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Seat Leon Cupra R

Einer von 799…

Seat Leon Cupra R

Seat ist traditionell keine Automarke, die ein großes Portfolio an PS-starken Modellen aufweist. Dies ist ausschließlich der „Cupra“-Serie vorbehalten. Dieses Kürzel steht für „Cup Racing“ und markiert die jeweils stärkste Motorisierung. Beim „Seat Leon Cupra“ sind dies immerhin stolze 300 PS, welche es zum leistungsstärksten Fahrzeug in der Historie des Unternehmens macht. Offensichtlich war dies dem spanischen Autokonzern nicht genug, so dass im Frühjahr 2018 mit dem „Leon Cupra R“ noch einmal nachgelegt wurde…

Die exklusive Kleinserie ist auf 799 Modelle limitiert, auf den deutschen Markt entfällt ein wenig mehr als die Hälfte. 310 PS, also 10 PS mehr, sind kein Quantensprung, vor allem, da auch das Leergewicht des „R“-Modells ein wenig gestiegen ist. Allerdings sind die Pferdestärken nur ein Teil der rennsportlichen Optimierung, die den Wagen insgesamt agiler und bissiger machen. Auch Fahrwerk, Straßenlage, Spurbreite, Auspuffanlage und Fahrmodi wurden optimiert. Letztere bieten neben „Comfort“ und „Sport“ nun auch den „Cupra“-Modus, der die Fahrwerksabstimmung noch einmal strafft und das Lenkverhalten direkter macht. Beim genauen Hinhören stellt man auch fest, dass die Auspuffanlage bei Lastwechseln ein wenig geräuschvoller, jedoch immer noch dezent auftritt.

Auch optisch unterscheidet sich der Cupra R von seinem „normalen“ Bruder. Die Kotflügel und die Radläufe wurden verbreitert und auch die Lufteinlässe sind voluminöser. Anstatt wie bei vielen Sportmodellen auf Carbon zu setzen, wurde hier vor allem mit Kupfer gearbeitet. Dies wirkt wesentlich hochwertiger, sowohl im Außenbereich (Felgen, Spiegel, Lufteinlässe) als auch im Innenbereich (Zierleisten, Firmenemblem). Die richtige Entscheidung war auch die Verwendung von Alcantara anstelle von Leder. Dies ist wesentlich temperaturneutraler und sorgt vor allem am Lenkrad und Schaltknauf für sicheren Griff, auch wenn die Hände mal schwitzen. Ein weiteres, exklusives R-Detail ist letztlich auch die eingeprägte laufende Nummer des Sondermodells.

Ein Blick auf die nackten Zahlen gibt ein wenig zu denken. 310 PS auf der Vorderachse? Kein Allrad? Vier Zylinder und nur zwei Liter Hubraum? Wo soll da die Kraft herkommen? Zeit also für eine Testfahrt. Im Gegensatz zu einem Sportwagen muss man sich nirgends einzwängen, sondern sitzt bequem und trotzdem straff gebettet. Die Bedienelemente überfordern weder in Anzahl noch Anordnung. Aus Sicht des Fahrers ist der Wagen sehr übersichtlich, so dass das man dem Cupra R schon einmal einen Wohlfühlfaktor attestieren kann. Beim Cruisen durch die City ist der Wagen sehr handzahm, nur die extrem bissigen Bremsen Marke Brembo sind gewöhnungsbedürftig. Ist aber auch logisch: Beschleunigung und „Entschleunigung“ müssen schließlich im richtigen Verhältnis sein. Sehr viel Freude macht die Handschaltung. Kurz, knackig und direkt. So verstreichen die ersten Kilometer. Endlich! Ortsausgang erreicht, kein Wagen vor mir – also Fuß aufs Gaspedal. Nicht schlecht. Der Cupra R zieht ordentlich an und hängt gut am Gas. Um die Leistung voll auszuschöpfen, braucht es jedoch ein wenig Drehzahl. Da merkt man den fehlenden Hubraum einfach. Trotzdem sind die Fahrleistungen sehr gut. Der Wagen bewegt sich leichtfüßig und irgendwie anstrengungslos, wenn ich das mal so sagen darf. Ich glaube hier ist Seat der Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Sportlichkeit sehr gut gelungen. Dies zeigt sich auch im Verbrauch. Seat gibt im Durchschnitt 7,3 Liter an, was in der Praxis auch realistisch ist. Für einen Benziner ein sehr guter Wert, auch wenn der Cupra R mit „Super Plus“ einen sehr exquisiten Durst hat. Gut gelungen ist auch die Klangdynamik. Der kleine Vierzylinder klingt vielleicht nicht wie ein V8, aber trotzdem dezent-bullig. Zweifel am Antrieb kommen kaum auf. Bei der Beschleunigung aus dem Stand und aus Kurven heraus geht etwas Grip verloren bzw. der Wagen untersteuert. Dies würde jedoch nicht den Einsatz eines Allradgetriebes mit damit verbundenem Mehrgewicht rechtfertigen.

Mein Gesamteindruck? Größtenteils positiv. Subjektiv gesehen ist mir der Cupra R noch etwas zu brav. Als R-Version hätte ich ihm zumindest ein paar größere Auspuffrohre spendiert. Fahrverhalten und Leistungsentfaltung sind für einen Alltagssportler mehr als in Ordnung, vor allem in Hinblick auf den Verbrauch. 7 Cent mehr (im Vergleich zu normalem Super) kann man dabei verschmerzen. Objektiv gesehen, wundert man sich natürlich schon, warum die R-Edition 50kg schwerer als das normale Cupra-Modell ist, kaum mehr Leistung auf den Asphalt bringt, jedoch mehr Benzin verbraucht. Fast 5.000 Euro Aufpreis auf das – mit 300 PS – ohnehin schon starke Cupra-Model erschließen sich mir auch nicht. Letzterer wird sicherlich weiterhin bei den Kompaktsportler ordentlich mitmischen. Die Sonderedition wird sicherlich nur Fans der Marke ansprechen, aber genau das ist auch die Daseinsberechtigung dieser limitierten Reihe. Unter diesem Gesichtspunkt hat Seat alles richtig gemacht und spendiert dem Leon Cupra dadurch vielleicht auch etwas mehr Aufmerksamkeit.

Technische Daten Seat Leon Cupra R

Motor: 4-Zylinder Ottomotor
Leistung: 310 PS
Hubraum: 1.994 ccm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in ca. 5,8 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Antrieb: Frontantrieb
Leergewicht: 1.453 kg
Preis: 44.980 Euro

Fotos: Stefan Mothes

02. Oktober 2018

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