Training

Therapeutisches Reiten

Anwendung findet diese Therapieform bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen. Sie reichen vom Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) über Schlaganfall bis hin zur Multiplen Sklerose. Schon seit dem Altertum ist die wohltuende Wirkung des Reitens auf Körper und Seele bekannt. Ende der 1950er Jahre entdeckten Ärzte und Physiotherapeuten, dass speziell durch den Bewegungsrhythmus des Pferdes eine regulierende und ausgleichende Wirkung erreicht und gleichzeitig auf vielfältige Art und Weise die Wahrnehmung des reitenden Patienten angesprochen wird. Das Pferd hat von Natur aus ein besonderes Bewegungsmuster, welches von technischen Geräten nicht imitierbar ist. Durch seine diagonale Fußfolge überträgt das Pferd Schwingungsimpulse auf den Reiter, welche dem menschlichen Gang entsprechen. Durch das dreidimensionale Rumpftraining im Sitz auf dem Pferd, können die Tonusverhältnisse der Muskulatur reguliert und Gelenke mobilisiert werden.

In der heilpädagogischen Förderung mit Pferden, vor allem im heilpädagogischen Voltigieren und Reiten, steht die Unterstützung der Entwicklung in den Bereichen Motorik, Wahrnehmung, Lernen und Verhalten im Vordergrund. In der Praxis werden auf dem Pferd wahlweise gymnastische Übungen und Geschicklichkeitsspiele ausgeführt. Auch durch das Putzen, Pflegen, Füttern und Waschen der Pferde wird das Verantwortungsgefühl gerade bei Jugendlichen stark gefördert. Die Arbeit mit dem Pferd baut nicht nur die etwaige Angst vor dem großen Vierbeiner ab, sondern hilft auch alltägliche Ängste und Blockaden zu lösen. Für den Patienten wird in der Regel eine individuelle Therapieplanung erstellt, die gezielt auf seine Probleme abgestimmt ist.

Therapeutisches Reiten ist derzeit eine Behandlungsform, die von den Krankenkassen zwar akzeptiert wird, jedoch nur selten abgerechnet werden kann. Die Kassen zahlen nur innerhalb von Einzelfallentscheidungen diese Therapie.

Prominentes Beispiel

Ein Sportler, dem das therapeutische Reiten sehr geholfen hat, ist Deutschlands bester Ringer Alexander Leipold. Der ehemalige Bundestrainer zeigt nicht nur als Sieger der Olympischen Spiele und 2-facher Weltmeister, dass er kämpfen kann, sondern auch nach privaten Rückschlägen. So traf es ihn 2003 ganz hart. 3 Schlaganfälle hintereinander und das mit gerade mal 34 Jahren. Leipold war halbseitig gelähmt und konnte nicht mehr sprechen. Doch er kämpfte, hielt durch, klammerte sich an seine Reha-Maßnahmen und wurde wieder gesund. Teil der Reha war auch das Therapeutische Reiten auf den Pferden „Kermit“ und „Bübchen“. Wer sich für die spannende Lebensgeschichte von Alexander Leipold interessiert, dem sei das Buch Alexander Leipold – Ich glaub´ an mich empfohlen.

Fotos: TSZ Dresden GmbH & Co KG, Sportmagazin PULSTREIBER

31. Mai 2016

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