Menschen

Interview: Isabella Laböck

Isabella Laböck

2013 wurde sie Snowboard-Weltmeisterin im Parallel- Riesenslalom. Mit 28 Jahren hat sie bereits zwei Olympiateilnahmen hinter sich. Isabella Laböck ist zudem Medienliebling und "Schneeleoparden-Botschafterin" des Naturschutzbundes Deutschland. Dazu noch eine glückliche Beziehung mit einem gleichgesinnten, sehr erfolgreichen Leistungssportler. Isabella Laböck, die für den VSC Klingenthal an den Start geht, ist nicht nur sportlich eine Überfliegerin. Nachfolgend erfahrt ihr mehr darüber, wie dieses Energiebündel tickt und warum sie auf dem Board eine Rakete ist.

Nachdem man die einleitende Beschreibung über dich gelesen hat, könnte man meinen: Nun noch einen Baum pflanzen und alle Lebensziele sind abgehakt, oder?
Ich hab einfach Spaß an meinem Tun, bin stolz und glücklich, dass mir dieser Weg ermöglicht wurde, an dem ich aber gleichwohl auch hart gearbeitet habe. Momentan bin ich einfach nur glücklich und sehr zufrieden mit meinem Leben. Für viele ist Snowboardfahren nur ein Funsport.

Was hat dich dazu bewogen, mehr daraus zu machen und den Weg einer Leistungssportlerin zu gehen?
Aus anfänglichem Spaß und meinem großen Bruder hinterher eifern, hat es eine Eigendynamik angenommen. Das Skiclubtraining wurde irgendwann auch die Kader- Gruppe, wir sind auf Rennen gefahren und dann ist es einfach zu meinem Leben geworden und es gab kein zurück mehr. Ich denke, mit dem Begriff Eigendynamik ist es sehr gut beschrieben. Snowboarden begleitet mich seit meinem sechsten Lebensjahr, es ist mein Leben und ein Teil von mir. Ich ohne Snowboarden - definitiv nur ein halber Mensch.

Wo hört auf dieser Ebene der »Fun« auf und wo beginnt der ernsthafte Sport?
Das wirklich Schöne am Snowboarden ist, es geht nach wie vor beides. Ohne Fun wäre ich sicherlich schon längst nicht mehr dabei. Aber klar, es ist zu meinem Beruf geworden und da nimmt man es schon ernsthafter bzw. gewissenhafter. Aber wenn es mir keinen Spaß mehr machen würde, wäre ich Fehl am Platz, ich liebe meinen Sport, der gleichzeitig mein Beruf ist. Wir sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen.

Deine Disziplin ist der Parallelslalom. Wie unterscheidet sich dieser im Vergleich zur Ski-Variante?
Ich sag nur so viel: der Carvingski kam nach dem Snowboard.

Wie kann man sich das Training in einer Sportart vorstellen, die saisonabhängig auf Schnee und eine entsprechende Piste angewiesen ist?
Wie bei jeder anderen Wintersportart auch, geht die Schneesaison von September bis März. Danach gibt es eine Pause von sechs Wochen und schon geht es wieder los: Aufbau der körperlichen Fitness durch Ausdauer- und Krafttraining. Plus diverse Lehrgänge im Schnee auf dem Gletscher.

Als Weltmeisterin musst du irgendetwas besser machen als der Rest. Kannst du uns dies verraten oder sind solche Erfolge etwa nur Tagesform, Material oder gar Glück?
An diesem Tag hat einfach alles perfekt gepasst. Mentale Stärke, sprich Psyche, die Tagesform, das Material, die Piste, der Lauf, der Hang – einfach alles. Es war MEIN TAG.

Erfolg bringt leider auch Neider mit sich. Hast du es schon erlebt, dass Sportler aus anderen Disziplinen mit dir argumentieren, dass in ihrer Sportart der Trainingsaufwand objektiv höher ist als bei dir und du es ja ach-so-einfach hast?
Klar witzelt man da oft mit anderen Sportlern, aber Augen auf bei der Sportart- Wahl. Man muss diesbezüglich nicht neidisch auf andere sein. Wenn man sich für eine Sportart entscheidet, dann doch aus dem Grund, weil sie einem gefällt, weil man sich in sie verliebt hat. Aber prinzipiell kann man die verschiedenen Sportarten schwer miteinander vergleichen. Klar brauchen wir weniger Ausdauer wie ein Langläufer, aber dafür mehr Kraft als diese. Andere machen zwei Fahrten alleine gegen die Zeit bei einem Rennen und sind dann fertig, wir müssen zehn Fahrten mit Gegner im direkten Duell bis zum Sieg bestreiten. Das ist eine enorme psychische Belastung. Alles in allem also nicht wirklich vergleichbar.

Liebst du die Medien oder lieben die Medien dich?
Die Medien kommen auf mich zu, weil ich glaube, eine sympathische authentische Persönlichkeit und Sportlerin zu sein. Wie gehst du mit einem Bekanntheitsgrad um, der für deine Sportart sicherlich etwas ungewöhnlich ist? Natürlich ist nach dem Sieg bei der WM sehr viel auf mich eingeprasselt, aber es war auch eine unheimlich schöne Zeit, die man nach so einem Erfolg einfach in vollen Zügen aufsaugt und genießt. Es ist auch ein stückweit Lohn für all die Mühen der vergangenen Jahre. Ich kann aber versichern, dass ich immer noch die Bella wie eh und je bin, mit dem Zusatz mir meinen Lebenstraum erfüllt zu haben.

Seit Ende Oktober unterstützt du die Kampagne der NABU (Naturschutzbund Deutschland) für den Schutz von Schneeleoparden. Bist du alleine darauf gestoßen oder wurdest du darauf angesprochen?
Diese Unterstützung ging ganz alleine von mir aus. Ich liebe diese wundervollen Großkatzen, sie haben es verdient auf dieser Welt zu bleiben. Dieses Projekt vom NABU unterstützen zu dürfen ist eine Herzens-Angelegenheit.

Da du ja in Oberbayern lebst, sei erwähnt, dass du für den VSC Klingenthal startest. Wie kommt dies? Ist Klingenthal das Bayern München des Wintersports oder spielen rein private Gründe eine Rolle?
Ich gestehe, anfangs waren es rein persönliche Gründe. Aber über die Jahre, mittlerweile sind es sechs, die ich für einen sächsischen Verein starte, ist etwas ganz Tolles und Einzigartiges daraus geworden. Ich wurde ganz lieb aufgenommen, erfahre eine super Unterstützung und hoffe mit diesem Schritt in Sachsen im Bereich Snowboard etwas bewegen zu können.

Da wir gerade beim Privaten sind – du bist bereits seit längerem mit dem Nordischen Kombinierer Björn Kircheisen liiert. Zwei ehrgeizige Alphatierchen mit ähnlichen Interessen. Da muss man doch befürchten, dass es entweder dauernd »kracht" oder langweilig wird. Was hält euch in der Balance?
Wir haben uns einfach gesucht und gefunden. Wir haben Verständnis für das, was der andere tut. Das kann definitiv nur jemand, der den gleichen Lebensstil lebt. Sportler sind viel unterwegs, man muss sich vertrauen können. Wir wissen genau, wie man den anderen anpacken muss, bei Erfolg und bei Niederlagen. Wir können uns gemeinsam pushen. Das macht unheimlich viel Spaß und wird nie langweilig.

Gibt es eine Sportart, die dich, im Nachhinein betrachtet, genauso begeistern würde, wie das Snowboarden?
Nein, Snowboarden ist meine Passion, mein Leben.

Dein Lebenslauf und auch dein Facebook-Profil verraten eine lebenslustige und auch ein wenig ausgeflippte junge Frau. Dein »offizieller« Beruf ist jedoch Polizeibeamtin bei der Bundespolizei. Siehst du nach einem aktiven Karriereende dort deine berufliche Zukunft oder planst du insgeheim schon eine andere Karriere z.B. als Kommissarin bei den Rosenheim-Cops?
Haha, Rosenheim Cops, das wäre schon was oder vielleicht doch "Alarm für Cobra 11"?!?

Foto: Vitesse-Kärcher/Klaus-Eckhard Jost

08. Dezember 2014

Weitere Beiträge zu diesen Themen

Zurück

Weitere Artikel aus dem Bereich Menschen

Zu schwul für die Kreisliga? Homosexualität im Sport

mehr lesen >>

Indi Cowie - Mit Ballkontrolle zu Weltrekorden

mehr lesen >>

Interview: Matthias Dolderer

mehr lesen >>

Interview: Pauline Schäfer

mehr lesen >>

Bushcrafting - Ich bin draußen!

mehr lesen >>