Unterwegs

Audi RS 3

Gib mir fünf!

Audi RS 3

So sieht man sich wieder. Wie es der Zufall will, war auch mein erstes Auto ein Fünfzylinder von Audi. Aber das Rad der Zeit dreht sich weiter. Waren damals 136 PS noch eine Hausnummer, sind es heutzutage schon ein wenig mehr Pferdestärken, die unter der Haube der Sportmodelle aus Ingolstadt schlummern. Im Falle des neuen RS 3 sind es bescheidene 400 PS. Dies sieht man der kleinen Limousine jedoch nicht an. Indizien gibt es jedoch genug, man muss nur hinschauen. Nicht nur der RS 3 Schriftzug, auch die zwei dicken Endrohre und die voluminösen Bremsscheiben hinter 19 Zoll Alufelgen lassen den Verdacht aufkommen, dass man es hier nicht mit dem Einstiegsmodell zu tun hat. Auch im Innenraum setzt sich der sportliche Auftritt fort. Edle Sportsitze aus Nappaleder, ein Lederlenkrad mit Wildlederbezug und dahinter befindlichen Schaltwippen geben ansatzweise einen Hinweis auf die Fahrleistungen, die sich unter Motorhaube verbergen. Technisch hat Audi so ziemlich alles verbaut, was state-of-the-art ist und den Fahrkomfort steigert. Die Grundausstattung ist bereits sehr umfangreich, trotzdem gibt es noch eine Menge Extras, um auch den letzten Technikfetischisten zufrieden zu stellen. Dies reicht vom Bang & Olufsen Sound System bis hin zu Matrix-LED-Scheinwerfern. Selbige ermöglichen es unter anderem, entgegenkommende und vorausfahrende Fahrzeuge so auszublenden, dass alle anderen Bereiche dazwischen und daneben weiterhin vollständig erhellt werden. Die Anzahl an Knöpfen, Reglern und Schaltern ist nicht gerade wenig, aber überschaubar. Die Bedienung ist logisch aufgebaut und leicht zu erfassen. Besonders gut hat mir das „Virtual Cockpit“ gefallen. Es zeigt bei Navigation nicht nur die Straßenkarte, sondern kann dergestalt konfiguriert werden, dass man sich aussuchen kann, welche Informationen man sehen und welche man ausblenden möchte. Alle diese Einstellungen lassen sich über das Lenkrad vornehmen. Bei der Eingabe von Zieldaten für das Navigationssystem kann man die Sprachsteuerung nutzen, seine Adresse aber auch über das zentrale Steuerrad eingeben. Auf dessen berührungsempfindlicher Oberfläche kann man Buchstaben und Zahlen einfach „malen“, die dann per Handschrifterkennung erfasst werden. So etwas hat wahrscheinlich nicht einmal die NASA…

Null auf hundert in vier Sekunden

Als Fahrer fühlt man sich im RS 3 sofort wohl. Der Einstieg ist sportlich, aber kein Geschicklichkeitsakt. Zeitgenossen jenseits der 1,85 m müssen jedoch den Sitz etwas neigen, um nicht mit der Decke in Berührung zu kommen. Der Arbeitsplatz, wenn man ihn mal so nennen mag, ist aufgeräumt und präsentiert sich optisch luxuriös-sportlich. Auch die Sichtverhältnisse sind in alle Richtungen mehr als ausreichend. Der kleine Fünfzylinder erwacht beim Starten zunächst recht unspektakulär, jedoch alles andere als langweilig. Die Bremsen haben ordentlich Biss und ihr Druckpunkt ist ideal abgestimmt, so dass sich die Verzögerung nicht ruckartig einstellt, sondern progressiv entfaltet. Ähnliches gilt für die Gasannahme im „Comfort“-Modus. Rangieren und dahinbummeln im Stadtverkehr sind somit eine entspannte Sache. Jenseits der 2.500 Umdrehungen ist jedoch Schluss mit lustig und der Kompaktsportler schiebt an, als gebe es kein Morgen. Auch der Auspuffsound schließt sich dem an und quittiert Gangwechsel mit einem giftigen Fauchen um dem charakteristischen, kernigen Klanggebilde eines Fünfzylinders. Mehr davon gibt es „Dynamic“-Modus. Bereits beim Anwählen dieser Option geben die Auspuffklappen ein heißeres Bellen von sich und signalisieren auch akustisch, die Bereitschaft, in die Vollen zu gehen. Dazu sollte aber auch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe auf Sportmodus gestellt sein, da der RS 3 mangels Hubraum unten herum etwas träge ist und minimales Turboloch besitzt. Im Sportmodus bewegt sich die Drehzahl jedoch im optimalen Bereich und jedes Gasgeben wird in kompromisslosen Vortrieb umgesetzt. Unter optimalen Bedingungen vergehen gerade einmal vier Sekunden und der „Herr der Ringe“ hat die 100 km/h Schallmauer erreicht.

Exzellentes Handling

Fahrdynamisch zeigt sich der agile Fünftürer ebenfalls von seiner besten Seite. Die relativ straff gefederte Limousine liegt perfekt auf der Straße und der Allradantrieb garantiert bestmögliche Traktion. Selbst beim Beschleunigen aus der Kurve heraus klebt der RS 3 auf dem Asphalt. Schiebt er anfangs noch minimal über die Vorderräder, so dauert es nur Millisekunden, ehe der Wagen wie ein Hecktriebler von hinten Schub gibt und sich immer fester in den Asphalt beißt. Wer dann noch die Schaltwippen nutzt, kann mit Audis kleiner Rakete Motorsportfeeling par excellence erleben. Wer das nötige fahrerische Können, die geeignete Strecke und eine „Reifenflatrate“ besitzt, kann bei ausgeschalteten ESP sogar herrliche Drifts genießen.

Der Wolf im Schafspelz

Der RS 3 im neuen Gewand ist ein schickes, bissiges Kraftpaket und wahrscheinlich der Stärkste seiner Klasse. Erhältlich ist er als Limousine oder Sportback (Fließheck). Der bescheidene Sportler ist kein Auto, das auffällt. Understatement ist die Devise für den Wolf im Schafspelz. Wer angeben möchte, muss auf andere Modelle umschwenken, die jedoch kaum so alltagstauglich wie der RS 3 sein werden. Preislich bewegt er sich auf einem gehobenen Niveau und wer die Aufpreisliste ausschöpft, kann gut und gerne noch 10.000 Euro hinzublättern. Teurer als seine direkten deutschen Konkurrenten (BMW M3, Mercedes AMG A45) ist er jedoch nicht und kann sogar mit einem großzügigeren Raumangebot punkten. Wer mehr will und die nötigen Scheinchen auf der Bank hat, für den bietet Audi in der RS-Reihe noch den RS 5 (V6, 450 PS, nur Coupé), den RS 6 (V8, 560 PS bis 605 PS, nur Avant) und RS 7 (V8, 605 PS, nur Sportback). Als Cabrio und Roadster gibt es zudem den zweisitzige RS TT, der von der Motorisierung her mit dem RS 3 identisch ist.

Technische Daten RS 3 Limousine

Motor: Reihen-5-Zylinder
Leistung: 400 PS
Hubraum: 2.480 ccm
Maximales Drehmoment: 480 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 4,1 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 280 km/h (gegen Aufpreis, sonst 250 km/h)
Antrieb: Allrad
Leergewicht: 1.590 kg
Grundpreis: 55.900 Euro

Fotos: Stefan Mothes, Audi AG
Händler / Kooperationspartner: Autohaus Holm Wirthgen

19. Oktober 2017

Weitere Beiträge zu diesen Themen

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Weitere Artikel zu Reisen

Audi RS 3

mehr lesen >>

Reisebericht: Finnland

mehr lesen >>

Reisebericht: Schottland

mehr lesen >>

Ford Mustang GT

mehr lesen >>

Reisebericht: Südafrika

mehr lesen >>