Unterwegs

Chevrolet Camaro

Chevrolet Camaro

»Ich bin in einer finsteren Sekte – die in mir die Erkenntnis weckte – dass unsre kurze Daseinsfrist – mehr Spaß macht, wenn man böse ist…«. Beim Blick in die schmalen, fies zusammengekniffenen Augen des neuen Camaro muss ich unwillkürlich an diese Textzeile der Band »Knorkator« denken. Böse sieht er wahrlich aus, Chevrolets Sportwagenklassiker, der neben seinem Rivalen, dem Ford Mustang, den Begriff »Muscle Car« maßgeblich definiert hat. 2016 feierte der Camaro sein 50-jähriges Jubiläum, von Alters- oder Abnutzungserscheinungen jedoch keine Spur. Auch 2017 sieht er – in der sechsten Generation – immer noch unverwechselbar aus und zeigt in seiner Frontpartie eine Aggressivität, die seinesgleichen sucht. Im Vergleich zur vorherigen Baureihe wurden der V8-Version noch zusätzliche Pferdestärken spendiert, gleichzeitig durfte er rund 90 Kilogramm abspecken. Mehr Muskeln, weniger Fett – so soll es sein.

Ich gebe zu, dass ich den Chevrolet Camaro schon als Jugendlicher cool fand, allerdings nur die Versionen bis Anfang der 80er. Danach ging es stilistisch steil bergab und der Camaro wurde erst kantig, dann japanisch-weichgespült. Was zwischen 1982 bis 2009 vom Band lief konnte mich daher überhaupt nicht begeistern. Aber vergessen wir die dunklen Jahre. Der Chevrolet Camaro ist wieder da. Stärker und schöner als je zuvor. Bullig, schnittig, aggressiv, aber auf gewisse Weise trotzdem elegant. Dieser Wagen fällt auf, ohne in protzige, übertriebene Extreme abzugleiten. Auch im Innenraum zeigt sich ein sportliches, aber übersichtliches Design. Schick vor allem die runden Lüftungsöffnungen, die im Mittelteil gleichzeitig durch Drehen die Innenraumtemperatur regeln lassen. Die Sitze in der Basisversion sind bequem, könnten aber etwas mehr Seitenhalt vertragen. Hier lohnt sich der Blick in die Liste der aufpreispflichtigen Extras. Die zwei Sitze im Fond werden jedoch nur sehr kleinwüchsigen Mitfahrern gerecht. Eine nette Spielerei ist die »Spectrum-Lighting-Funktion«, bei der man bei der Beleuchtung des Radios, der Türverkleidung und der Getränkehalter aus 24 verschiedenen Farben auswählen kann. Bei Tunnelfahrten oder bei Nacht lässt sich so ein sehr farbenfrohes Ambiente schaffen. Mein Favorit (passend zur Wagenfarbe) ist ein futuristischer Blauton. Ansonsten ist die Ausstattung in der V8-Basisversion gehoben (beheizbares Lenkrad, Head-Up-Display, Rückfahrkamera, Spurwechselwarnung, großes Navi,…) und es gibt nicht viel, was noch als Extra dazugekauft werden muss. In Verbindung mit dem günstigen Basispreis ist dies ein wirklich starkes Stück und eine Kampfansage an die heimischen Premiummarken aus Stuttgart, München, Ingolstadt und Zuffenhausen.

Trotz aller Verliebtheit in die Optik müssen natürlich auch die Fahrleistungen dem martialischen Auftritt des Chevrolet Camaro entsprechen. Tun sie dies? Und wie! Der voluminöse Achtzylinder ist ein Meisterwerk automobiler Handwerkskunst und zaubert über die 8-Gang-Automatik traumhafte Fahrleistungen auf den Asphalt. Die Beschleunigung ist brachial und die Dual-Mode-Abgasanlage sorgt für eine Geräuschkulisse, bei der sich (vor Freude) alle Nackenhaare aufstellen. Für mehr Motorsportfeeling lassen sich über die Schaltwippen die Gänge wechseln. Über den Fahrmodus »Sport« bzw. »Track« kann der Fahrer die Fahrwerksabstimmung, das Lenkverhalten, die Abgassteuerung und das Schaltverhalten anpassen. Im Modus »Track« bleibt die Drehzahl stets in dem Bereich, der maximale Leistungsentfaltung garantiert, auch wenn der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt. Im normalen Betrieb »Tour« läuft der V8 jedoch sehr ruhig, und legt bei Bedarf auch mal vier Zylinder still, um Treibstoff zu sparen. So ergibt sich eine relativ hohe Verbrauchsspanne von 7,7 Litern (Cruisen auf der Landstraße) und 17 Litern (Vollgas bzw. Stadtverkehr). Im Schnitt gibt der Hersteller rund 11 Liter an. Wo gehobelt wird, da fliegen Späne.

Technische Daten Chevrolet Camaro Coupé V8

Motor: V8
Leistung: 453 PS
Hubraum: 6.162 ccm
Maximales Drehmoment: 617 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 4,4 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h
Antrieb: Heckantrieb
Leergewicht: 1.659 kg
Grundpreis: 47.900 Euro (Automatik-Version)

Fotos: Stefan Mothes
Händler / Kooperationspartner: mobilforum Dresden GmbH

10. Juli 2017

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