Unterwegs

Reisebericht: Südafrika

Kapstadt, Garden Route und Safari für Genießer

Südafrika

Über den Wolken war die Sonne aufgegangen als der Pilot zum Landeanflug ansetzte. Johannesburg, Südafrikas Wirtschafts- und Finanzzentrum, breitete sich unter uns aus wie ein riesiges Geflecht aus Straßen, Häusern, Industrieanlagen, Sportplätzen und Grünflächen. Der Flughafen empfing uns mit ebenso regem Treiben wie zuvor das Gewusel in den Straßen unter uns. Es blieb noch etwas Zeit, bevor der Anschlussflug nach Kapstadt startete. Die kommenden Tage stand Sightseeing auf dem Programm. Mit unserem Mietwagen waren wir flexibel und konnten uns den Tag frei einteilen. Das Wahrzeichen der Stadt, den Tafelberg, erklommen wir bei herrlichem Sonnenschein mit der Seilbahn. Eine gute Entscheidung. Zu Fuß hätten wir das Plateau erst erreicht, wenn der Berg bereits in sein berühmtes weißes Tischtuch aus Wolken gehüllt gewesen wäre. So eröffnete sich uns jedoch ein herrlicher Ausblick auf die Stadt, den Signal Hill und Lions Head und auch die Bergkette der 12 Apostel. Den Nachmittag schlenderten wir die Victoria & Alfred Waterfront (die Hafenanlage der Stadt) entlang. Es finden sich hier zahlreiche Cafés, Restaurants, Souvenirläden und Geschäfte. Zwischendrin sorgen immer wieder Artisten und Straßenmusiker für Unterhaltung. Am Ende der Waterfront liegt der Clock Tower, der regelmäßig einen frischen Anstrich bekommt und dieses Mal rot leuchtete. Hier befand sich auch der Ausgangspunkt für die Überfahrt auf Robben Island. Wir buchten ein Ticket für den Folgetag. Die Insel, etwa 12 km vor Kapstadt im Atlantischen Ozean gelegen, war für Apartheidgegner und Freiheitskämpfer für viele Jahre ein unentrinnbares Gefängnis. Der berühmteste Häftling unter ihnen war Nelson Mandela. Heute ist die Insel wichtiges Naturdenkmal und Gedenkstätte. Ein Besuch startet mit einer Fahrt über die Insel, bevor ehemalige Häftlinge und Wärter anschließend durch die Gefängnistrakte führen.

Den nächsten Tag nutzen wir für die Erkundung der Kap-Halbinsel. Erster Halt war das Städtchen Muizenberg, das berühmt für seine lange Strandpromenade und die kleinen bunten Holzhäuschen, die Edwardian Beach Houses, ist. Sie dienen als Umkleidekabinen. Auch wenn das Baden hier an der False Bay mit rund 20 Grad noch immer nichts für Warmduscher ist, ist es zumindest wärmer als an der Atlantikküste. Etwas südlich von Simon’s Town erreichten wir den Boulders Beach. Zwischen den abgerundeten Felskuppen lebt eine Brillenpinguin-Kolonie. Als Besucher kommt man hier ganz nah an die Tiere heran und kann Sie beim Baden und Putzen beobachten. Ein tolles Erlebnis! Nächstes Ziel auf unserer Fahrt gen Süden auf der Kap-Halbinsel war das Kap der Guten Hoffnung. Von vielen Seefahrern einst gefürchtet, ist es heute beliebter Anziehungspunkt und steht bei nahezu jedem Besucher auf dem Programm. Vom Leuchtturm am Cape Point aus kann man bei gutem Wetter Seevögel, Wale, Delfine und Robben beobachten. Das Kap liegt im wunderschönen Cape of Good Hope Nature Reserve, in dem nicht nur die einheimische Fynbos-Vegetation zu sehen ist, sondern auch Wildtiere wie Zebras, Strauße, Buntböcke und Paviane.

Wir fuhren weiter an der Westküste der Halbinsel entlang. Schließlich erreichen wir den Chapman‘s Peak Drive. Der etwa 10 km lange Abschnitt zwischen Noordhoek und Hout Bay zählt zu den schönsten Panoramastraßen des Landes. Nun zahlte sich aus, dass wir die Halbinsel im Uhrzeigersinn befuhren. In Südafrika herrscht Linksverkehr und so hatten wir nicht nur die Haltebuchten in Fahrtrichtung, sondern konnten gegen Ende des Tages am Chapman’s Peak einen fantastichen Sonnenuntergang genießen. Ein absolutes Muss bei einem längeren Aufenthalt in Kapstadt ist ein Besuch der Botanischen Gärten von Kirstenbosch. Ursprünglich von Cecil Rhodes zum Schutz der einheimischen Vegetation angelegt, ist es eine Oase der Erholung im quirligen Kapstadt. Wir schlenderten durch die verschiedenen Themengärten, folgen dem Pfad durch die Baumwipfel und machten ein Nickerchen auf den einladenden Wiesen. Den Tag ließen wir am Blouberg Strand etwas nördlich von Kapstadt ausklingen. Hier hat man nicht nur einen wunderschönen Blick auf den Tafelberg und das zu Fuße liegende Kapstadt, es lassen sich auch zahlreiche Wind- und Kitesurfer beobachten, die hier beste Bedingungen für waghalsige Sprünge vorfinden.

Mit unserem Mietwagen fuhren wir am nächsten Tag raus aus der Stadt. Das kleine Städtchen Hermanus macht regelmäßig zwischen Juni und November auf sich aufmerksam, denn dann kann man die in die warmen subtropischen Gewässer vorbeiziehenden Wale beobachten. Wir fuhren weiter. Es ging zum Cape Agulhas. Das Kap ist weitaus weniger frequentiert als das Kap der Guten Hoffnung, dafür aber der wahre südlichste Punkt des Kontinents. Der Markierungspunkt ist unspektakulär. Faszinierend jedoch die Vorstellung beim Blick aufs Meer, dass hinter einem ganz Afrika liegt und vor einem gleich zwei gewaltige Ozeane aufeinander treffen: der Atlantik und der Indik. Die Fahrt zurück ins Landesinnere führte durch die Overberg Region, vorbei an Farmland und riesigen Rinderherden. Nahe Heidelberg erreichten wir unsere Unterkunft, eine Gästefarm, völlig abgelegen mitten im Nirgendwo. Unsere Gastgeber empfingen uns sehr herzlich. Die Köchin verwöhnte uns mit den köstlichsten Gerichten. Allen voran das saftig zarte Straußensteak, frisch für uns im offenen Hauskamin gegrillt. Am nächsten Morgen nahmen uns die Arbeiter für eine Farmrundfahrt mit. Wir trieben die Schafe hinaus auf die Koppeln, erfuhren, dass die Farm sich heute vor allem auf die Schaf- und Rinderzucht spezialisierte und stahlen dem ausbrütendem Straußenpärchen ein Ei für das anschließende Frühstück. Noch ein Sprung in den Hauspool, bevor wir zu unserem nächsten Ziel aufbrachen.

Über den Tradouw Pass, entlang der Route 62 ging es durch die Halbwüste der Karoo in die Straußenstadt Oudtshoorn. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt in den 1920er Jahren. Viele Häuser der damaligen „Straußenbarone“ sind inzwischen zu schicken Gästehäusern umfunktioniert worden. Den Charme der damaligen Zeit haben sie behalten. Mit unserem Guide Charly, der nebenbei auch Arzt und Pastor ist, hatten wir uns für den nächsten Tag zu einem Ausflug in die Swartberge verabredet. Oben angekommen, blickten wir auf die Ebenen der Kleinen Karoo und der Großen Karoo. Von hier ging es zu Fuß weiter. Wir liefen zu Charlys Berghütte. Bei Biscuit und Kaffee berichtet er uns von seinen Erlebnissen in den Bergen. Später fuhren wir die steile und kurvenreiche Straße auf der anderen Seite der Berge hinab. Unten im Tal erfrischten wir uns am Wasserlauf eines Flusses. Im kleinen Städtchen Prince Albert wurden wir mit lokalen Köstlichkeiten verwöhnt, bevor es über den beeindruckenden Meiringspoort Pass zurück nach Oudtshoorn ging.

Nach einer Zwischenübernachtung ließen wir den Addo Park links liegen und fuhren Richtung Osten. Das Städtchen Kenton-on-Sea war Ausgangspunkt unserer Safari in einem privaten Game Reserve. Unser Ranger holte uns mit dem Boot ab und wir fuhren den Kariega River hinunter. Die letzten Meter legten wir in einem offenen Toyota Landcruiser zurück. Es dauerte nicht lange, bis wir unsere erste Tiersichtung hatten: ein balzendes Wasserbock-Männchen! In der Lodge angekommen, waren wir überwältigt. Alles war liebevoll gestaltet und geschmackvoll eingerichtet. Der gemeinsame Aufenthaltsraum hielt von gemütlichen Sitzecken bis hin zu einer kleinen Bibliothek alles für uns bereit. Im Außenbereich drangen die Geräusche des Busches und eines kleinen Wasserlaufs zu uns hoch. Der Ausblick war grandios! Die nächsten Tage verbrachten wir mit ausgiebigen Pirschfahrten im riesigen Areal des Game Reserves. Wir sahen eine Vielzahl an Tieren und Vögeln. Nashörner, Giraffen, Büffel, Elefanten, Zebras, Antilopen, Schakale, ja sogar Löwen, teilweise mit ihren Jungen und nicht selten nur ganz wenige Meter von unserem Fahrzeug entfernt.

Nach unseren aufregenden Erlebnissen im Busch ging es für uns wieder Richtung Westen. Über Port Elizabeth und den Surfer-Hotspot Jeffreys Bay erreichten wir den Tsitsikamma Nationalpark an der Garden Route. Wie praktisch, dass nach der doch recht langen Autofahrt gleich neben unserer Unterkunft eine der gerade überall im Land aufblühenden Mikrobrauereien lag. Nach dieser wohltuenden Erfrischung spazierten wir zum „Big Tree“, dessen Alter auf 800 Jahre geschätzt wird. Yellowwood-Bäume wie der Big Tree waren typisch für die Tsitsikamma-Wälder. Nach Jahren der Forstwirtschaft hat man inzwischen wieder beachtliche Wälder geschaffen und so ist auch das Freizeitangebot entsprechend groß. Wandern oder Paddeln zur Mündung des Storms River Flusses, mehrtägiges Trekking entlang Südafrikas berühmtestem Wanderweg, dem Otter Trail oder ein Bungee-Sprung von der Bloukrans Brücke. In den Wäldern oder an der Küste ist für jeden das Passende dabei. In Knysna unternahmen wir eine Bootsfahrt auf der riesigen Laguna und spazierten entlang weitläufiger Strände.

Über den wunderschönen und spektakulären Outeniqua Pass fuhren wir an diesem Tag in die Weinregion. Wir besuchten das älteste Haus im Ort, das zugleich eine beeindruckende Sammlung historischer Alltagsgegenstände aus Viktorianischer Zeit beinhaltet. Schließlich erreichten wir bei Robertson ein 100 Jahre altes Weingut mitten in den Weinhängen. Das schicke Herrenhaus empfing uns mit dem Charme vergangener Zeiten. Am Pool ließen wir den Tag mit Käse und Wein gemütlich ausklingen. Gleich in der Nähe nahmen wir am nächsten Tag eine außergewöhnliche Weinverkostung vor. Wir stellten unseren eigenen Wein her. Wir verkosteten zunächst verschiedene Rebsorten, probierten den Geschmack, wenn man sie mischte, bis wir schließlich unsere eigene Flasche Wein verkorkten und als Andenken mitnehmen durften. In Franshoek angekommen nahmen wir am vorletzten Tag unserer Reise an einer ganztägigen privaten Weintour teil. Auf unserer Tour steuerten wir die verschiedensten Weingüter und Kellereien an. Einige Weingüter waren neu und sehr modern, andere wiederum urig und traditionell. Eines hatten sie alle gemeinsam: die Weine waren hervorragend. Weißweine, Rotweine, Schaumweine und Rosés – immer wieder kombiniert mit verschiedenen Speisen. Es waren richtige Geschmacksexplosionen, die wir erlebten. Wie schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten!

Kapstadt und die Garden Route sind eine Reise wert, dies dürfte klar sein. Selbstfahrertouren und ähnliche Kleingruppenreisen werden von AT-REISEN GmbH angeboten und können direkt gebucht werden. Infos unter 0341 - 5500921 oder www.at-reisen.de. Mehr Informationen über das Land unter www.dein-suedafrika.de.

Reisebericht & Fotos: Katja Weber

25. April 2017

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