert werden will. Die Apokalypse oder das Jüngste Gericht sind vielleicht nicht die akuteste Bedrohung, aber alleine schon eine Auto- oder Fahrradpanne in der tiefsten Wildnis bzw. ein Skiunfall in den Bergen können es erforderlich machen, dass man weiß, wie man im Ernstfall Leib und Leben schützt.

Survival ist mehr als nur eine Grenzerfahrung oder ein Adrenalin-Kick. Ein gutes Überlebenstraining vermittelt Fähigkeiten, die unter Stress, Schmerz und Angst abgerufen werden können und es uns ermöglichen, die richtigen (Überlebens-)Entscheidungen zu treffen. In einer plötzlich entstehenden lebensbedrohlichen Situation reagiert der Mensch ohne nachzudenken mit evolutionären Überlebensreflexen. Diese können uns große Kräfte verleihen, uns aber auch ins Verderben stoßen, wenn sie uns lähmen oder wir uns durch sie zu falschen Handlungen hinreißen lassen. Für den Ernstfall muss man vorbereitet sein und darf nicht darauf hoffen, dass „schon irgendwie alles gut gehen wird“.

Im Überlebenstraining und bei unseren Survival Touren dienen geistige Flexibilität, Improvisation und Kreativität als Ausgleich für das Fehlen von Ausrüstungsgegenständen und Hilfsmitteln. Je nach Dauer des Camps (drei, vier oder sieben Tage) werden die Kurse anspruchsvoller und sind näher an der Realität ausgerichtet. An erster Stelle stehen die grundlegenden Survival Basics. Einsteiger können hier sehr viel Wissenswertes lernen, ohne wirklicher Not und Maximalbelastung ausgesetzt zu sein. Viele Teilnehmer sind nach einer anfänglichen Ratlosigkeit in Bezug auf die mangelnde Ausrüstung überrascht, was man beispielsweise alles mit ein wenig Schnur und Ästen anfangen kann. Bei den Fortgeschrittenen-Kursen wird es schon etwas ungemütlicher. Schlafsack und Isomatte bleiben im Auto und die Versorgung mit Nahrung aus der Zivilisation wird reduziert. Nochmals eine Spur härter wird es bei den Intensiv-Kursen. Während des Trainings forcieren wir körperliche und psychische Stressmomente, die unsere Teilnehmer an ihre Grenzen führen. Zahlreiche Aufgabenstellungen (Tasks) sind allein oder im Team zu bewältigen und werden gemeinsam mit dem Ausbilderteam reflektiert. Schlafmangel, körperliche Erschöpfung und Hunger tun ihr übriges. Unter diesem Druck kommt es nicht selten vor, dass die Nerven der Teilnehmer blank liegen, aber in der Regel beißen sich die Teilnehmer durch.

Ein Survival-Training steht allen Personen ab dem 16. Lebensjahr offen. Vorhandene Grundkenntnisse und Outdoor-Erfahrung sind von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Jeder Teilnehmer sollte sich bewusst sein, dass das Training physisch und psychisch anspruchsvoll ist. An Equipment wird lediglich ein Schlafsack, eine Isomatte, belastbare Kleidung, festes Schuhwerk, Messer, Taschenlampe, Geschirr und Schreibzeug benötigt. Alles andere wir vom Veranstalter gestellt. Überflüssige Hilfsmittel werden von uns einsortiert, allerdings spielen wir dabei nicht Rekrut und Unteroffizier. Unser Umgang miteinander ist geprägt von einem respektvollen Miteinander.

Über den Autor
Christian Dost (35) ist Dozent für Innere Medizin an einer Heilpraktikerschule und Inhaber der Survival-Schule Earthtrail. Der erfahrene Survivalspezialist ist ausgebildeter Wildnisführer und Erste Hilfe Ausbilder beim Trainingszentrum für Notfallrettung in Dresden. Earthtrail gründete er 2010 und bildete mit seinem Team seit dem unzählige Interessierte in der Kunst des Überlebens aus. Als Experte war er unter anderem an verschiedenen TV-Produktionen für Pro7, den Kinderkanal, DMAX und RTL tätig.

Fotos: Earth Trail

08. November 2016

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