Unterwegs

Fahrbericht: Corvette C7 Stingray Convertible

Corvette C7 Convertible

1953 erblickte erstmals eine amerikanische Sportwagenikone das Licht der Welt. Die Chevrolet Corvette! Nach Anfangsschwierigkeiten, die auch in einer zu bescheidenen Motorisierung begründet waren, hatten die Ingenieure drei Jahre später endlich ein Einsehen und packten einen ordentlichen Achtzylinder in das elegante Cabrio. Die Verkaufszahlen stiegen und seit dem steht der Begriff Corvette wie keine anderes Auto für den „American way of life“. Gebaut wird die Corvette nun schon in der siebenten Generation und hat immer noch nichts von ihrem Charme verloren. In Zusammenarbeit mit dem „V8 Werk“ aus Altenberg wurde mit die Möglichkeit eröffnet, sowohl die erste (Bericht siehe hier) als auch aktuellste Generation dieses Sportwagens zu testen. Wer könnte diesem Angebot widerstehen?

Die aktuelle Corvette C7 ist ein waschechter Sportwagen. Die zweisitzige Flunder zeigt sich kantig, kampfbetont, aber immer noch ausreichend „corvettig“. Aber sie wirkt etwas kompakter als ihre Vorgänger. Den Leistungssportler in ihr verraten neben den zahlreichen Lufteinlässen, auch die breiten 20-Zoll Hinterhufe und die feuerroten Bremsbacken. Fast schon ordinär sind die vier Auspuff-Endrohre, die sich mittig unter den, zu schmalen Augenschlitzen verengten, Rückleuchten befinden. Mir hätte es besser gefallen, wenn man diese vier Suppentöpfe je auf zwei links und zwei rechts verteilt hätte oder - wie beim Bugatti Veyron - in ein einziges Mittelrohr vereint hätte.

Auch beim Kofferraum muss ich schmunzeln, denn da habe ich schon größere Frauenhandtaschen gesehen. Naja, fast. Aber genug gemeckert, der Berg – ähm, die Corvette – ruft. Einstieg diesmal sportlich, aber deutlich komfortabler. Instrumente sehr vielfältig, aber nicht unübersichtlich. In der Bedienung der Knöpfe ungeübt, muss ich ein wenig fummeln, bis ich mich in Kampfposition gebracht und die Flanken meines Sitzes für besseren Seitenhalt aufgepumpt habe (kein Witz). Positiv überrascht bin ich von der Tatsache, dass die „Vette“ über eine Handschaltung verfügt. Das ist doch mal was Solides. Schließlich will ich als Fahrer auch gebraucht werden. Nun noch schnell die Mütze (das Verdeck) runter und ab geht die Post.

Schon auf den ersten Metern werden meine Ohren von einem feinsten Blubbern verwöhnt, welches aus der traumhaften Kombination „V8 plus viel Hubraum“ erzeugt wird. So blubbere ich mit aufgestellten Nackenhaaren also erstmal entspannt durch die Ortschaft und halte über das Head-up-Display schön brav die Geschwindigkeit im Auge. Mit 40 in der 30er-Zone geblitzt zu werden – noch dazu mit einer Corvette – wäre der Gipfel der Demütigung. Aber weiter geht es. Das lang ersehnte Ortsausgangsschild eröffnet endlich die Möglichkeit, dem Achtzylinder etwas mehr Super Plus durch die Venen zu jagen. Was für ein Sound. Das unterschwellig wahrnehmbare Vibrieren des großvolumigen Motors könnte man als mangelnde Laufruhe auslegen, für mich eher ein Zeichen, dass ich wirklich ordentlich Kraft unter der Haube habe. Absolut genial ist die (abschaltbare) Funktion, bei der ab 50 km/h die Geräuschkulisse für lautlosen Langstrecken-Cruisen automatisch gedämpft wird. Vom gesamten Handling her bin mir sicher, dass selbst Jemand, der sein Leben lang nie mehr als 50 PS unter dem Gesäß hatte, mit diesem Muskelprotz klarkommen würde. Dies gilt allerdings nicht für schnelle Lastwechsel und fahren am Grenzbereich. Hier solle man schon Erfahrung mit einem starken Hecktriebler haben, sonst dreht man Pirouetten und die 285er-Gummis radieren auf der Straße.

Gerne hätte ich dem Amerikaner natürlich noch gezeigt, was „German Autobahn“ bedeutet, was aus Zeitgründen leider nicht mehr ging. Aber auch auf der ausgedehnten Landstraßentour kam der Fahrspaß nicht zu kurz und ich konnte mich schnell mit dem Hubraum-Monster anfreunden. Die Corvette ist sicherlich kein weichgespülter Nobelsportwagen für Yuppies. Dafür aber ein echtes Muscle-Car mit Biss und Charakter, welches preislich am unteren Ende der PS-Riesen angesiedelt ist.

Technische Daten

Baujahr: 2015
Motor: V8
Leistung: 460 PS
Hubraum: 6,2 Liter
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 4,2 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
Antrieb: Heckantrieb
Leergewicht: 1.634 kg
Preis: 93.000 Euro

Unser Kooperationspartner

V8 Werk

Die Corvette C7 wurde uns für die Testfahrten vom V8 Werk in Altenberg zur Verfügung gestellt. Das V8 Werk ist Spezialist für die hochwertige Restauration von US-Cars - besonders Ford Mustangs und Corvettes der ersten Generation. Mit Leidenschaft widmet sich das Unternehmen der Restauration von historischen Fahrzeugen und versetzt diese detailgetreu in deren Originalzustand oder auf Wunsch führt individuelle Veränderungen durch. Auch der Import von US-Fahrzeugen gehört zum Kundenservice. Für diejenigen, die den amerikanischen Spirit erleben möchte, ohne sich gleich ein eigenes Fahrzeug zu kaufen, bietet das V8 Werk mit seiner Mustang-Vermietung ebenfalls das Richtige an.

Fotos: Susanne Herbrig / V8 Werk, Stefan Mothes

09. November 2015

Weitere Beiträge zu diesen Themen

Zurück

Weitere Artikel zu Reisen

Reisebericht: Hydropark Kiew

mehr lesen >>

Audi Q8

mehr lesen >>

Reisebericht: Pakistan

mehr lesen >>

Mercedes-AMG GT R

mehr lesen >>

Reisebericht: Finnland´s Norden – Winterwunderland, Schneeflocken und Schlittenhunde

mehr lesen >>