Training

Mythos Bauchmuskeln - Effektiv trainieren statt Zeit verschwenden

Sven Kohl

Seit Jahrzehnten halten sich die Mythen über Bauchmuskeltraining und den von Mann und Frau heiß ersehnten Waschbrettbauch. Überall findet man Programme, die einen »Six-Pack in sechs Wochen« und ähnliche Wunderwirkungen versprechen. Leider ist die Fitnessindustrie voll von solchen Versprechungen und stärkt damit die Mythen und falschen Informationen, denen gerade Anfänger oftmals glauben schenken. Doch wie bekommt man denn nun einen Waschbrettbauch oder eine starke Bauchmuskulatur? Die folgenden drei Punkte sollen Aufschluß darüber geben was wirklich benötigt wird, um eine starke Bauchmuskulatur aufzubauen und dass ein Six-Pack nicht unbedingt mit einem starken Rumpf gleichzusetzen ist.

1. Fett kann nicht an lokalen Stellen gezielt abgebaut werden

Klimmzüge

Ein sehr alter und weitverbreiteter Mythos behauptet, dass man durch Bauchmuskeltraining gezielt Fett am Bauch verbrennen kann. Da unser Körper aber Fett nicht lokal, sondern nur anteilig am ganzen Körper abbaut, ist dies leider nicht möglich. Warum gibt es dann aber die bekannten Problemzonen (Bauch, Hüfte), bei denen Fett wesentlich langsamer abgebaut wird als an anderen Stellen? Hier liegt die Ursache darin, dass jeder Mensch eine unterschiedliche Genetik besitzt. Der Körper verbrennt Fett zwar insgesamt, allerdings baut er an manchen Stellen schneller und an anderen langsamer Fett ab. Gezieltes Bauchmuskeltraining verbrennt zwar ein paar Kalorien, aber baut dort nicht mehr Fett ab als jede andere Übungen mit gleicher Kalorienbilanz.

2. Starke Bauchmuskeln sind auch ohne einen Waschbrettbauch möglich

Dips

Wer einen Waschbrettbauch möchte, sollte nicht nur seinen Rumpf trainieren, sondern vor allem auf seine Ernährung achten. Ein starker Rumpf heißt nämlich nicht zwangsläufig, dass man einen Waschbrettbauch vorweisen kann. Ein Waschbrettbauch ist lediglich das Resultat eines niedrigen Körperfettgehaltes. Natürlich sieht ein untrainierter Bauch mit niedrigen Körperfettanteil anders aus als ein trainierter, aber grundsätzlich reicht ein niedriger Körperfettanteil aus, um seine Bauchmuskeln sichtbar erscheinen zu lassen. Ein Waschbrettbauch gibt demzufolge nicht zwangsläufig darüber Auskunft ob jemand einen starken Rumpf vorweisen kann oder nicht. Ein gutes Beispiel dafür sind Sumo-Ringer. Diese Sportler haben eine sehr starke Rumpfmuskulatur, aber bedingt durch ihren Sport einen sehr hohen Körperfettanteil. Daher sieht man ihre Bauchmuskeln nicht, weil sie unter dem Körperfett begraben sind. Sumo-Ringern und auch Kraftsportlern geht es primär um Leistung und nicht um Optik. Ein niedriger Körperfettanteil geht nämlich meist damit einher, dass der Körper in einen Mangelzustand kommt. Dieser Mangelzustand kann sich auch auf die Leistung auswirken (da der Körper ja seine eigelagerten Reserven verbrennen muss). Aus diesem Grund wäre es für einen Strongmen ineffizient, einen sehr niedrigen Körperfettanteil aufzuweisen. Bei Turnern sieht das dagegen schon ganz anders aus, weil sie mit ihrem eigenen Körpergewicht arbeiten und jedes verlorene Kilogramm die Übungen leichter macht.

3. Es ist nicht nötig, seine Bauchmuskeln mit unzähligen Übungen separat zu trainieren

Unterarmstütz

Es müssen nicht unzählige Crunches oder Sit-Ups absolviert werden, damit man starke Bauchmuskeln bekommt. Unser Körper ist für funktionelle und komplexe Bewegungen geschaffen und nicht primär dafür konzipiert, einzelne Muskelpartien zu trainieren. Wenn man sich einmal seinen eigenen Alltag durch den Kopf gehen lässt, wird man merken, dass wir unsere Bauchmuskeln überwiegend statisch nutzen. Wir sitzen, laufen, stehen oder halten eine Position. Warum sollte man also dynamische Übungen wie Crunches oder Sit-Ups nutzen und seinen Rumpf damit isoliert und in einer alltagsfremden Form trainieren? Die bessere Alternative ist es, seine Bauchmuskeln mit komplexen Übungen zu trainieren, bei denen der ganze Körper gefordert wird. Ein Liegestütz, ein Kniehebelauf, ein Unterarmstütz und selbst eine tiefe Kniebeuge trainieren unsere Bauchmuskulatur effektiver und sind vollkommen ausreichend für einen starken und funktionellen Rumpf.

Fazit

Um einen starken Rumpf zu bekommen, ist es nicht zwangsläufig nötig, extrem viele Bauchmuskelübungen zu absolvieren. Der Fokus sollte auf funktionellen Übungen liegen, die den der Körper stabilisieren und als Einheit fordern. Liegt das Ziel darin, einen Waschbrettbauch zu erreichen, muss eine angepasste Ernährung Hand in Hand mit dem Training gehen. Ohne einen niedrigen Körperfettgehalt wird man selbst die stärksten Bauchmuskeln nicht sehen können. Damit man die Schauspieler sieht, muss erst der Vorhang von der Bühne gehoben werden. Logisch, oder?

Über den Autor
Der Leipziger Sven Kohl ist ausgebildeter Physiotherapeut und Fitnesstrainer. Er ist Gründer der Organisation Calisthenic Movement und leitet einen der größten YouTube Fitness-Channels Deutschlands. Sven Kohl betreut im Großraum Leipzig Kunden im Personal Training, leitet Trainingsgruppen an und veranstaltet Calisthenics Workshops im gesamten deutschsprachigen Raum.

Fotos: Alexander Lorenz

28. April 2015

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Kommentar von Sebastian |

Danke für diesen tollen Beitrag !
Was mir sehr gut an diesem Beitrag gefallen hat, dass auch auf den weiterverbreiteten Mythos eingegangen wurde, dass man gezielt Fett am Bauch Fett verbrennen kann. Außerdem gebe euch zu 100 Prozent recht, dass die angepasste Ernährung genauso wichtig wie das Training ist.
Mach weiter Macht weiter so! Mit besten Grüßen Das Team von sixpack-bekommen-garantiert.de

Kommentar von Andreas |

Ein guter Artikel und sehr gut und detailiert beschrieben warum es ein Mythos ist und bleibt. Komplexe Übungen und funktionales Training sind deutlich effektiver und mit der richtigen Ernährung schafft man es auch zum Erfolg! Ein bedeutender Vorteil beim Training mit dem eigenen Körpergewicht, weil bei fast allen Übungen der Bauch mit aktiv ist. Danke für den Beitrag!

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