Unterwegs

Reisebericht: Peru

Auf den Spuren der Inkas

Peru: Auf den Spuren der Inkas

Von meinem Arbeitsplatz als Asien-Manager bei AT REISEN ging es als Guide mit einer eigenen Reisegruppe nach Südamerika. Ich war stolz darüber und hatte eine enorme innere Vorfreude. Und es ging auch noch ausgerechnet in das Land, in welchem eine der ältesten und fortschrittlichsten Kulturen des gesamten Kontinents, die Inkas, ihr politisches und kulturelles Herrschaftszentrum besaßen – nach Peru!

Nur drei Wochen später fand ich mich am Frankfurter Flughafen wieder, wo bereits 13 Gäste erwartungsvoll auf mich warteten, um ihre Kultur-und Erlebnisreise „Kultur-Berge-Kondore“ zu beginnen. Es war eine kunterbunt gemischte Truppe - von einer Familie mit 26-jährigem Sohn bis hin zu einem 73-jährigen, bereits in Rente befindlichen Lehrer…und jeder Einzelne voller eigener Erwartungen und Ansprüche an diese Reise. Da ich bereits die Chance hatte auf einer einjährigen Reise in Südamerika unter anderem auch Peru zu erkunden, war es für mich das zweite Mal vor Ort und ich war gespannt, welche aufregenden Abenteuer dieses tolle Land dieses Mal für die Gruppe und mich bereithalten würde.

Nach einem angenehmen Flug wartete unser Guide Heradio am Flughafen Lima auf uns und begleitete uns zum Hotel. Lima verkörpert eine typisch schnell wachsende Mega-City. Mehr und mehr Menschen verlassen ihre Heimat auf dem Land, um der harten und wenig Ertrag bringenden Arbeit in der Landwirtschaft zu entfliehen und ihr Glück in den Städten zu suchen. Oft platzt der Traum recht schnell und die Neuankömmlinge finden sich in den armen und sporadischen Behausungen der ausufernden Vorstädte wieder. Die Folgen sind Verkehrs-Kollaps, Umwelt- und Luftverschmutzung, Trinkwasserknappheit, Probleme mit der Müllentsorgung und eine wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Nichtsdestotrotz nutzten wir die Zeit vor Ort, um all die schönen Ecken Limas, besonders in der Altstadt und im Stadtbezirk Miraflores zu erkunden. In der Altstadt am Plaza Central ist noch sehr gut die pompöse Architektur der spanischen Kolonialzeit zu bewundern. Dagegen hat sich Miraflores zum neuen hippen Stadtbezirk für die Mittelschicht entwickelt und besticht vor allem durch seine schöne Lage an den Klippen des Pazifiks.

Am Tag darauf flogen wir bereits früh zum „Nabel der Welt“ nach Cusco. Die einzigartige Schönheit der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reichs kann kaum in Worte ausgedrückt werden und der Besuch darf auf keiner Peru-Reise fehlen. Zu Beginn mussten sich einige Reiseteilnehmer erst einmal an die 3.400 m Höhenlage gewöhnen, denn hier wird einem schnell bewusst, dass man sich ab jetzt in den mächtigen Anden befindet. Einige nahmen dies trotz aller Warnungen zum Trotz auf die leichte Schulter und wurden prompt mit Kopfschmerzen und Übelkeit bestraft. Was jedoch bei jedem Reisenden wirklich hängengeblieben ist, sind die wunderschönen Kirchen wie La Companía und La Catedral sowie die kleinen engen kopfsteingepflasterten Gassen, Stadtmauern und Plätze der Stadt. Große Teile dieser Architektur wurden zwar von den Spaniern nach der Zerstörung der Inka-Bauten neu errichtet, jedoch zu großen Teilen unter Nutzung der Steine aus verschiedensten Inka-Stätten. Natürlich darf auch ein Besuch des örtliches Markts San Pedro für die Erkundung verschiedenster exotischer Früchte und allerhand Textilkunst, sowie ein Schlendern am Rand der Innenstadt nicht fehlen, um auch das wahre peruanische Leben der lokalen Bevölkerung aufzusaugen. Am nächsten Tag kamen wir der Inka-Kultur im „Heiligen Tal der Inkas“ bzw. im Urubambatal noch etwas näher und bekamen bei dem Anblick der monumentalen Stätten von Pisac und Ollantaytambo bereits einen guten Vorgeschmack darauf, was uns in Macchu Picchu erwarten würde.

Nun also konnte unser 4-tägiges Abenteuer auf dem Salkantay-Trek nach Machu Picchu beginnen. Dieser Trek wird als Alternative zum populären Inka-Trail immer beliebter und dies zu Recht. Unser Fahrzeug brachte uns bis nach Mollepata, dem berühmten Ausgangspunkt für dieses Trekking. Nach einigen Stunden bergauf durch eine tolle Landschaft mit majestätischen Gebirgszügen, tief eingeschnittenen Tälern und schneebedeckten Bergkuppen, erreichten wir das erste Zeltlager in Soraypampa auf 3.880 m. Dort konnte man bereits einen ersten Blick auf den 6.271 m hohen Salkantay („Wilder Berg“) erhaschen. Nach einer sternklaren Nacht wurden alle Kräfte mobilisiert, um bei merklich schwindenden Sauerstoffgehalt in der Luft, den Pass auf 4.630 m zu überwinden. Dieser Pass liegt dem Salkantay direkt zu Füßen an seinen Gletscherausläufern – an den überstehenden Eisflanken fühlt man die ganze Kraft der Natur und sich selbst ziemlich klein. Von nun an folgte bereits der Abstieg in eine immer grünere und subtropischere Landschaft. Jedoch blieben die hohen Eisriesen der Umgebung noch für einige Zeit die ständigen Begleiter und versetzen einen immer wieder ins Staunen. Der Abstieg am nächsten Tag erfolgte hinunter bis auf 1.800 m nach Santa Teresa, wo ein paar heiße Quellen in einer einzigartigen Umgebung die perfekte Möglichkeit darstellten, um die müden Knochen und Muskeln ein wenig zu entspannen. Am letzten Tag dieses Trekkings ging es entlang der Eisenbahnstrecke von Hidroelectrica immer unterhalb des Bergkamms, auf welchem Machu Picchu liegt, bis nach Aguas Calientes, dem Dorf und Ausgangspunkt am Fuße Machu Picchus. Am Tag darauf war es nun soweit: Machu Picchu! Wer träumt nicht davon, einmal diese architektonische Meisterleistung der Inkas hoch in den Bergen der Anden bestaunen zu dürfen? Trotz aller Ausmaße des heutigen Tourismus, bleibt Machu Picchu ein Sehnsuchtsort und Sinnbild für ganz Südamerika.

Nach einer kurzen Rückkehr nach Cusco, stand mit dem Besuch des Titicacasees bereits ein erneutes Highlight auf dem Plan. Seine enormen Ausmaße als zweitgrößter See Südamerikas, sind selbst bei einer Bootsfahrt auf ihm, kaum realisierbar. Wir besuchten die bekannten Totora-Schilf-Inseln, auf denen bis heute Nachfahren der Uros unter einfachsten Bedingungen leben. Der Ursprung liegt darin, dass sich dieses Volk als Schutz vor den kriegerischen Inkas die Erstellung von schwimmenden Schilf-Inseln aneignete, um sich bei Gefahr auf den See, weit weg vom Festland, zurückzuziehen. Bis heute leben einige Stämme autark vom Fischfang und der Entenjagd. Zurück auf festen Boden folgte ein weiteres Naturspektakel Perus: der Colca Canyon. Dies ist einer der tiefsten Canyons der Erde und einer der besten Orte überhaupt, um Kondore in freier Wildbahn zu beobachten. Erfreulicherweise hatten wir auch das notwendige Quäntchen Glück und durften die mit bis zu einer Spannweite von drei Meter großen majestätischen Vögel ausgiebig bestaunen.

Anschließend sind wir die knapp 1.000 m in den Canyon abgestiegen, um zwei Nächte in den Oasen tief im Canyon zu verbringen. Die kleinen Orte werden von dem Colca-Fluss mit Gletscherwasser aus den Anden gespeist und sind wahre Oasen mit Palmen und allen möglichen Früchten und Gemüsesorten, die vor Ort angebaut werden. Nicht für umsonst gilt die Region um den Colca Canyon zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Anbaugebieten Perus. Dieses einfache Leben in den idyllischen Dörfern, umgeben von den riesigen Felswänden des Canyons, lässt einen manchmal in Tagträume verfallen. Nach einem beschwerlichen Aufstieg hinaus aus dem Canyon, ging es über einen 4.900 m hohen Pass mit toller Aussicht auf die umliegenden Eisriesen Ampato, Hualca Hualca und Sabancaya, Richtung Arequipa – der berühmten weißen Stadt am Fuße der Vulkane Misti und Chachani. Und genau dieser sollte mit seiner Höhe von 6.075 m optimal sein, um eine faszinierende Reise abzuschließen. Nach einem kurzen Meeting zur Besteigung mit den örtlichen Berg-Guides, fanden sich meine Gäste und ich bereits in den scheinbar unzerstörbaren Toyota-Jeeps wieder. Diese sollten uns über eine abenteuerliche Piste mit grandiosen Aussichten bis auf fast 5.000 m Höhe bringen. Weitere 200 Höhenmeter wurden zu Fuß über große Steinformationen überwunden, bis wir unser „Nachtlager“ errichteten. Dabei ist auf über 5.000 m, aufgrund des mangelnden Sauerstoffs, kaum an Schlaf zu denken. Nachts erfolgte dann der mühevolle Aufstieg über schier endloses Steingeröll und Lavasand, bis wir pünktlich zum Sonnenaufgang überglücklich auf dem leicht vergletscherten und verschneiten Gipfel standen – dem Dach der Anden, mit Blick auf all die Eisriesen der Umgebung, Arequipa zu Füßen und mit dem Pazifik scheinbar zum Greifen nahe. Der Chachani, der als einer der einfachsten 6.000er Berge der Welt gilt, war der krönende Abschluss dieser Reise.

Text und Bilder: Alexander Fleischer

27. Oktober 2016

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