Unterwegs

Fahrbericht: Mansory Carbonado Apertos

Der Stealth-Fighter

Mansory Carbonado Apertos

Das kleine Dörfchen Brand in der Oberpfalz ist eine ländliche, verschlafene Gemeinde mit etwas mehr als 1000 Einwohnern. Trotzdem ist der Ort in gewissen Kreisen sehr bekannt. Grund dafür ist der Luxus-Fahrzeugveredler Mansory. Wer den automobilen Luxus oder die noch so perfideste Individualisierung seines Fahrzeugs wünscht, ist hier genau richtig. Wo andere aufhören, wird hier erst angefangen. Nichts ist unmöglich. Dies betrifft die Innenausstattung, die Motorisierung und auch den Preis. Exemplarisch für diese Unternehmensphilosophie ist der „Mansory Carbonado Apertos“, der auf Basis des Lamborghini Aventador entstand. Dieser, auf drei Exemplare limitierte, Roadster macht aus dem ohnehin schon extrem sportlichen Italiener einen Supersportwagen, für den selbst Superlative keine adäquate Beschreibung sind.

700 PS sind jenseits von Gut und Böse? Nicht bei Mansory. Deren Kunden brauchen mehr als nur langweilige Basisausstattung. Also mussten die Ingenieure nochmal ran und überarbeiteten den Zwölfzylinder komplett und spendiertem ihm auch noch zwei mächtige Turbolader. Das Ergebnis dieser Kraft-Kur sind wahnwitzige 1.250 PS, die für eine Höchstgeschwindigkeit von 370 km/h gut sind und den aerodynamisch geschnittenen Supersportler in 2,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer beschleunigen. Damit auch der Klang den monströsen Fahrleistungen gerecht wird, wurde die Abgasanlage ebenfalls modifiziert. So eine Maschine benötigt jedoch nicht nur literweise feinstes Superplus (100 Oktan), sondern auch ausreichend Luft zur Kühlung. Diese bekommt der Apertos über voluminöse Lufteinlässe in der Frontschürze und im Seitenbereich. Letztere erinnern an die Kiemen eines bösartigen Raubfisches, aber auch an die Turbinen eines Kampfjets. Besser gesagt, eines Stealth-Fighers, denn dieser Look ist im gesamten Designkonzept umgesetzt worden. Am dominantesten in der kantigen Karosserie, am unterschwelligsten in der der Carbon-Ummantelung, welche mit vielen kleinen Stealth-Fighter Umrissen gemustert ist. Diese finden sich auch in den Carbon-Einfassungen der geschmiedeten Leichtmetallfelgen, die ebenfalls exklusiv von Mansory gefertigt wurden. Lediglich die 355er Pirelli Reifen und die Bremsen sind „Serie“, jedoch nur aus dem Grund, weil hier keine Steigerung mehr möglich ist. Kontrastreich zeigt sich der Innenraum des Apertos, der in einer Mischung aus schwarzem Carbon und gelben Leder ausgekleidet ist. Auch hier setzen sich die Stealth-Fighter Stilelemente fort, selbst in den kleinsten Nähten.

Bereits beim Öffnen der Türen springt beim Mansory Carbonado Apertos die Lüftung des Motors an, damit dieser auch in jeder Sekunde über ausreichend Kühlung verfügt. Aktiviert werden die mehr als tausend PS über einen Startknopf, der sich bei diesem Umbau nicht in der Mittelkonsole, sondern im Dachbereich oberhalb des Spiegels befindet. Auch hier als wieder ein Verweis auf den Start einer Flugzeugturbine. Die Urgewalt des Mansory Carbonado Apertos zeigt sich bereits in den Klängen, die der bärenstarke Zwölfzylinder fabriziert. Ein Druck aufs Gaspedal und die Abgasanlage entfacht ein giftiges Brüllen, bei dem selbst der tapferste Soldat in den Schützengraben springen möchte. Dieses Inferno verstärkt seine einschüchternde Wirkung noch durch explosionsartige Verbrennungsgeräusche und einhergehende Flammen, die aus dem Auspuff schießen. Der Wagen lässt einen mit einem spannungsgeladenen Vibrieren ganz klar wissen, dass er mit den Hufen scharrt und nach vorne will und zwar SOFORT. Da ich mir nicht den Zorn des Ungetüms auf mich ziehen will, klettere ich also in seinen Bauch und lasse den Werkstattleiter fahren. Selbst bei sanftester Fahrweise klingt der Apertos gefährlich und zieht natürlich alle Blicke der Passanten auf sich. Im Rennmodus „Corsa“ ist jeder Schaltvorgang des 7-Gang-Getriebes ein brutaler Ruck, der umgehend in weitere, extreme Beschleunigung umgesetzt wird. Diesem Verhalten entsprechend ist die Straßenlage, die Querbeschleunigungen ermöglicht, die selbst sportliche Oberklassemodelle aus der Kurve tragen würde. Im zivilen Straßenverkehr ist dies natürlich nicht umsetzbar, trotzdem bekommt man beim Beschleunigen aus der Kurve heraus ein Gefühl, dass hier noch sehr viel Luft nach oben ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Besitzer dieser Rennmaschine bereits einige Runden auf der Rennstrecke hinter sich hat. Anders lässt sich das Potenzial des Apertos nicht mal ansatzweise ausschöpfen. Mit entsprechender Ehrfurcht setzte auch ich mich hinter das Lenkrad. Als Beherrscher und Dirigent der mehr als tausend Pferdestärken katapultiert sich das Fahrgefühl noch einmal in andere Höhen. Nach dem Adrenalinrausch setzt eine innere Tranquilität ein. Und auf gewisse Art auch das schmerzliche Gefühl, im PS-Himmel das Maß aller Dinge erlebt zu haben…

Mansory Carbonado Apertos

Technische Daten Mansory Carbonado Apertos

Basis: Lamborghini Aventador
Motor: V12
Leistung: 1.250 PS
Hubraum: 6.500 ccm
Maximales Drehmoment: 900 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 2,6 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 370 km/h
Antrieb: permanenter Allrad
Leergewicht: 1.600 kg
Grundpreis: 1.250.000 Euro

Die Firma Mansory

Britische Nobelfahrzeuge und deren besonderes Flair waren schon immer die Leidenschaft von Namensgeber Kourosh Mansory. Aus dieser Begeisterung resultieren sowohl ein mehrjähriger England-Aufenthalt als auch die persönliche Verpflichtung zu Werten wie Tradition, Handwerk und ausgereifter Technik. Schon bei der Unternehmensgründung 1989 lag deshalb ein besonderes Augenmerk auf den Marken Rolls-Royce, Bentley und Aston Martin. Heutzutage widmet sich Mansory mit der gleichen Akribie auch der Individualisierung von Modellen der Marken Porsche, Lotus, Maserati, BMW, Mercedes-Benz, McLaren, Lamborghini sowie Ferrari und etabliert sich damit  unter den weltweit größten und renommiertesten Anbietern für Fahrzeug-Individualisierungen. Harmonisch designte Carbon-Aerodynamikprogramme, ultraleichte Aluminiumfelgen und kraftvolle Motorleistungssteigerungen bilden die Basis des Unternehmens, welches 2001 seinen Hauptsitz aus München nach Brand im Fichtelgebirge verlegte. Mit heute mehr als 200 Mitarbeitern erfüllt Mansory mittlerweile nahezu jeden automobilen Wunsch seiner exklusiven Kundschaft aus aller Herren Länder.

Fotos: Stefan Mothes, MANSORY Design & Holding GmbH

06. Oktober 2016

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