Unterwegs

Fahrbericht: Jaguar F-Type S AWD Coupé

Jaguar F-Type S

Morgens halb zehn in Deutschland. Ich esse kein Knoppers und trinke auch keine Maurerbrause. Ich freue mich auf eine ausgiebige Testfahrt mit dem Jaguar F-Type. Die  britische Traditionsmarke, die für ihre noblen, fein geschwungenen Luxuskarossen bekannt ist, setzt mit dem F-Type in gewisser Weise das Vermächtnis des legendären E-Type in moderner Form fort. Der seit 2013 gebaute F-Type ist keine mit PS angereicherte Oberklasse-Limousine, sondern ein echter Sportwagen. Bei der Chassis haben die Designer von Jaguar ganz Arbeit geleistet. Auch wenn der Kühlergrill ein wenig nach Maserati „riecht“, besitzt dieser Sportwagen genau jene Formen, die Jaguar schon immer besonders gemacht haben. Besonders die keilförmige Heckpartie ist unverwechselbar und in ihrer Form ein Kunstwerk für sich. Die schlitzartigen, breit gezogenen Heckleuchten setzen das aggressive Design-Konzept fort, welches sich auch in den Frontleuchten zeigt. Ebenfalls eine Augenweide sind die mit Carbon-Elementen verzierten 20 Zoll Felgen, in deren Mitte das Jaguar-Emblem thront. Sportwagenmäßig gestaltet sich der tiefe Einstieg in den Fahrersitz. Durch die tiefe Sitzposition fühlt man sich jedoch keineswegs eingeengt selbst als Großgewachsener. Übergewichtig oder hüftsteif sollte man hier jedoch nicht sein. Übersichtlich ist dieser Wagen nicht gerade, aber dies ist bei einem sportlichen Coupé keine Seltenheit. Alles eine Sache der Gewöhnung. Das fahrerorientierte Cockpit kann man mit drei Worten beschreiben. Elegant, sportlich, aufgeräumt. Im Innenraum kommen Leder, Carbon, Chrom und Klavierlack zur Ausführung. Billiges Plastik sucht man vergebens. Eine nette Spielerei sind die mittigen Lüftungsschlitze, die erst beim Starten des Motors aus der Versenkung fahren. Sämtliche Bedienelemente im F-Type sind logisch angeordnet und auch mir ist es nicht schwer gefallen, innerhalb kürzester Zeit Sitzposition und Spiegel auf mich anzupassen und mir die Funktion der restlichen Schalter und Knöpfe zu erschließen. Besonders auf einen Schalter werde ich später noch eingehen.

Beim Starten des Sechszylinders erwacht der Motor mit einem kurzen Fauchen zum Leben, geht dann aber sofort in eine dezente Tonlage über. Etwas überraschend ist der zurückhaltende Vortrieb beim Anfahren. Gewöhnungsbedürftig, aber gleichzeitig sehr Alltags- und vor allem Parkplatz-tauglich. Hier zeichnet es sich aber schon ab - der kompakte Zweisitzer braucht Drehzahl. Die kann ich ihm als verantwortungsvoller Fahrer im Stadtverkehr nicht bieten, also erfreue ich mich bei strahlendem Frühjahrsonnenschein der Fahrt in diesem schicken Gefährt. Schon jetzt bin ich von der blitzschnellen, butterweich und ruckfrei schaltenden 8-Gang-Quickshift-Automatik begeistert. Und dann noch dieser Klang. Genau hierfür ist der Beruf des automobilen Soundingenieurs entwickelt worden. Besser geht es kaum. Unterschwellig bei niedrigen Drehzahlen und giftig fauchend in höheren Regionen. Als endlich die Autobahnauffahrt erreicht ist, kann ich den Jaguar endlich von der Kette lassen. Auch wenn die Beschleunigungswerte auf dem Papier nicht an die Sportwagen-Oberliga heranreichen, sind die Fahrleistungen gefühlt hervorragend. Sportliches Feeling kommt sowohl mit der superb schaltenden Automatik, aber auch beim Handschalten via sequentieller Schaltung bzw. Schaltwippen auf. Durch den permanenten Allradantrieb ist die Straßenlage erwartungsgemäß gut, jedoch spürt man höhere Geschwindigkeiten stärker als in vergleichsweise PS-starken Maschinen. Irgendwie fühlt sich alles zu weich an, zu indirekt. Da erinnere ich mich an den Schalter links der Automatikschaltung, auf dem die karierte Rennflagge abgebildet ist. Diesen Regler ziehe ich nach unten und schon ändert sich Einiges. Die Schaltvorgänge und die Gasannahme sind aggressiver und die Straßenlage härter. Die Auspuffklappen öffnen sich noch weiter und machen aus dem Jaguar-Fauchen ein bissiges Brüllen. Das ist Fahrspaß pur und genau das, was man von einem Sportwagen erwartet. Auch auf der Landstraße ist das Fahren ein Genuss, sei es beim Herausbeschleunigen aus Kurven oder genussvollen Überholvorgängen. Hier kommt der britischen Fahrmaschine zu Gute, dass sie nicht zu brutal auf Sportwagen gebürstet ist, sondern auch entspanntes Cruisen beherrscht.

Der stilvolle F-Type S ist fahrdynamisch allererste Sahne und vom Grundpreis her ein fairer Einstieg in die Welt leistungsstarker Automobile. Allerdings ist der Grundpreis mit der Wahl einiger Extras schnell sechsstellig, wie dies auch beim Testmodell der Fall war. Wem 380 PS noch zu zahm sind, der kann in derselben Baureihe zum F-Type R greifen. Dieser bietet mit 550 PS deutlich mehr Leistung, ist jedoch im Grundpreis rund 20.000 Euro teurer und im Schnitt auch 2,4 Liter durstiger. Für den F-Type S gibt Jaguar 8,9 Liter als kombinierten Kraftstoffverbrauch an. Klingt vernünftig, aber wer sich einmal an den Sound des Jaguars gewöhnt hat, wird sich schwer tun, dass Gaspedal in erforderlicher Weise zu streicheln. Wozu die Katze schnurren lassen, wenn sie brüllen kann?

Anmerkung, Technische Daten

Der Jaguar F-Type wurde unserer Redaktion freundlicherweise von der „Sachsengarage“ zur Verfügung gestellt. Die Sachsengarage GmbH ist ein Unternehmensbereich der europaweit im Automobilhandel operierenden Emil Frey Gruppe. Mit Standort Dresden führt das traditionsreiche Unternehmen die Marken Fisker, Ford, Jaguar, Land Rover, Mazda, Opel, Subaru und Volvo.

Motor: V6 Kompressor
Leistung: 380 PS
Hubraum: 3000 ccm
Maximales Drehmoment: 460 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 5,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 275 km/h
Antrieb: permanenter Allrad
Leergewicht: 1.614 kg
Grundpreis: 85.900 Euro

30. März 2016

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