Unterwegs

Reisebericht: Israel

Zu Besuch im Heiligen Land

Israel

Gerne folgte ich der Einladung, Israel für einen Reisebericht zu besuchen. Anlass war der zu diesem Zeitpunkt stattfindende »Israman«-Triathlon. Israel und speziell Jerusalem sind sicherlich in erster Linie als religiöses Sammelbecken und Handlungsgeschichte der Leiden Jesu bekannt. Neben Christen und Muslimen sind es vor allem Anhänger des jüdischen Glaubens, die das Land zwischen Libanon, Syrien, Jordanien, Westjordanland, Ägypten und Gazastreifen dominieren. Dies waren auch für mich die einzigen Informationen, die ich mit diesem Land verband.

Abenteuerlich war bereits der Security-Check vor dem Abflug, der fast eine dreiviertel Stunde in Anspruch nahm. Zumindest verkürzte dies die Wartezeit auf meinen Flieger von »El Al Airlines«, der mich in rund vier Stunden nach Tel Aviv beförderte. Dort angekommen, traf ich mich mit den anderen deutschen Teilnehmern der Reise und es ging vom Flughafen »Ben Gurion« zu einem kleineren Flughafen, welcher uns nach Eilat, in den Süden Israels bringen sollte. Angekommen in Eilat, bezogen wir Quartier im noblen zwölfstöckigen King Solomon Hotel und tankten neue Kräfte am üppigen Buffet.

Der zweite Tag in Israel begann mit einem Frühstück, welches von der Auswahl her zeigte, dass Israelis früh etwas anders essen als wir. Ich selbst fühlte mich endlich verstanden und stärkte mich mit Hering, Salaten, Oliven, Käse und Omelett. Den Vormittag nutzte ich, um mit einem anderen Journalisten laufen zu gehen. Als wir die Grenze zu Jordanien erreichten, war uns schon etwas komisch zumute. Dies lag vor allem an den Schildern, die vor Minen warnten! Der Lauf war trotzdem eine interessante Angelegenheit und endet mit der verdienten Dusche (und keiner Explosion). Zusammen mit Ron Harari, unserem Guide, ging es nach dem Mittag zum »Timna Park«. Dieser Nationalpark begeisterte mit herrlichen Steinformationen, Wüstenflair und antiken Kupferbergwerken. Über dessen Historie erfuhren wir sehr viel und wir konnten auch in den einen oder anderen Bergwerks-Tunnel krabbeln. Auch sah ich zum ersten Mal einen echten Kappernstrauch, der mir schmerzhaft lehrte, dass dieses Gewächs Dornen hat. Zurück im Hotel war gerade Zeit für ein kurzes Frischmachen, ehe wir im Isrotel Theater die Favoriten des Triathlons vorgestellt bekamen. Im Anschluss gab es die angekündigte, aber nicht näher beschriebene »WOW-Show«. Hier wurden wir von einer zirkusartigen Vorführung überrascht, in deren Mittelpunkt ein im Boden eingelassenes Wasserbecken stand. Je nach Darbietung wurde dieses für Tanz und athletische Darbietungen genutzt, innerhalb kurzer Zeit aber auch wieder abgedeckt und die Bühne komplett umdekoriert. Die Eindrücke dieser spritzigen, bildgewaltigen und humorvollen Darbietung waren bleibend und auch Gesprächsgegenstand beim gemeinschaftlichen Abendessen.

Gut geschlafen startete ich erwartungsvoll in den dritten Tag in Israel. Im Ozeaneum Eilat erfuhren wir als Gruppe mehr über die örtlichen Meerestiere und die Entstehung eines Riffs. Selbiges konnten wir hautnah in einem Turm erleben, dessen untere Stockwerke unterhalb des Meeresspiegels lagen und einen Blick auf das Riff erlaubten. An anderer Stelle war es uns möglich (hinter Glas) die Fütterung der Haie und Rochen zu bestaunen. Weiter ging es dann mit dem Bus zum »Dolphin Reef«. Dies erinnerte vom Aufbau her an ein karibisches Pfahldorf. Für mich war diese wunderschöne, verwachsene Holzkonstruktion mit ihrem entspannenden Flair beeindruckender als die Delphine selbst. Sind eben doch nur Fische, ähm Säugetiere. Irgendwie schien an diesem Ort die Zeit still zu stehen und es machte sich eine angenehme Leere im Kopf breit, die es mir erlaubte, sämtliche Eindrücke ohne ablenkende Gedanken wirken zu lassen.

Der Freitag in Eilat stand zu frühen Morgenstunden im Zeichen des »Israman«. Auch ich nutzte die Gelegenheit, um Fotos zu schießen und die Dramatik dieses harten Rennens unzensiert zu erleben. In der Halbdistanz (1,5km Schwimmen, 90km Rad, 22km Laufen) starteten aus unserer deutschsprachigen Gruppe Maike Maurer und der Österreicher Andreas Wünscher, welche in ihrer Altersklasse jeweils den 3. bzw. 4. Platz belegten. Sieger der Halbdistanz wurde der Amerikaner Ben Collins, den wir bei unserer Wüstentour noch als unscheinbaren Lockenkopf wahrgenommen hatten. Unglaublich stark war bei den Frauen die Britin Alice Hector, die vor einem enthusiastischen Publikum nicht nur mit hohem Abstand Erste, sondern auch in der Gesamtwertung Neunte wurde, also nur acht Männer vor sich hatte. Erwähnen sollte man auch die Leistung des Letztplatzierten, Joel Minkoff, der in der Ironman-Distanz (Altersklasse 65-69) nach 14 Stunden und 24 Minuten das Ziel erreichte und sicherlich genauso litt, wie die schnelleren Teilnehmer vor ihm.

Der Samstag war für uns die Reise nach Jerusalem. Sinnbildlich, denn 16 Personen, 32 Gepäckstücke und vier Fahrräder in einem Bus für 22 Mann unterzubringen, kann auch ein Geschicklichkeitsspiel sein. Die Fahrt selbst führte hauptsächlich durch wüstenartige Landschaften. Hier und da ein paar Palmenanbaufelder, ausgetrocknete Flussbette und nur vereinzelt kleinere Gebäude. In der Region des Toten Meers wurde es wieder interessanter und man sah immer wieder abgeteilte Wasserbecken, die an japanische Reisplantagen erinnerten. Umso skurriler wirkte in dieser Szenerie die gigantische Israelische Magnesium-Fabrik, die nur aus Rohren und Förderbänder zu bestehen schien und der futuristischen Phantasie eines HR Giger hätte entsprungen sein können. Danach waren es nur noch ein paar Fahrminuten, ehe wir zum Schweben im Toten Meer anhielten. Leider war dieser Tag trüb und bewölkt und das Wasser hatte kaum 17 Grad. Trotzdem war es eine Erfahrung, sich einfach ins Wasser zu setzen und wie auf einer Luftmatratze zu schweben. Dies ermöglichte der hohe Salzgehalt, der sich wie Öl auf der Haut und wie Feuer auf meinen aufgesprungenen Lippen anfühlte. Nach einem kurzen Sauna- und Whirlpool-Besuch ging es danach nach Jerusalem. Nach einer kurzen Pause folgte ein langer Spaziergang durch die nächtliche Stadt. Hier zeigte sich ein überwältigender Kontrast zwischen modernem Leben und uralten jüdischen Vierteln und religiösen Stätten.

Am vorletzten Tag wurde die Jerusalem-Exkursion bei Tageslicht fortgesetzt. Die Altstadt Jerusalems teilt sich in vier ethnische Viertel auf: Das muslimische, das christliche, das armenische und das jüdische. Zu einem großen Teil werden diese Viertel in den Gassen von zahlreichen bunten Märkten dominiert. Exotische Düfte, bunte Waren, unbekannte Speisen – hier gab es mehr als man beim Durchgehen wahrnehmen und verarbeiten konnte. Auch ohne religiöse Bindung war es ergreifend, heilige Orte, wie den Raum des letzten Abendmahls oder die Grabeskirche, den Ort der überlieferten Kreuzigung und des Grabes Jesu, zu sehen. Die bekannte Klagemauer, welche wir nur mit einer »Kippa« (der kleinen, kreisrunden Mütze) betreten durften, symbolisierte die machtvolle Präsens des Judentums und deren Bräuche. Diese Eindrücke konnten wir auf der anschließenden Fahrt nach Tel Aviv verarbeiten. Je näher wir dieser Großstadt kamen, desto mehr nahm die Vegetation grünere Züge an. Den späten Nachmittag verbrachten wir in einem malerischen Hafenviertel im Vorort Jaffa, an dessen Kai sich der Andromeda-Felsen befindet. Dort wurde der Sage nach Andromeda auf Befehl Poseidons an einen Felsen gebunden, um geopfert zu werden. Nach weiteren Spaziergängen durch nicht ganz so ansprechende Viertel ging es ermüdet ins Hotel, welches direkt am Meer gelegen war. Dort erzählte uns der Tourismusbeauftragte des Landes bei einem fürstlichen Menü mehr über sein Land und die vielen weiteren Möglichkeiten, die sich Touristen bieten. Dies war sehr informativ und es wurde humorvoll, aber mit Pathos über die Verschiedenheiten, aber auch Gemeinsamkeiten der Kulturen diskutiert.

Während die meisten Reiseteilnehmer bereits des Nachts abgereist waren, konnte ich in Ruhe mit US-Fotograf Larry Rosa und Triathletin Maike Maurer frühstücken und mit Letzterer noch einen Morgenlauf an der Strandpromenade unternehmen. Bei strahlendem Sonnenschein und salzigem Meergeruch machte es mir auch nichts aus, dass ich mich ordentlich anstrengen musste, während meine Laufbegleiterin (in Ruhepuls) wie eine Gazelle neben mir über den Boden schwebte. Die Gaben sind eben nicht gleich verteilt. Stunden später saß ich im Flieger und ließ das Erlebte Revue passieren. War es so, wie ich es mir vorgestellt hatte? Eigentlich hatte ich ja gar keine Vorstellungen. Außer, dass das Land bestimmt sicherer ist, als man so hört und dass ich am Ende mit vielen neuen kulturellen Eindrücken nach Hause gehe. So war es dann auch. Dies ist sicherlich auch den dort lebenden Menschen geschuldet, die trotz unseres Status als Touristen und Andersgläubigen, jederzeit freundlich und offen aufgetreten sind.

Kontakt für Reiseinteressierte
Staatliches Israelisches Verkehrsbüro
Auguste-Viktoria-Str. 74-76, 14193 Berlin
Tel.: 030 - 2039970
www.goisrael.de

Reisebericht und Fotos: Stefan Mothes

06. April 2017

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