Unterwegs

Reisebericht: Heilbuttangeln in Norwegen

Das Wetter war Ende Juni schon fast zu schön, als wir uns auf Höhe des Polarkreises auf die große Jagd nach dem wohl legendärsten Fisch des Nordmeeres machten – dem Heilbutt. Purer Sonnenschein über dem spiegelglatten Meer - traumhaftes Angelwetter, aber nicht unbedingt Fangwetter. Diese Situationen sind für den gezielten Fang des Heilbutts ungünstig.

Vor unserer Tour hatten wir uns schon einige potenzielle Gebiete in der Seekarte gesucht. Sandige Rinnen und Plateaus, in Tiefen von rund 20 bis 50 m. Außerdem hatten wir ja schon einige Hinweise früherer Fänge. Schnell waren die Köder ausgebracht. Bei 30 m Wassertiefe liefen die 500 Gramm schweren Köpfe ca. 50 m hinter dem Boot. Dann nach 20 Minuten der erste Einschlag. Ein Hänger? Nein, dieser „Hänger“ bewegt sich, wenn auch sehr schwerfällig. Ganz typisch beim „Schleppbutt“. Solange der Fisch direkt am Grund ist, kommt er nahezu ohne Gegenwehr mit, wie eine dicke Tangpflanze. Erst wenn er vom Grund nach oben gepumpt wird, explodiert er. Auch wir bekamen die gewaltige Kraft des Fisches zu spüren. Nach einer halben Stunde schweißtreibenden Drills hatten wir das 100 Pfund Monstrum an Board gehievt. Ein sensationeller Auftakt. Eine entscheidende Frage war zudem beantwortet. Die Heilbutts sind da, die Technik stimmt und die Fische beißen. Wer kennt diese Selbstzweifel nicht? Bin ich überhaupt am richtigen Platz? Ist es der richtige Köder? Sind die Fische überhaupt aktiv? Wenn das Angelgebiet und die Technik stimmen, ergibt sich auch die Sicherheit, etwas länger auszuharren, auch wenn ein paar Stunden nichts geht. Bei uns ging es dann aber Schlag auf Schlag weiter. In den folgenden drei Stunden hatten wir insgesamt 12 Attacken, die ziemlich eindeutig von Heilbutts stammten. Gut zu erkennen, an den tiefen Rillen, die sich nach einem Fehlbiss auf dem Gummifisch abzeichnen. Zwei mittelgroße Tiere von 15 und 20 kg konnten wir an diesem Tage noch landen, von denen der kleinste am gleichen Abend noch in der Pfanne landete.

Am kommenden Tag mussten wir etwas umsatteln, weil Westwind auf dem Fjord stand und im Zunehmen begriffen war. Zwei mittlere Heilbutts, die sich an unseren ca. 30cm langen Köderfischen „vergriffen“ hatten, waren das etwas bescheidenere Resultat, bevor uns der Westwind nach drei Stunden vom Wasser vertrieb. Die letzten zwei Tage sollten Sternstunden werden. Wetter wie am Mittelmeer, Begegnung mit Grindwalen im Fjord und Angelei wie aus dem Bilderbuch. Und weiter ging es. Bei einer Tiefe von ca. 40 m kam dann der nächste Einschlag. Unhaltbar vom ersten Moment. Wenn kein Flossenschlag zu spüren ist und sich einfach eine Masse in Bewegung setzt, sich die Spule nachhaltig leert, dann ist das ein Andrenalinbeben auf der nach oben offenen „Heilbuttskala“. Nach einer dreiviertel Stunde Schwitzen konnten wir den zweiten 100-Pfünder mit einem Haihaken sichern. Bei ihm verzichteten wir darauf, ihn aus dem Wasser zu hieven, sondern machten gleich außenbords ein paar Aufnahmen, bevor der 1,65 Meter große Heilbutt wieder abtauchen durfte. Der Heilbutt ist und bleibt die Königsklasse des Nordens! Wer einmal dabei ist, wenn die Rute ächzt, die Rolle kreischt und nicht klar ist, ob der Fisch oder der Angler die Kontrolle behält, der kann das verstehen…

Text und Foto: Matthias Ullrich DinTur Reisevermittlung

22. Januar 2016

Weitere Beiträge zu diesen Themen

Zurück

Weitere Artikel zu Reisen

Audi Q8

mehr lesen >>

Reisebericht: Pakistan

mehr lesen >>

Mercedes-AMG GT R

mehr lesen >>

Reisebericht: Finnland´s Norden – Winterwunderland, Schneeflocken und Schlittenhunde

mehr lesen >>

Seat Leon Cupra R

mehr lesen >>