Unterwegs

Fahrbericht: Dodge Viper SRT

Dodge Viper SRT

Seit fast 20 Jahren genießt die Dodge Viper als „Muscle Car“ in den USA Kultstatus. Auch hierzulande gibt es einen überschaubaren, aber sehr enthusiastischen Liebhaberkreis des unverwechselbaren Sportwagens aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Markenzeichen der Viper ist nicht nur das bullige Auftreten, sondern auch der hubraumstarke Zehnzylinder, der ursprünglich von einem LKW-Motor abgeleitet wurde. Was in der ersten Modellreihe mit 400 PS und 8 Litern Hubraum begann, ist mittlerweile auf 649 PS und 8,4 Liter Hubraum gewachsen. Als Zugeständnis an zeitgemäße Sicherheitsaspekte verfügt die aktuelle Modellreihe, die seit 2013 gebaut wird, mittlerweile auch über ESP und eine Traktionskontrolle. In allen anderen Belangen ist die Viper jedoch immer noch eine der rohesten und unverfälschtesten Kampfmaschinen in seiner Liga.

Optisch ist Amerikas Sportwagenklassiker so grazil wie Arnold Schwarzenegger. Ausladende Formen, eine gigantische Motorhaube und ein dicker Heckspoiler dominieren den Auftritt. Ergänzt wird der dominante Auftritt durch voluminöse Laufeinlässe, seitliche Auspuffrohre und ultrabreite Reifen. Aber auch 355er Hinterreifen können rund 650 PS und mehr als 800 Newtonmeter Drehmoment nicht halten, wenn ungünstige Fahrbahnverhältnisse auf einen unvorsichtigen Gasfuß treffen. Während die meisten Sportwagen heutzutage auf Allradantrieb setzen, liegt bei der Viper die gesamte Kraft einzig und allein auf der Hinterachse. Wer hier das Leistungspotenzial ausschöpfen will, braucht warme Reifen, eine trockene Fahrbahn und auch dann noch jede Menge Gefühl. Dies war auch der Grund, warum der Dogde Viper Experte Helmut Höllerich dezent fluchend den leichten Regen an diesem Tag kommentierte. Wer fast 20 Jahre Erfahrung mit diesem bissigen Sportwagen hat, weiß, dass diese extreme Maschine keine Fehler verzeiht. Um mir dies zu zeigen, genügte schon ein dezenter Druck auf das Gaspedal und schon drängte das Heck nach außen und das ESP packte hämmernd und bockend zu. Ein Gefühl, dass ich als Fahrer nicht erleben möchte. Da hilft auch keine Elektronik, denn wenn diese einsetzt, kann es unter Umständen bereits zu spät sein, wenn man nicht zu 100% weiß, wie man hier gegensteuert. Aber auch bei vorsichtigem Fahren spürte ich als Co-Pilot die gewaltige Kraft, die auf der Hinterachse liegt. Auch wenn der Wagen für seine Klasse recht leicht ist, wirkt er deutlich schwerer als das angegebene Gewicht vermuten lässt. Verbunden mit den superben Fahrleistungen trägt dieses widersprüchliche Gefühl noch einmal mehr zu dem unverwechselbaren Charisma bei, welches die Dodge Viper berühmt gemacht hat.

Trotz des suboptimalen Wetters möchte ich natürlich selbst einmal Viper fahren. Also rein in das sportwagentypisch sehr enge Cockpit. Zum Glück lassen sich die Pedale elektronisch verschieben, so dass ich am Ende doch eine ganz gute Sitzposition habe. Die schmale Frontscheibe - verbunden mit der riesigen Motorhaube - schränkt die Sicht sehr gewöhnungsbedürftig ein, vermittelt aber gleichzeitig feinstes Rennsportfeeling. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass hier noch per Hand geschalten wird. Keine Automatik, keine Schaltwippen. So muss es sein. Die Schaltung überrascht durch sehr kurze, knackige Wege und lässt sich nach einer minimalen Eingewöhnungsphase sehr präzise schalten. Beim Starten des gewaltigen Motorblocks geht förmlich ein Ruck durch das Fahrzeug, danach verhält sich der äußerst laufruhige Zehnzylinder jedoch sehr zurückhaltend. Aber dieses Drehmoment! Selbst bei lächerlichen 1.600 Umdrehung im 6. Gang schießt das Hubraum-Monster noch nach vorne, wenn der Fahrer aufs Gas tritt. Drehzahl braucht dieser Motor nicht, um seine Kräfte zu entfalten. Da die Viper auf Turbolader verzichtet, ist auch die Kraftentfaltung linear und ohne „Turboloch“. Auf Wunsch bis 330 km/h. Ich begnüge mich mit der halben Geschwindigkeit. Selbst auf der Autobahn-Geraden habe ich das Gefühl, auf Eis zu fahren. So bissig die breiten Walzen warmgefahren auch sein können, so schlüpfrig sind sie doch bei Nässe. Durch gelegentliches Beschleunigen kommt zwar trotzdem ordentlich Fahrspaß auf, aber richtig auf die Tube drücken würde in der Leitplanke oder in der Böschung enden.

Während meiner Testfahrt musste ich mir eingestehen, dass dieses „Urvieh“ deutlich kompromissloser und giftiger ist, als alle Sportwagen, die ich bisher gelenkt habe. Aufmerksame Leser dürften wissen, dass ich hier nicht von Spielzeugen rede. Die Dodge Viper ist definitiv ein brutaler Sportwagen und keine weichgespülte Limousine mit viel PS. Verantwortungsbewusstsein ist für dieses Gefährt genauso unabdinglich, wie die genau Kenntnis des Fahrverhaltens im Grenzbereich. Dafür bedarf es eines Fahrsicherheitstrainings auf der Rennstrecke. Auch dann ist die Dodge Viper alles andere als alltagstauglich und daher sicher nur für Fahrer interessant, die gerade das Kompromisslose an dieser automobilen Ikone reizt.

Technische Daten Dodge Viper SRT

Motor: V10
Leistung: 649 PS
Hubraum: 8.382 ccm
Maximales Drehmoment: 814 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 3,9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
Antrieb: Heckantrieb
Leergewicht: 1.556 kg
Grundpreis: 139.900 Euro

Unser Kooperationspartner

Autohaus Höllerich

Das Autohaus Höllerich mit Sitz in Helmbrechts, Oberfranken, wurde 1990 als Kfz-Meisterbetrieb gegründet und wurde 1992 offizieller Chrysler-Händler. Zwei Jahre später kam Inhaber Helmut K. Höllerich erstmals mit der Dodge-Viper in Berührung, die ihn schnell in ihren Bann zog. Dies führt dazu, dass er sich mehr und mehr mit diesem reinrassigen Sportwagen auseinandersetzte und sich auf Optimierung und Handel dieses Fahrzeugs spezialisierte. Der Viper-Fan machte sich dadurch schnell einen Namen, was mittlerweile Kunden aus ganz Europa in das kleine oberfränkische Städtchen lockt. Von der Leidenschaft und der Expertise her, kann man mit Fug und Recht sagen, dass das Autohaus Höllerich im Umkreis von mehr als 1.000 Kilometern, der Ansprechpartner schlechthin ist, wenn es um Tuning, Service, Reparaturen, Zubehör und Import rund um den hubraumstarken Sportwagen namens Dodge Viper geht.

Fotos: Stefan Mothes

10. Januar 2017

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