Unterwegs

Reisebericht: Namibia

Das Land im südlichen Afrika wird bis heute oft mit der deutschen Kolonialzeit assoziiert. Seit seiner Unabhängigkeit von Südafrika im Jahr 1989 hat sich Namibia zu einem faszinierenden Urlaubsziel entwickelt. Jedes Land auf diesem Kontinent hat seine ganz eigenen Besonderheiten, doch wer Namibia einmal besucht hat, wird unbedingt wiederkehren wollen. Egal, wie man das Land erkundet, die Wahrscheinlichkeit außerhalb der großen Städte auf Menschen zu stoßen, ist sehr gering. Falls es doch passiert, so ist gerade in Städten wie Windhoek, Swakopmund oder Lüderitz die Chance besonders hoch, jemanden zu treffen, der ebenfalls deutsch spricht. Damit sind nicht nur deutsche Touristen gemeint. In Namibia gibt es eine große Gruppe deutschsprachiger Einheimischer, die bis heute die deutsche Kultur und Architektur nach dem Ende der Kolonialzeit bewahren.

Ich habe Namibia das erste Mal im Jahr 2007 bereist und das Land hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Im Februar 2015 kehrte ich nun bereits zum sechsten Mal zurück und erlebte auch dieses Mal wieder tolle Abenteuer. Wie all meine Reisen zuvor startete ich auch diese Reise von Johannesburg (Südafrika) aus. Ein nicht ganz typischer Weg nach Namibia, vor allem nicht, wenn man die über 1.000 Kilometer lange Fahrt bis zur Landesgrenze bedenkt, aber als Selbstfahrer im südlichen Afrika unterwegs zu sein, ist immer ein besonderes Erlebnis. Unterkünfte lassen sich in Namibia in allen Preisklassen finden, egal ob man Wert auf Luxusunterkünfte legt oder auf Campingplätzen übernachten möchte. Wie bei all meinen früheren Reisen nach Namibia mietete ich mir einen 4x4 Camper - ausgestattet mit einem Dach-Zelt, einem Wassertank und einer Kühltruhe. Der Geländewagen bietet die Möglichkeit, auch in entlegenere Gebiete zu gelangen. Prinzipiell ist er aber nicht unbedingt nötig, da es in Namibia ein asphaltiertes Streckennetz zu den größten Städten gibt und die Sandstraßen relativ gut gepflegt sind. Die vielen Wild- und Nutztiere auf den Straßen erfordern jedoch immer volle Konzentration und machen Nachtfahrten zu einem gefährlichen Unterfangen. Autofahren in Namibia ist eben noch ein Stück weit ein „Abenteuer“, das vom Fahrer einiges abverlangt und ab und an dazu führt, dass man einen kaputten Reifen wechseln oder das festgefahrene Auto aus dem Sand befreien muss.

Der erste Stopp auf meinem Roadtrip war die Zelda Guest Farm, da die Strecke zwischen Johannesburg und Buitepos an einem Tag zu schaffen ist und weil diese Farm tolle Aktivitäten anbietet. So kann man spannende Pirschfahrten unternehmen oder ein San-Dorf besuchen. Eine Besonderheit ist zudem der Campingplatz, der sich genau neben dem Gehege der Leoparden befindet. So kann es passieren, dass man früh durch das Rufen des Leoparden geweckt wird oder diese majestätische Raubkatze beim Herausklettern aus dem Zelt vor sich stehen sieht. Außerdem trifft man im Camp immer wieder auf andere Reisende, die von ihren afrikanischen Abenteuern erzählen. So lernte ich ein Ehepaar aus Südafrika kennen, welche beide mit über 70 Jahren eine dreiwöchige Tour im Camper an die Skelettküste Namibias vor sich hatten.

Vom Farmland ging es für mich weiter nach Windhoek. Die Hauptstadt, die mit gerade einmal 230.000 Einwohnern mehr wie eine Kleinstadt wirkt, ist genau wie Swakopmund besonders für Interessierte der Kolonialgeschichte zu empfehlen. Wer hingegen die besondere Landschaft Namibias erleben möchte, wird in Windhoek nicht lange verweilen. So fahre auch ich weiter zum weltberühmten Sossusvlei. Diese, von den Dünen der Namibwüste umschlossene Salz-Ton-Pfanne, gehört für jeden Reisenden zum Pflichtprogramm. Viel schöner, jedoch mit einem mühsamen Fußmarsch verbunden, ist das Dead Vlei. Hier ragen 500 Jahre alte abgestorbene Baumstämme aus der Ton-Pfanne hervor. Die Vleis sind Teil der mehr als 300 Kilometer langen und 140 Kilometer breiten Dünenlandschaft. Die Sterndünen der Vleis zählen mit 225 m Höhe zu den größten Sandbergen der Welt, sind aber eher für ihre Farbkontraste in den Morgen- und Abendstunden berühmt. Um die Ruhe und das schier endlose Sandmeer zu genießen, sollte man unbedingt mehr als nur einen Tag einplanen. Da das Tor zum Nationalpark erst nach Sonnenaufgang geöffnet und bereits vor Sonnenuntergang geschlossen wird, ist es lohnenswert, sich eine Unterkunft innerhalb des Nationalparks zu suchen, um das Farbenspiel der Sonne in den Dünen während der Dämmerung nicht zu verpassen.

Nach drei Tagen Sossusvlei führte mich meine Reise in die beschauliche Küstenstadt Swakopmund. Temperaturunterschiede von bis zu 20° C sind, je nach Jahreszeit, nicht ungewöhnlich. Besonders bekannt ist Swakopmund für seine vielen noch vorhandenen Kolonialbauten und die zahlreichen Unternehmungen, die man von hier aus starten kann. Dazu gehören u.a. Quadfahren in den Dünen, Bootstouren zur Robben- und Delfinbeobachtung sowie Exkursionen zur den Topnaar, einer bis heute in der Wüste lebenden Volksgruppe. Nach nur zwei Tagen Swakopmund ging meine Reise zurück in das Hinterland Namibias zum Waterberg mit seinem über 40.000 ha großen Plateau. Es ist diese wunderschöne Landschaft, die Ruhe und die Weite, die man dort so sehr genießen kann. Zwar ist es im Februar noch sehr heiß, aber wer gern einen Campingplatz für sich haben möchte und die Ruhe sucht, ist zu dieser Jahreszeit hier genau richtig.

Da ich meinen ursprünglichen Reiseverlauf für die Erlebnisse am Waterberg über den Haufen geworfen hatte, blieben mir noch drei weitere Tage in Namibia übrig. Ohne einen festen Plan fuhr ich zunächst nach Windhoek zurück. Dort angekommen, erfuhr ich, dass es ca. 130 km südlich von Windhoek mehrere Farmen gibt, auf denen man die Sterne mit Teleskopen bestaunen kann. Durch die schwache Bevölkerungsdichte und die geringe Luft- und vor allem Lichtverschmutzung, bietet Namibia ideale Bedingungen zur Beobachtung des südlichen Sternenhimmels. Ich entschied mich auf eine der Farmen in den Hakosbergen zu fahren und mir dort den Sternenhimmel genauer erklären zu lassen. Als Laie durch ein professionelles Teleskop zu schauen und den Gasplaneten Jupiter mit seinen Monden, die Ringe des Saturns oder die Kraterlandschaft unseres Mondes sehen zu können, ist wirklich etwas Besonderes. Mit diesen neu hinzugewonnen Eindrücken und Erlebnissen, die ich auf meiner Reise 2015 gewonnen habe, machte ich mich nach zwei Wochen wieder zurück auf den Weg Richtung Johannesburg, wo meine Reise, nach ca. 4.500 km mit der Gewissheit endete, im nächsten Jahr wieder nach Namibia aufzubrechen.

Über den Autor
David Vetesi ist der perfekte Ansprechpartner für das Südliche Afrika. Seit 2007 bereist der studierte Afrikanist die Region und kombiniert Erholungs- mit Aktivurlaub. Eine besondere Beziehung hat er zu Südafrika, wo er beruflich mehrere Monate verbrachte und was ihm durch seine dort ansässige Familie immer wieder als Ausgangspunkt für neue Reisen in die umliegenden Länder dient. In seiner Freizeit treibt er Sport, liest gern und plant seine nächsten Reisen.

Fotos: David Vetesi, AT Reisen

22. April 2015

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