Unterwegs

Reisebericht: Indien

Nepal

Indien lernt man lieben oder hassen, behaupten Kenner des Subkontinents. In der Tat hat das Land ein enormes Kontrastprogramm. Es ist zu groß, um bei einer Reise seine Facetten auch nur ansatzweise zu erleben. Ich selbst habe das Land lieben gelernt. Immer wieder zieht es mich in diesen Kulturkreis, wo vielerorts Hindus, Moslems und Sikhs friedlich miteinander leben. Die fast 20-Millionen-Hauptstadt Delhi ist meist das erste Erlebnis eines Indienbesuchs. Je nach Jahreszeit herrschen Temperaturen bis zu 45 Grad im Schatten. Im Juni erreicht der regenreiche Monsun die Hauptstadt und setzt sie fast drei Monate unter Wasser. Das Hupen und das hektische Treiben auf den scheinbar ohne Verkehrsregeln funktionierenden Straßen sind ein überwältigendes Erlebnis. Ich habe immer wieder den Eindruck, eine Milliarde Inder auf einmal zu treffen. Umso angenehmer ist dann die Ruhe, die einen in den Bergen des Himalaya erwartet.

Entschleunigung im Kloster

Nach dem Flug nach Leh werde ich zwei Tage in der kleinen Berghauptstadt Ladakhs zubringen und mich auf die 3000m Meereshöhe anpassen. Die einzigartige Klostertour um Leh ist die beste Gelegenheit das Leben etwas zu „entschleunigen“. Die intakten Klöster mit ihren Mönchen beeindrucken immer wieder aufs Neue. Wie ausgeglichen und ruhig diese Menschen ihr Tagwerk verrichten. Die große Gompa von Thikse ist idyllisch auf einem Bergrücken gelegen und wirkt wie eine Miniaturausgabe des Potala in Lhasa. Das ist ein idealer Ort für den Fernblick in die schroffen Himalayaberge und die kargen Niederungen des Industals. Was für eine raue Gebirgslandschaft. Wo kein Wasser aus den Bergen zu Tale fließt ist es trocken und nahezu vegetationslos, eine Art Stein- oder Gebirgswüste, die Ladakh so kontrastreich macht. Besonders in den Abendstunden, wenn die rötlichen Sonnenstrahlen ihre letzte Wärme verteilen, taucht sich das Industal in ein unbeschreibliches Licht- und Schattenspiel.

Die ersten Sechstausender grüßen

Ausgangspunkt für das kommende Trekking ist der kleine Ort Zinchen. Hier wird das Gepäck auf die Esel verladen. Zunächst führt der Weg über trockene Landstiche. Irgendwann steigt der Pfad durch das Zinchental hinauf und führt in ein schroffes, steil eingeschnittenes Seitental. Wir verlassen das Industal und arbeiten uns bergauf. In 3350m schlagen wir die Zelte auf. Am zweiten Tag erreichen wir gegen Mittag die kleine Oase Rumbak, die bereits auf 4200m liegt. Aus der Ferne grüßen uns die ersten schneebedeckten Sechstausender. Anstrengender wird es am dritten Tag. Der immerhin 4900m hohe Stock La ist zu überqueren. In langsamem Tempo zieht sich unsere Karawane in Richtung Pass. Die Luft wird merklich dünner. Wir erreichen den Pass. Geschafft. Eine mehr als einstündige Pause mit unbeschreiblichem Fernblick bis ins Industal lohnt alle Mühen. Ganz nebenbei akklimatisieren wir uns für unser Bergziel, den 6121m hohen Stok Kangri. In einem weiteren Wandertag ist das Basislager auf knapp 5000m erreicht. Von hier beginnt der Aufstieg zum höchsten Punkt der Reise. Die Spannung steigt. Wie wird das Wetter sein, werden wir alle den Gipfel erreichen, wie anstrengend und wie kalt wird es werden?

K2 und Nanga Parbat vor Augen

Um drei Uhr klingelt der Wecker. An Schlaf war aufgrund der Aufregung kaum zu denken. Nach warmen Tee und einem stärkenden Frühstück sind wir noch vor vier Uhr auf dem Weg. Die Stirnlampen und der ortskundige lokale Führer weisen uns den Weg. Zur Morgendämmerung erreichen wir den Gletscherbeginn. Eine erste kurze Rast. Da der Gletscher glücklicherweise sediert ist, können wir seilfrei weitergehen. Bald steilt das Gelände auf und wir sind gezwungen, Steigeisen anzulegen. Der Schnee ist bei den tiefen Temperaturen hart gefroren und wir können guten Halt finden. Vorsichtig arbeitet sich unsere Gruppe in der Gipfelflanke des Stok Kangri nach oben. Immer wieder Verschnaufpausen. Viel Geduld ist gefragt, denn der Weg bis ca. 5.900 m zieht sich in die Länge. Eine leichte Linksquerung, bei der Trittsicherheit unbedingt erforderlich ist, schließt sich an. Dann stehen wir endlich auf dem Grat. Der Gipfel ist zum greifen nahe, der Weg führt rechts und links des felsigen Grats weiter nach oben. Die typischen Gebetsfahren grüßen schon auf den letzten Metern. Geschafft – 6.121 m Höhe. Was für ein Erlebnis. Der Rundblick reicht bis hinunter ins Industal. Die berühmten Berggiganten des K2 und Nanga Parbat hüllen sich leider in den Wolken, zu schön wäre dieser Fernblick ins Karakorum und zum „Deutschen Schicksalsberg“ gewesen. Nach einer kurzen Verschnaufpause beginnt bereits der Abstieg. Immerhin trennen uns noch vier Stunden vom sicheren Basislager. Dort werden wir bereits mit Tee und einem deftigen Gipfelschmaus erwartet. Was für ein Tag.

Infos für Reisende

Für eine Einreise nach Indien ist bereits vor Reisebeginn ein Visum bei der Indischen Botschaft erforderlich. Anreise: Viele Fluggesellschaften fliegen nach Delhi bereits ab 550 Euro. Lufthansa fliegt nonstop ab Frankfurt und München, Air India nonstop ab Frankfurt, Turkish Airlines und Air Kuwait sind Preistipps. Weitere Informationen beim Indischen Fremdenverkehrsamt.

Fotos: DIAMIR Erlebnisreisen

22. September 2020

Weitere Beiträge zu diesen Themen

Zurück

Weitere Artikel zu Reisen

Fahrbericht: Jaguar F-Type S AWD Coupé

mehr lesen >>

Reisebericht: Mit dem Katamaran in der Südsee

mehr lesen >>

Reisebericht: Indien

mehr lesen >>

Ausflugstipp: Der Harzer-Hexen-Stieg

mehr lesen >>

Fahrbericht: Bentley Continental Supersports

mehr lesen >>