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„Aufgeben ist keine Option“ - Thomas Dold im Interview

Geschrieben von Stefan Mothes am 18.05.2011

Interview Thomas Dold

Rekord-Treppen- und Rückwärtsläufer Thomas Dold im Interview

Notiert von Stefan Mothes und Matthias Fiedler, Fotos: PR

Thomas Dold nimmt im Hochhaus schon mal den Lift, allerdings nur wenn es runter geht und er die 1000 Stufen gerade hochgerannt ist...

Ohne Zweifel: Der Treppenläufer Thomas Dold gehört zu den Ausnahmeerscheinungen der deutschen Sport- und Leichtathletikszene. Bereits sechsmal in Folge gewann Dold den prestigeträchtigsten Treppenlauf im New Yorker Empire State Building. Selbst den ehemals höchsten Wolkenkratzer in Taipei bezwang der 26-Jährige als Schnellster. Genug vom Siegen hat er deshalb noch lange nicht. Beim Oberelbe-Marathon in Dresden will sich Dold über die 10-km-Distanz im Rückwärtslaufen versuchen – eine weitere Spezialdisziplin des gebürtigen Schwarzwälders. Im PULSTREIBER-Interview spricht er über die mentale Herausforderung des Treppenlaufens und weiche Knie mit Panoramablick. Außerdem verrät er, welche Spitzensportler sich für bessere Leistungen ebenfalls die Stufen hinauf quälen und warum er sich bei seinem Rückwärtslauf-Projekt für Dresden entschieden hat.


Thomas, die Presse nennt Dich „König des Treppenlaufens“. Wie lange hast Du gebraucht, um so gut zu werden?

Meinen ersten Treppenlauf bin ich 2003 in Wien gelaufen. Danach hat es noch zwei Jahre und viele Wettkämpfe gebraucht, bis ich das erste Mal als Sieger auf dem Treppchen stand. Aber seitdem habe ich fast jeden Wettkampf gewonnen. Im Jahr 2008 musste ich mich kein einziges Mal geschlagen geben.


Wie bist Du überhaupt zum Laufen gekommen?

Das habe ich meinem Cousin zu verdanken. Er war der Überzeugung, dass ich nach zehn Jahren Fußball „mal etwas Richtiges machen sollte“. Mit 16 nahm er mich zu ersten Trainingsläufen mit, wenig später zu Wettkämpfen. Im April 2001 bin ich die zehn Kilometer zum ersten Mal gelaufen – gleich unter 40 Minuten – trotz Zwangspause fürs Schnürsenkel zubinden. Bis heute habe ich auf flachem Terrain für die Zehn-Kilometer-Distanz nie mehr als 40 Minuten gebraucht.


Stellt Treppenlaufen besondere Anforderungen an den Körper?

Ja, auf jeden Fall. Zum einen ist es koordinativ anspruchsvoll, weil die Arme noch ins Spiel kommen, mit denen sich der Athlet das Geländer hochzieht. Zum anderen ist der Wettkampf sehr kurz und intensiv. Beim Treppenlaufen verlangt der Körper nach dem Start sofort mehr Energie, als er bereitstellen kann. Dadurch „übersäuern“ die Muskeln schnell und im Ziel schlottern einem dann die Knie. Aber die Aussicht vom Wolkenkratzer entschädigt meist für alle Anstrengung.


Kann Treppenlaufen auch für Athleten aus anderen Sportarten ein sinnvolles Training sein?

Viele Sportler holen sich die nötige Härte und Kraft an der Treppe. Denken wir an die Fußball- Nationalmannschaft, als sie vor der WM im Genfer Stadion hoch und runter gespurtet ist. Oder die Klitschkos, die in Los Angeles viel auf der Treppe trainieren. Am intensivsten allerdings nutzen Ausdauersportler das Treppenlaufen. Biathletin Andrea Henkel hatte in Vorbereitung auf den Weltcup 2006/07 viel an der Schanze in Oberhof trainiert. Immer wieder lief sie nach oben und ließ sich mit dem Lift, der die Skispringer hoch befördert, nach unten fahren. Mit Erfolg. Im Gesamtweltcup 2007 holte sie den Sieg.


Und für Freizeitsportler?

Auch die können das Treppenlaufen gut in ihr Trainingsprogramm einbauen. Allerdings sollten Freizeitsportler langsam beginnen und nicht gleich rennen. Der Erfolg stellt sich in jedem Fall ein. Spätestens, wenn man das nächste Mal zum Bus rennen muss, wird man es merken.


Trainierst Du nur Treppenlauf?

Nein. Ich achte vor allem auf abwechslungsreiche Übungen. Auch Ausgleichstraining, wie das Rückwärtslaufen, ist dabei schon integriert. Das ist wichtig für die Gesundheit. Und ich empfinde es nicht als Zusatzbelastung. Würde ich darauf verzichten, hätte ich wohl bald mit Verletzungen zu kämpfen. Dank eines ausgewogenen Trainings hatte ich noch nie eine Knochenhautreizung oder ähnlich schwere Schäden.


Stichwort Rückwärtslaufen: Das machst Du ja zusätzlich noch. Ist das nur eine Marketing-Strategie oder betrachtest Du es als richtigen Sport?

Es dient mir vor allem als Ausgleich und um verletzungsfrei zu bleiben. Denn beim Rückwärtslaufen werden andere Muskelgruppen trainiert. Das beugt muskulären Problemen vor, die oft die Ursache für Reizungen und Entzündungen sind. Die Sportart selbst ist, seitdem ich 2003 angefangen habe, sehr stark gewachsen. In Italien gibt es bereits fast jedes Wochenende einen so genannten „Retrorun“. Abgesehen davon finde ich es wichtig, dass jeder Läufer und Sportler ab und an ein bisschen rückwärts läuft. Für den Einstieg sind 3x200 Meter sicherlich nicht verkehrt.

Fotos: Archiv Thomas Dold, PR

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