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Vitamine, Mineralstoffe & Co. – Wie Supplemente wirken und wann sie schaden

Gelbe Wortwolke mit Namen von Vitaminen und Mineralstoffen

Vitamine, Mineralstoffe und andere Nahrungsergänzungsmittel sind aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken. Magnesium am Abend, Vitamin D im Winter, Zink für die Immunabwehr und Vitamin B12 für mehr Energie…

Leider ist dies bestenfalls Basiswissen. Vitamin- und Mineralstoffzugaben beeinflussen nicht nur einzelne Stoffwechselprozesse, sondern greifen in ein komplexes Netzwerk von Signalen und Regulationsmechanismen ein. Deshalb kann eine unreflektierte Einnahme nicht nur ineffektiv sein, sondern auch negative Folgen haben – von blockierter Aufnahme anderer Nährstoffe bis hin zu abgeschwächten Trainingseffekten. Wer nach dem Gießkannenprinzip (alles rein, was gesund ist) oder rein präventiv (ich beuge Mangelerscheinungen vor) Pillen und Pülverchen schluckt, kann seinem Körper mehr nutzen als schaden.

Kein Mechaniker der Welt würde bei einem Problem am Auto gleichzeitig an allen Stellschrauben drehen oder wahllos Bauteile ersetzen. Genauso wenig sollte man seinen Körper behandeln. Nahrungsergänzungen sind eine gezielte Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung sollten niemals ohne Sinn und Verstand zugeführt werden.

Nachfolgend erfahrt ihr:

✔ wie Supplemente im Körper wirken und interagieren

✔ wann sie sinnvoll sind und wann sie eher schaden

✔ wie Lebensmittel die Aufnahme beeinflussen können

✔ auf was spezielle Zielgruppen achten sollten

Wirkung und Konflikte

Vitamine und Mineralstoffe steuern zentrale Körperfunktionen: Sie unterstützen Muskeln und Nerven, regulieren Hormonspiegel, fördern die Regeneration und sind für das Immunsystem unverzichtbar. Dass sie dabei aktiv wirken, zeigt auch die Forschung. So kann Zink die Enzymaktivität beeinflussen, Calcium den Muskeltonus steuern und Vitamin D die Knochen- und Immunfunktion optimieren. Das Problem: Viele Sportler nehmen mehrere Supplemente gleichzeitig ein, ohne den tatsächlichen Bedarf zu kennen. Dabei entstehen häufig interne Konflikte.

Beispiele aus der Praxis:

  • Vitamin D & Calcium: Ein Zuviel an Vitamin D kann den Calciumstoffwechsel durcheinanderbringen, was zu erhöhtem Calciumspiegel im Blut und langfristig zu Nierensteinen oder Gefäßverkalkungen führen kann.
  • Zink & Kupfer: Hohe Mengen an Zink blockieren die Aufnahme von Kupfer, was Blutarmut, Müdigkeit und eingeschränkte antioxidative Enzyme begünstigen kann.
  • Calcium & Eisen: Zu viel Calcium hemmt die Eisenaufnahme, wodurch selbst eisenreiche Mahlzeiten oder Präparate nicht ausreichend wirken – Risiko: Anämie oder Leistungseinbußen bei Ausdauersportlern.
  • Selen & Vitamin E: In hohen Dosierungen können Selen und Vitamin E zusammen die antioxidative Balance stören und oxidativen Stress erhöhen, statt ihn zu reduzieren.
  • Vitamin B6: Langfristig hohe Dosierungen von Vitamin B6 können Nervenschäden (Neuropathien) verursachen – ein klassisches Beispiel, dass mehr nicht besser ist.
  • Magnesium & Medikamente: Magnesiumpräparate können die Aufnahme bestimmter Blutdruck- oder Antibiotika-Medikamente reduzieren, wodurch Medikamentenwirkung abgeschwächt wird.
  • Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren: Sie konkurieren im Körper und ein extrem hohes Omega-6-Verhältnis kann die positiven Effekte von Omega-3 abschwächen.

Diese Beispiele zeigen: Supplemente sind keine neutralen Helfer, sondern aktive Stoffe, die gezielt, bedarfsorientiert und in der richtigen Kombination eingesetzt werden müssen. Wer einfach „alles gleichzeitig“ einnimmt, riskiert nicht nur ineffektive Wirkung, sondern potenziell gesundheitliche Probleme.

Antioxidantien und Trainingsanpassung

Antioxidantien wie Vitamin C oder E sind beliebt, weil sie Zellen vor oxidativem Stress schützen. Dieser Schutz ist grundsätzlich sinnvoll, kann aber die sportliche Leistungsfähigkeit beeinflussen. Während des Trainings entstehen freie Radikale, die den Körper reizen. Klingt negativ? Im Gegenteil: Diese Radikale sind notwendige Signale, die den Körper anpassen lassen – zum Beispiel mehr Mitochondrien für Ausdauer, stärkere Muskulatur oder verbesserte Stoffwechselprozesse. Wer hochdosierte Antioxidantien direkt vor oder nach dem Training einnimmt, kann diese Signale neutralisieren. Die Folge: Der Körper trainiert, passt sich aber weniger effizient an.

Die praktische Konsequenz: Natürliche Antioxidantien aus Lebensmitteln sind meist ausreichend. Isolierte Präparate sollten nur gezielt und nicht dauerhaft um Training herum eingenommen werden.

Konflikte mit pflanzlicher Ernährung

Viele Pflanzen enthalten sogenannte antinutritive Stoffe*, wie Phytinsäure in Hülsenfrüchten oder Oxalate in Spinat, die Mineralstoffe binden und deren Aufnahme behindern können. Doch das ist kein Grund, diese Lebensmittel zu meiden. Ganz im Gegenteil: Mit der richtigen Zubereitung lässt sich die Bioverfügbarkeit deutlich steigern. Einweichen, Keimen oder Fermentieren reduziert Phytate, Vitamin-C-reiche Beilagen verbessern die Eisenaufnahme, und ein zeitlicher Abstand zwischen bestimmten Supplementen und Mahlzeiten kann die Aufnahme optimieren. So wird klar: Nicht die Supplemente allein, sondern die Kombination von Nahrung, Zubereitung und Dosierung entscheidet über die Wirkung.

* Antinutritive Stoffe sind natürliche Abwehrstoffe, die Pflanzen bilden, um sich vor Fraßfeinden, Schädlingen oder Mikroorganismen zu schützen. Im Gegensatz zum Tier haben Pflanzen keine Verteidigungswerkzeuge (wie Krallen oder Hörner) und können auch nicht weglaufen…

Zielgruppenspezifische Betrachtungen

  • Leistungssportler: Höherer Bedarf an Zink, Magnesium und B-Vitaminen durch Schweißverlust und Trainingsbelastung, gleichzeitig erhöhtes Risiko für Überdosierung.
  • Veganer und Vegetarier: Häufiger Mangel an Vitamin B12, Eisen, Zink und Jod. Supplementierung ist oft sinnvoll, aber individuell zu prüfen.
  • Ältere Sportler: Aufnahmefähigkeit für Vitamin B12, Vitamin D und Magnesium sinkt mit dem Alter, gezielte Substitution kann sinnvoll sein.
  • Menschen unter Dauerstress: Stress erhöht den Nährstoffverbrauch, beeinflusst die Resorption und kann Mängel verstärken.

Hinweise zur Nutzung

  • Bedarf ermitteln: Blutwerte prüfen lassen oder ärztliche Beratung einholen. Ja, dies geht nicht schnell-schnell, ist aber der Königsweg.
  • Ernährung zuerst: Eine ausgewogene, vollwertige Kost deckt in den meisten Fällen den Bedarf. Supplemente sind Ergänzung, kein Ersatz.
  • Qualität: Nur geprüfte Produkte verwenden. Billige Onlineprodukte aus Taka-Tuka-Land können verunreinigt sein und bei Leistungssportlern eine Dopingsperre nach sich ziehen.
  • Dosierung: Sie empfohlene Tagesdosis nicht überschreiten.
  • Wechselwirkungen und Timing: Mineralstoffe ggf. zeitlich trennen, Antioxidantien nicht direkt vor/nach Training.
  • Bedarf anpassen: Einnahme an Blutwerte, Lebensumstände, Trainingsbelastung oder Saison anpassen.

Fazit

Supplemente sind keine Zaubertränke und keine Versicherung. Sie wirken nur dann optimal, wenn sie bewusst, gezielt und bedarfsorientiert eingesetzt werden. Wer einfach alles einnimmt, riskiert ineffektive oder sogar kontraproduktive Wirkung. Wer den eigenen Bedarf kennt, Wechselwirkungen versteht und die Einnahme regelmäßig überprüft, nutzt Supplemente als Werkzeug und nicht als risikobehaftetes Placebo.

13. Januar 2026

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